Ein Waldrand ohne Wald

Nienstedter Garten in landesweites NABU-Projekt aufgenommen / „LaWa-Bande" gräbt und gießt

Nienstedt (uli). Lasse legt sich mächtig ins Zeug. Angestrengt zerrt er den vollen Wassereimer nach oben, hebt ihn über das Geländer und füllt das Wasser in Gieß­kannen. Ob die schwer sind? „Geht so", sagt der Achtjährige, zuckt mit den Schul­tern und schüttelt sich erst einmal die Arme aus. Gleich bekommt er wieder Hil­fe von seinem jüngeren Bruder. Der hat aber nasse Handschuhe und muss sich erst einmal trockene über die Finger zie­hen. Dann geht es mit vereinten Kräften weiter Die Brüder gehören zur „LaWa-Bande", der Jugendgruppe des Natur­schutzbundes (NaBu) in Lamspringe. Am Sonnabend sind sie mit ihren Vätern und Gruppenleitern in Nienstedt im Einsatz, auf dem Grundstück von Jörg Heynlein.

Während Lasse Gießkannen füllt, gräbt Fabius mit seinem Vater Niklas Möller Pflanzlöcher. Löcher für Bäume und Sträucher, die Heynleins Grundstück in ein kleines Paradies für Vögel, Schmet­terlinge, Bienen und andere Insekten ver­wandeln sollen - und das mitten in Nien­stedt. Heynlein ist mit seinem 3000 Qua­dratmeter großen Garten in das landes­weite Projekt „Naturnahe Gärten" aufgenommen worden. Die Umsetzung hat der NaBu-Landesverband der „La­Wa-Bande" übertragen.

Heynlein hat die vergangenen zehn Jahre in Hannover gelebt. „Dann habe ich mit meinem Bruder zusammen unser El­ternhaus samt Grundstück in Nienstedt geerbt", erzählt er. Eigentlich sollte das Anwesen verkauft werden. Dann aber entschloss sich Jörg Heynlein zusammen mit seiner Lebensgefährtin der lauten Großstadt zu entfliehen und in sein Hei­matdorf zurückzuziehen, „Aber was sol­len wir mit 3000 Quadratmeter anfan­gen?", so Heynlein. Früher hatten seine Eltern dortObst und Gemüse angepflanzt. Doch mit den Jahren wurde den alten Leuten das zu schwer und der Garten wurde in eine riesige Rasenfläche umge­wandelt Die Wiese wurde regelmäßig ge­mäht, das Unkraut zwischen den Halmen bekämpft. „So wollten wir das nicht", sagt Heynlein. Er wollte das Land wieder der Natur überlassen und suchte Rat beim Naturschutzbund in Hannover, „Die wa­ren total begeistert, haben gleich einen Fachmann geschickt, der sich alles ange­sehen hat", freut sich der Nienstedter. Dann kam die Zusage für die Aufnahme ins Projekt „Naturnahe Gärten". Aller­dings gab es zunächst den Plan, auf Heyn­leins Grund und Boden einen großen Teich anzulegen. Einen Teich, der von dem kleinen Bach, der das Grundstück durchläuft, gespeist werden sollte, „Das hätte aber nicht funktionert, weil das Ge­lände zu hoch Hegt", bedauert Heynlein. Dann rückte die „LaWa-Bande" an, such­te nach neuen Möglichkeiten. „Dabei ent­stand der Vorschlag, das Gelände mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen, die man sonst am Waldrand findet und die besonders beliebt bei den Vögeln sind", so Heynlein. So ist es geschehen.

Am Sonnabend kam die LaWa-Bande mit unzahligen Bäumen und Sträuchern; Schlehe, Holunder, Hartriegel, Schnee­ball, Haselnuss, Weißdorn, Heckenrosen und etliche Obstbäume schleppten die Väter und Gruppenleiter der jungen Na­turschützer an. Gemeinsam mit den Kin­dern wurden Pflanzlöcher gegraben, Baume und Sträucher gesetzt und kräftig an­gegossen. Einige Nienstedter spazierten an dem emsigen Treiben vorbei. „Die fin­den das gut, was wir hier machen", sagt Heynlein, Aber er weiß auch, dass einige durchaus skeptisch sind. Die fürchten zum Beispiel das viele Laub, das die Bäu­me im Herbst abwerfen. Und vielleicht auch mögliche Besucherströme, die künf­tig in den beschaulichen Ort im Despetal kommen, um sich das Vogelparadies an­zusehen. Denn Heynleins „Naturnaher Garten" könnte im kommenden Jahrzum Vorzeigeobjekt werden. Die Hildesheimer Marketing GmbH interessiert sich für das Objekt 2012 wird von der Organisation nämlich das Themenjahr „Naturraum und gesundes Leben" ausgerufen. All­jährlich organisiert die Hildesheimer Marketing GmbH im Auftrag der Stadt und mit zahlreichen Partnern und Förde­rern ein Themenjahr. In diesem Jahr lau­tet das Motto „Leben lernen, Lernen le­ben" (diese Zeitung berichtete). Im kom­menden Jahr soll es die Natur in und um Hildesheim betreffen. In diesem Zusam­menhang soll der Nienstedter Garten Ziel von organisierten Busfahrten und Be­sichtigungen werden.

Möglicherweise gebe es im Rahmen des Themenjahres auch noch weitere Förder­gelder, um beispielsweise den Bau eines Insektenhotels oder einer Eisvogelnist­hilfe zu verwirklichen. Vielleicht ist dann wieder eine Aufgabe für die LaWa-Bande dabei. Aber Lasse denkt jetzt erst mal an Feierabend oder zumindest an eine Pause. Aber einen Ei­mer Wasser zerrt er noch schnell aus dem Graben.

17-11-2011 17-10-32 Kors Naju

Mit vereinten Kräften geht es besser. Fabius und Papa Niklas Möller packen auf dem Grundstück von Jöry Heynlein in Nienstedt kräftig mit an. Foto: Kohrs

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