Aus der Küche wird nun eine Krone

100 Jahre alter Industrie-Schornstein in Henneckenrode wird saniert und zum Storchennest

 

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Vor dem inzwischen eingerüsteten Schornstein an der Mühle bedankt sich das Ehepaar Feser bei allen, die am Projekt Storchennest beteiligt sind. Foto: Kohrs

 

Henneckenrode (uli). Vielleicht, wenn Silke und Oliver Feser so wirklich ge­wusst hätten, was alles auf sie zu kommt, dann hätte Meister Adebar vielleicht auch in Zukunft keine Chance in Hennecken­rode. Aber es ist alles so gekommen, wie es sollte. Und im kommenden Frühjahr ist für die Ankunft des Weißstorchs alles vorbereitet- Dann ist sein Nest auf dem 24 Meterhohen ehemaligen Industrieschorn­stein an der Mühle gerichtet.

Doch von Anfang an: 2003 haben Silke und Oliver Feser die alte Wassermühle an der Nette in Henneckenrode gekauft. Als Zugabe bekamen sie vom Generalvikariat der katholischen Kirche, der das Anwesen vorher gehörte, auch die benachbarte alte Zementfabrik und ihren Schorn­stein. Fesers haben viel Geld und Zeit in die Sanierung der Mühle gesteckt, in der sie wohnen und eine Musik­schule betreiben.

Und dann das: 2009 rückte die Bauaufsicht des Landkreises an und stellte dem Paar ein Ultima­tum. Entweder sie würden den Schornstein auf ih­rem Gelände sanie­ren oder das fast hundertjährige Bauwerk müsse ab­gerissen werden. Es sei einsturzge­fährdet Fesers be­auftragten einen Gutachter, der den Schornstein unter­suchte und dessen Standsicherheit be­scheinigte. Doch der Landkreis erkannte das Gutachten nicht an, verlängerte für Fesers aber immerhin die Frist.

Silke Feser erinnert sich heute an einen wahren Kampf, den ihr Mann und sie ab-solvieren mussten, um das Projekt Schorn-Steinsanierung tatsächlich zu realisieren. „Wir wollten den unbedingt erhalten*', sagt d die engagierte Frau. Denn der 24-Meter-Turm sei nicht nur ein Zeugnis ver­gangener Zeiten, er gehörte einst auch zu einer der ältesten Zementfabriken in Deutschland und hatte sich nach deren Stilllegung zu einem Storchenquartier entwickelt. Und Fesers waren sich einig: Das sollte er wieder werden. Denn der Weißstorch, der lange Jahre kaum in der Gegend gesichtet wurde, kommt zurück. Erst in diesem Frühjahr hat das Ehepaar einen hoch oben auf der Schornsteinkrone entdeckt. Aber offenbar hatte es ihm dort noch nicht gefallen und er zog wei­ter.

Das soll anders werden. Denn der Schornstein soll saniert und obenauf mit einer Nisthilfe für den Storch gekrönt werden. Mehr als 35000 Euro kostet das Projekt. Für Fesers allein war diese Sum­me nicht tragbar. Deshalb machten sie sich auf die Suche nach Zuschüssen und Sponsoren. „Aber das war gar nicht so einfach", erinnert sich Silke Feser. Denn zunächst mal muss­te geklärt werden, was in dem alten Back­steinhaus früher produziert und damit auch durch den Schornstein qualmte.

„Dass das mal eine Zementfabrik war, haben wir erst spä­ter recherchiert. Einige Bürger ver­muteten dort eine Schnapsbrenne­rei", schmunzelt Feser. Unerbittlich hat sie alte Akten und Archive durch­stöbert, um alle Fakten zusammen zubekommen. „Wir hatten viel Hilfe. Zum Beispiel in Professor Robert Linde aus Bocke­nem, der die in Sütterlin geschriebe­nen Dokumente für uns entzifferte", erzählt Silke Feser. Sie sprach beim Denkmalschutz vor, bei der Bingo-Umweltstiftung, der Stiftung der Sparkasse Hildesheim und beim Ornithologischen Verein in Hildesheim. Und sie hatte Glück. Überall stieß Silke Feser mit ihrem Projekt auf offene Türen und Geld­beutel.

Dank der 10 300-Euro-EU-Kulturerbemittel, der 11000 Euro aus dem Topf der Niedersächsischen Denkmalpflege, 5000 Euro der Sparkasse Hildesheim, 5000 Euro aus der Bingo-Stiftung und den 500 Euro von der AG Natur- und Umwelt­schutz im Ambergau sind die 35000 Euro für den Schornstein tatsächlich zusam­mengekommen. Und dazu gibt es vom Ornithologischen Verein und dem Verein Ar­beit und Dritte Welt noch eine Nisthilfe dazu.

Und auch Fesers tragen noch einen Teil für die Maßnahme bei. Zum einen zahlen sie noch knapp 3000 Euro dazu und Silke

Feser opfert ihre Küche für die Mauerkro­ne, den Abschluss des Schornsteins also. Auf dem Grundstück haben Fesers näm­lich noch einige gut erhaltene alte Steine gefunden, aus denen wollte Oliver Feser seiner Frau eine Küche bauen. Daraus wird nun aber nichts. Die Steine werden bei der Schornsteinsanierung benötigt. „Das Opfer bringe ich aber gerne" sagt sie.  Der Schornstein ist inzwischen einge­rüstet, die Arbeiten haben begonnen. Bauunternehmer Dirk Barte ist optimis­tisch, dass die Arbeiten bis Mitte Oktober abgeschlossen sind. Dann soll auch gleich die Nisthilfe aufgesetzt werden.

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In diesem Jahr hat sich der Weißstorch schon auf dem Henneckenroder Schornstein blicken lassen. Doch zum Nisten hat es ihm dort offen­bar noch nicht gefallen. Foto: Privat

 

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung

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