Mietfreie Wohnung für junges Paar
Seit gestern thront das Storchennest auf dem alten Industrieschornstein in Henneckenrode
Henneckenrode (am). Eine familienfreundliche, mietfreie Immobilie in Henneckenrode ist bezugsfertig. Die Bleibe ist verkehrsgünstig gelegen, bietet einen hervorragenden Ausblick, das Versorgungsangebot stimmt und Nachwuchs ist sehr willkommen. Einen Haken hat das Angebot Es richtet sich ausschließlich an Storchenpaare. Gestern ist die Nisthilfe auf den 24 Meter hohen Turm der alten Zementfabrik gehievt worden.
Der Wohnungsbau war mit 35 000 Euro nicht ganz billig. Musste doch erst einmal das Fundament gesichert werden. Das ist in diesem Fall der 24 Meter hohe Turm, in dem einst Kalk gebrannt wurde.
„Wahrscheinlich ist der Turm 1868 gebaut worden", erklärte Silke Feser, Eigentümerin der Henneckenroder Mühle. So ganz genau sei der Bau nicht zu datieren, es fehlen die Unterlagen. Weder Bauzeichnungen noch Dokumente, etwa aus der Brandkasse, ließen sich finden. Sicherer als das Baujahr indes: Der Turm war einsturzgefährdet (diese Zeitung berichtete). Die Bauaufsicht ließ Silke und Oliver Feser nur zwei Möglichkeiten: Abriss oder Sanierung. Die zweite Möglichkeit war für die Fesers die einzige Wahl - doch wie sollten sie so etwas finanzieren? Der Umbau der alten Mühle steckte ihnen noch in den Knochen und hinterließ auch in der Familienkasse massive Spuren. „Nachdem das Ehepaar Feser ohne öffentliche Gelder das Gebäude wieder hergerichtet hatte, war es wichtig, sie bei diesem Projekt massiv zu fördern", erklärt Thomas Kellmann vom niedersachsischen Landesamt für Denkmalpflege. Nur so könne das Paar den Mut schöpfen und weitere Projekte in Angriff nehmen. Was das sein könnte? „Die Bruchbude neben dem Turm, die Zementfabrik * so Silke Fesen Die solle ebenfalls schon bald schön aussehen. Da strahlen die Augen des Mannes von der Denkmalpflege.
Auch die Ornithologen Peter Goy und und Manfred Weinhold blicken zufrieden gen Turm. „Wir hoffen, dass sich hier Störche ansiedeln", sagt Dieter Goy. In Hoheneggelsen und in der Gronauer Masch wohnen die bisher einzigen zwei Storchenpaare im Landkreis, wie Weinhold berichtet. Damit das nicht so bleibt, erklärten die Ornithologen den Handwerkern des Vereins Arbeit und Dritte Welt, wie so ein Storchennest aussehen muss. Nach den Vorgaben entstand der 700 Kilogramm schwere Horst, der mit zwei Jahre altem Heu gepolstert und am Rand mit weißer Farbe bekleckst wurde. Nicht etwa aus Unachtsamkeit. Die Kleckse sollen Storchenkot darstellen. Denn, so weiß Vogelexperte Goy, Storchenpaare bevorzugen bereits benutzte Nester
Silke und Oliver Feser können es fast gar nicht fassen, dass dieses Projekt tatsächlich geschafft ist „Wir haben immer daran geglaubt, hätten es aber nie allein geschaffte dankte Silke Feser. Die Bausumme von 35 000 Euro finanzierten das Land, die EU, die Sparkasse Hildesheim, die AG Natur- und Umweltschutz im Ambergau und die Bingo Umweltstiftung.
Für Denkmalpfleger Kellmann ist der Erhalt des frühindustriellen Schornsteines ein Gewinn fürdie Kulturlandschaft, Doch Natur- und Denkmalschutz gehen in Henneckenrode gemeinsam einher. Kellmann freut es, dass der Schornstein nun wieder genutzt wird - wenn auch nicht als Rauchabzug. Immer mehr alte Dächeretwa, so erklärt Kellmann, werden so hergerichtet, dass Eulen oder Fledermäuse sich ansiedelnkönnen: „Eine sinnvolle Nutzung muss nicht immer Mieteinnahmen bringen."

Schlusspunkt der Schornsteinsanierung in Henneckenrode: Das Storchennest wird aufgesetzt
© Hildesheimer Allgemeine Zeitung
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