„Kampf gegen die Freileitung geht weiter"

Bürgerinitiativen und Kommunen wollen sich nach Trassen-Entscheidung erst recht für Erdkabel einsetzen

Kreis Hildesheim (ahn). Im Osten und Süden Hildesheims war es gestern das Thema Nummer eins: Schnell sprach sich die Entscheidung der Landesregierung herum» die neue Höchstspannungsleitung unter anderem über Söhlde, Baddecken­stedt, Holle, Bockenem und Lamspringe zu leiten. Die betreffenden Bürgermeister zeigten sich zwar nicht überrascht, aber enttäuscht. Und widerspenstig: „Der Kampf gegen eine Freileitung geht wei­ter-1, betonte Baddeckenstedts Samtge­meindebürgermeister Jens Range. Man wolle „alle juristischen Möglichkeiten prüfen11, um die Kabel doch unter die Erde zu bekommen. Netzbetreiber TenneT sol­le „nicht einfach davonkommen**, betonte Range. Vor Ort war die Entscheidung ges­tern Top-Thema.

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Die betroffenen Gemeinden wollen da­bei eng zusammenarbeiten. Auch mit den Bürgerinitiativen, Deren Südkreis-Spre­cher Guido Franke verfolgte gestern im Landtag, wie Landwirtschaftsminister Gert Lindemann die Entscheidung für die Variante 2 erklärte. Er wirkte ent­täuscht, aber nicht überrascht. Und gab der Landtagsabgeordneten Ursula Ernst mit auf den Weg: „Die Politik muss weiter Druck auf TenneT ausüben.“

 

Ernst hatte Lindemanns Ausführun­gen ebenfalls verfolgt, „Bei uns stehen Windräder in der Landschaft, das stört auch - aber wenn wir die Energiewende wollen, gehört das alles auch dazu.** Sie habe sich gewünscht, dass die neue Stromtrasse starker entlang der A7 verlaufen wäre - was Lindemann für unmöglich er­klärte: „Es gibt Wohnbebauung dicht an der Autobahn, da hätte man die Ab­standsregeln nicht einhalten können." Der Minister aus Hohenhameln beließ es in Sachen Erdkabel bei Appellen: „Ich setze darauf, dass man bei TenneT klug genug ist, im Sinne der Akzeptanz Kom­promisse zu machen.** Was viele BI-Vertreter aus Bad Gandersheim mit dem Kopf schütteln ließ, schließlich hat der Netzbetreiber wenig Neigung gezeigt, mehr Erdkabel zu verlegen als gesetzlich vorgeschrieben.

 

Guido Franke zeigte sich da weniger pessimistisch: „Für Anfang September sind Gespräche mit TenneT fest verein­bart, ich glaube schon, dass wir noch manches erreichen können" Zumal im Planfeststellungsverfahren, das voraus­sichtlich im Herbst 2012 beginnt, Bürger und Kommunen auch juristisch gegen die Pläne vorgehen können - im abgelaufe­nen „Raumordnungs-Verfahren" war das nicht möglich. Denkt Franke an Kompro­misse nach dem Motto: „Ihr macht da und da Erdkabel, und dafür klagen wir nicht"? „Also hören Sie, das wäre doch Nötigung", hielt er gestern auf Anfrage dagegen. Ganz abwegig erscheint diese Form des Kompromisses aber nicht, zumal Franke betonte: „Wir wissen, dass die Stromleitung nötig ist  Aber wir wol­len sie unterirdisch. TenneT äußerte sich dazu gestern nur unverbindlich.

 

Unterdessen gibt es im Landkreis auch Gewinner-Kommunen. Nämlich die im Norden und Westen, durch deren Gebiet bislang eine 220-KUovolt-Leitung ver­läuft. Diese wird abgebaut, wenn die neue Leitung steht, „Das würde die Lebens­qualität deutlich erhöhen", sagt etwa El­zes Bürgermeister Rolf Pfeiffer.

Erleichterung herrschte auch bei der Bürgerinitiative Heyersum - gelbe Pfeile und Banner gegen die Freileitung sollen aber gut sichtbar an Ort und Stelle blei­ben. „Wir haben mit den anderen Bis zu­sammen gekämpft und unterstützen sie weiter im Kampf um Erdkabel", betonte Sprecherin Claudia Volkmann. „Und das soll jeder sehen, der auf der Bundesstra­ße entlang fährt.“

Die neue Höchstspannungsleitung soll durch den Ostkreis und den Ambergau führen - notwendiges Übel oder eine überflüssige Verschandelung der Natur? Diskutieren Sie mit bei der HAZ im Inter­net unter www.hildesheimer-allgemeine.de/trasse.html

 

Kommentar

Nicht ignorieren

Die neue Stromleitung muss sein -das bezweifeln selbst viele Trassengegner nicht. Die meisten von ihnen sähen sie allerdings lieber unter der Erde. Doch dazu wird es kaum kom­men. TenneT verweist stoisch auf die höheren Kosten der Erdverkabelung und auf die Rechtslage, die das nicht vorschreibt

Der Einsatz der Bürgerinitiativen ist deshalb alles andere als vergebens. Denn dadurch, dass sie nicht pauschal „dagegen" sind, sondern konstruktiv mitreden wollen, gibt es für den Lei­tungsbauer keinen Grund, ihre Anlie­gen zu ignorieren. TenneT sollte viel öf­ter mit den Bis sprechen als bisher. Denn die kennen Besonderheiten vor Ort besser als jeder Planungsingenieur, wissen, welche Abschnitte besonders sensibel sind. Hier ein paar Kilometer Erdkabel, dort 200 Meter weiter aus dem Tal heraus - es gibt weiter Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt. In der De­tailplanung gibt es noch viele Möglich­keiten, die Trasse für die Anlieger er­träglicher zu machen* Die sollte man nutzen und dabei nicht nur kurzfristige Kostenersparnisse sehen - denn was ge­baut wird, steht am Ende für Jahrzehn­te in der Landschaft.

Tarek Abu Ajamieh

 

Reaktionen auf die Entscheidung des Landes für die Trassenvariante 2 der 380-Kilovolt-Stromleitung:

Martin Bartölke (Bürger­meister von Bockenem):

„Unsere Be­denken waren wohl denen vieler anderer Kommunen zu ähnlich, es fehlte das Außergewöhnli­che Das Landschaftsbild hatte in die­sem Verfahren einen sehr niedrigen Stellenwert. Mir tun besonders die Menschen in Groß Ilde leid, die werden von drei Seiten eingekreist*

Hubertus Schneider (Samtgemeindebürgerneister von Sibbes­se):

Ich hatte rieht damit gerechnet dass es uns trifft - trotzdem bin ich jetzt na­türlich erleichtert. Eine Trasse durchs Despetal hätte ich mir kaum erstellen können, Die Entscheidung ist offenbar vor allem nach wirtschaftlichen Ge­sichtspunkten gefallen“

Guido Fran­ke (Spre­cher der BLs im Süd­kreis):

„Der Zickzackkurs durch den Ambergau ist ärgerlich. Die landesforsten haben eine gute Va­riante entlang der A 7 vorgeschlagen, de leider nicht zum Tragen kam. Wir sind aber nicht gegen die Leitung an sich und werden weiter konstruktiv mit TenneT über Erdkabel reden“

Wolfgang Plet2 (Samtgemeindebürgermeister von Lam­springe):

„Ich bin enttäuscht hätte mich aber auch nicht gefreut wann es andere getrof­fen hätte. Das wäre zu billig. Ich fürch­te, dass wir die letzte große Transport-Freileitung in Deutschland abbekom­men, weil der technische Fortschritt dann bessere Lösungen bietet.“

Klaus Hüchhausen (Bür­germeister von Holle):

„Mich ent­täuscht dass das Land nur die von TenneT vorgeschlagenen Trassen geprüft hat. Es würde nicht die beste Lösung gesucht son­dern das kleinste Übel. Holle kann sich jetzt kaum noch entwickeln, neue Baugebiete wären nur im Osten möglich, da kommt nun die Trasse.“

 

News Flash - das Neuste zu den Kuckucks!

Alle 5 Kuckucke sind in Afrika. 4 sind schoen in der Sahelzone und haben bereits die Sahara erfolgreich überquert. Der Fünfte ist in Morokko. Da die drei monatige Regenzeit in der Sahel einsetzt werden die Vögel gute Bedingungen vorfinden - im Gegensatz zu Migranten die in Ostafrika ankommen.

Die BTO wird bei einem GPS Tracking Projekt des Kuckucks von der BBC gesponsert.

http://www.bto.org/science/migration/tracking-studies/cuckoo-tracking

In den Hauptnachrichten des BBCs würde über die Verfolgung von 5 Kuckuck Männchen mit GPS Tracking berichtet. Gleich nach dem Murdoch Skandal noch vor der Euro Krise!

In der BTO Ringing Scheme gab es bisher nur ein Wiederfund aus Kamerun. 5 Männchen sind mit Satellitentags ausgestattet worden. Diese sind mit Solarbatterien ausgestattet.

 

Die BTO hat Blogs eingerichtet wo man täglich die Standorte nachsehen kann.

AH

 

Große Flugstrecken von Doppelschnepfen: sehr lange und schnelle Zuggeschwindigkeit in die Winterquarteiere

http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/early/2011/05/13/rsbl.2011.0343.abstract

  1. Raymond H. G. Klaassen1,*, Thomas Alerstam1, Peter Carlsson2, James W. Fox3 und Åke Lindström1
  1. *↵ Korrespondenzautor ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

GPS_Doppelschnepfe

 

Wieder eine sensationelle Meldung über die Zugleistung von Vögeln, welche mit GPS Verfolgung erfasst wurden. Die Autoren berichten von ununterbrochenen Flügen über 4300-6800 km in 2 bis 4 Tagen. Diese Leistungen werden nicht nur über die Sahara vollzogen sondern auch über durchaus sehr gut geeignete Rastplätze. Die Fluggeschwindigkeit lag zwischen 15–27 m s−1  oder 54-97 kmh, diese ohne fördernde Windunterstützung. Diese Flüge sind die bisher schnellsten aller Zugvögel.

 

Vögel in Deutschland 2010

Neues vom DDA

Hier die Einführung des neuen Berichts.

die Erhaltung der biologischen Vielfalt stellt eine der größten Herausforderun­gen dar, vor denen die internationale Staatengemeinschaft derzeit steht. Das Jahr 2010 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt und markierte das Ende der Frist, die Anfang dieses Jahr­tausends gesetzt worden war, um das „2010-Ziel" zu erreichen: Der Verlust an biologischer Vielfalt sollte bis dahin möglichst aufgehalten oder zumindest deutlich verringert sein.

Auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitäts-Konvention, die vom 18. bis 29. Oktober 2010 in Nagoya, Japan, stattfand, wurde festgestellt, dass das „2010-Ziel" sowohl auf globaler und europäischer Ebene als auch in Deutschland verfehlt wurde - vielfach belegt, u. a. auch durch den Ende 2010 von der Bundesregierung herausgegebenen Indikatorenbericht 2010 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Der darin dargelegte, auf Vogel­daten basierende Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität" bestätigt, dass auch in Deutschland nach wie vor erheblicher Handlungsbedarf zum Schutz der biologischen Vielfalt besteht. Die Beteiligten der Nagoya-Konfe-renz verständigten sich deshalb auf 20 neue messbare Ziele, deren Erreichung künftig konsequent verfolgt werden soll. Um der hohen Dringlichkeit gemein­schaftlichen Handelns mehr Nachdruck zu verleihen, haben die Vereinten Nationen im Dezember 2010 zudem die kommenden zehn Jahre zur UN­Dekade der Biodiversität erklärt.

Mit der aktuellen Ausgabe von Vögel in Deutschland wollen wir aufzeigen, welchen Beitrag Vogelschutz und Vogelmonitoring zur Erreichung der neu ausgerichteten Ziele liefern können: Vögel werden bereits jetzt als wichtige biologische Indikatoren zur Bewertung von Erfolgen in der Naturschutzpolitik verwendet, damit dient das Vogelmonitoring der Erfassung und Darstellung von Veränderungen der biologischen Vielfalt. Um das Ziel erreichen zu kön­nen, die Werte biologischer Vielfalt gesellschaftlich stärker zu verankern, soll zukünftig die erhebliche ökonomische Bedeutung von Vögeln für Landnut­zung und Tourismus stärker in den Fokus gerückt werden. Das Naturbewusst­sein soll gesteigert werden; es basiert sowohl auf einer positiven Grundhal­tung, die den Eigenwert der Natur anerkennt, als auch auf fundiertem Wissen über die biologische Vielfalt. Eine umfassende Umfrage unter Schülerinnen und Schülern zur Vogelartenkenntnis zeigt, dass in diesem Bereich eklatante Mängel bestehen.

Mit der aktuellen Ausgabe von Vögel in Deutschland wollen wir helfen, das Problembewusstsein und Verständnis für die Erhaltung der Vogelwelt und dar­über hinaus der gesamten biologischen Vielfalt zu erhöhen. Hoffen wir, dass unsere Vorschläge und Diskussionsbeiträge den Verantwortlichen Mut ma­chen, entscheidende Schritte zu gehen, damit wir 2020 das Fazit ziehen kön­nen, aus den Fehlern und Versäumnissen bei der Umsetzung der 2010-Ziele „nachhaltig" gelernt zu haben.

Hier können Sie das PDF herunterladen


 
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