Usutu-Virus und das Amselsterben, Teil 2
Mit Vorsicht zu genießen sind verallgemeinernde Aussagen bzgl. des Usutu-Virus. Auch unter "normalen Umständen" gibt es hohe Verluste unter den Amseln.
Quelle: Hans Glader
In der letzten Zeit wurde schon viel über ein mutmaßliches Massensterben bei Amseln berichtet. Am Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin in Hamburg konnte nun bei 23 von 31 untersuchten Amseln aus dem Rhein-Neckar-Gebiet das Usutu-Virus nachgewiesen werden.
Weiterhin wurde bekannt, dass im Rahmen des Projektes „Vorkommen von Stechmücken in Deutschland“ der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) in Baden-Württemberg bereits 2010 das Usutu-Virus aus der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens) isoliert werden konnte, das Virus hat also auch hierzulande bereits - wie es scheint potente - Vektoren gefunden. Die Übertragung und Ausbreitung scheint aber ähnlich wie beim verwandten West-Nil-Virus temperaturabhängig zu sein. Auch deshalb könnten die ersten Infektionen im klimatisch begünstigten Südwesten Deutschlands festgestellt worden sein.
Nach einem Aufruf zur Meldung toter Amseln vermeldet auch der NABU auf seiner Internetseite 26 tote Amseln (vermutlich überwiegend die vom BNI getesteten Tiere) und 1 toter Star, die positiv auf das Usutu-Virus getestet worden waren. Die Funde stammen aus Rheinland-Pfalz (21), Baden-Württemberg (5) und Hessen (1). Eine Vielzahl weiterer Totfunde lässt sich hingegen nicht zuordnen. Meldungen „typischer“ Krankheitssymptome, wie Apathie, fehlendes Fluchtverhalten, Gleichgewichtsstörungen o.ä. sind mit großer Vorsicht zu genießen, können diese doch bei einer Vielzahl von Erkrankungen, im Falle von Gleichgewichtsstörungen z.B. auch beim Anflug an Glasscheiben auftreten.
Es wird in den nächsten Wochen voraussichtlich zu verstärkten Meldungen von Totfunden kommen, was allerdings nicht zwingend durch eine Ausweitung des „Massensterbens“, sondern auch durch die gesteigerte öffentliche Wahrnehmung bedingt sein kann. Natürliche Verlustraten von annähernd der Hälfte der Jungvögel und eines Drittels der adulten Amseln pro Jahr verdeutlichen, dass es für eine hohe Anzahl an Totfunden nicht zwingend des Usutu-Virus bedarf. Auch wurde von den untersuchenden Institutionen wie dem BNI bisher selbst bei den positiv auf Usutu getesteten Tieren keine Aussage darüber getroffen, ob die Virusinfektion tatsächlich die Todesursache darstellt. Insofern wäre es angezeigt, den Erreger auch in lebenden Tieren zu suchen, um zeigen zu können, wie stark er sich tatsächlich auf die Gesundheit von Amsel&Co. auswirkt und ob es Tiere gibt, die dagegen immun sind.
©Dchverband Deutscher Avifaunisten
Weiteres können Sie auf dem DDA Homepage finden oder bei der NABU
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