Eulen drehten in der Kirche ihre Runden
Algermissener Naturschützer bieten Eulen ein Zuhause - Bestand wie vor 75 Jahren ist wieder erreicht

Die Algermissener Alpebruch-Naturschützer freuen sich Uber weitere Nistkästen für Schleiereulen: (von links) Wolfgang Deppe, Landwirt Elmar Gödeke, Walter Bulke. die Stifterin Siglinde Hosner und Christian Reimann. Dieser Eulenkasten hängt jetzt in Lühnde. Foto: Schütte
Algermissen (gs). Auf dem Speisezettel der Schleiereulen stehen Mäuse ganz oben. Die Zahl der nachtaktiven Flieger und Jager hat sieh inzwischen rund um Algermissen deutlich erhöht. Mitglieder vom Verein für Naturschutz „Alpe-Bruch" sorgten dafür.
Jetzt ist ein weiterer Eulenkasten in Lühnde auf dem Hof von Elmar Gödeke angebracht worden. -Wir suchen dringend noch einen Nistplatz In Groß Löbke" , erklären die Naturschützer.
Die aktiven Vogelschützer um Wolfgang Deppe. Walter Bulke und Christian Reimann kamen ins Schwärmen neu. als Bilden neuen großen Eulenkasten Uber Leitern drei Etagen hoch in der oberen Etage der Scheune von Elmar Gödeke anbringen konnten „Der richtige Platz', meinten die Experten. Das Anbringen war aber nicht so einfach. Exakt nach Vorschrift wurde der Brutkasten unter dem Dachfirst am Giebel aufgestellt und befestigt -
mit der Einflugöffnung in Richtung Osten, der Wetterseite abgewandt. Außerdem musste er „mardersicher" sein.
Wichtig ist. dass die Eulen von außen her einen freien Anflug in Richtung Scheunengiebel haben. Eigens dafür wurden in einigen Metern Hohe störende Baumäste sowie ein hoch wachsender -Kaikenbusch" beseitigt.
Beste Bruterfolge registrierten die Alpe-Bruch-Mitgliedcr seit Jahren mit ihren Eulenkasten in den Scheunen der Höfe von Heinrich Wirries und Aloys Köhler in Algermissen. Seit 1986 klappte das immer gut. berichteten die ehrenamtlichen Betreuer. Meistens waren es durchweg vier Junge, mitunter auch mehr, die hier von den Alttieren die Aufzucht schafften. Auch auf den Höfen der Familien Hapke in Bledeln. Behrens in Ummeln und Hennies in Wätzum registrierten die Naturfreunde beachtliche Bruterfolge in ihren Eulenkasten Und wenn hier das heisere Balzkreischen der Männchen und das Bettelschnarchen der Jungvögel ein jedes Jahr zu hören sind, freuen sich darüber auch die Nachbarn.
In den 90er Jahren ging es mit dem Schleiereulen-Nachwuchs im Hildesheimer Land wieder rapide aufwärts, weil die Ornithologen und Naturschützer hier für zahlreiche Nisthilfen sorgten. Inzwischen hat man wieder den Bestand wie vor etwa 75 Jahren erreicht, heißt es. Bereits 1993 erhielten rund 250 Nestjunge den Registrierring um die Kralle gelegt. Noch in den 1950er Jahren verirrten sich die Schleiereulen aus dem Glockenstuhl im Algermissener Kirchturm durch Öffnungen Über der Orgelempore in die Pfarrkirche. Hier drehten sie sogar wahrend der Gottesdienste aufgeregt ihre Runden, flogen von der Orgel in Richtung Altar, auch umgekehrt. ..Das war für uns immer eine Gaudi", erinnert sich Otto Krug, der vor über 60 Jahren seinem Messdiener-Dienst nachging und das alles hautnah erlebte.
„Die Schleiereulen brauchen für ihren Fortbestand den Menschen", erzählen die Algermissener. Denn die Intensivierung der Landwirtschaft führte zu Verkleinerungen ihrer Lebensräume und zu einer Verschlechterung des Nahrungs- und Nistplatzangebotes. Durch Sanierung«- und Restaurierungsarbeiten vor allem an den Kirchenturmen und in Scheunen sind auch Einflugöffnungen im Mauerwerk und Dächern geschlossen worden. Damit wurde den Eulen der Zugang ins Innere verwehrt. Siglinde und Egbert Rösner hatten dem Naturschutzverein Alpe-Bruch zwei solcher Eulenkästen gestiftet. Einer davon war für Lühnde bestimmt, für den andere wird noch ein Platz in Groß Löbke gesucht. „Wenn auch das noch kurzfristig klappen sollte, haben wir alle Algermissener Dörfer mit Nistgelegenheiten bestückt", erzählen die Eulen-Liebhaber.
Naturschützer bündeln ihre Kräfte

