|
Paradies für Pflanzen und Tiere
Naturschützer informieren: Großer Andrang beim Tag der Umwelt an den Derneburger Teichen
Derneburg (htw). Echtes Bilderbuchwetter herrschte beim Tag der Umwelt an den Derneburger Teichen. Eingeladen hatte der Ornithologische Verein Hildesheim (OVH) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Kreisverband Hildesheim. Dieser Umwelttag soll an den Eröffnungstag des ersten Weltumweltgipfel am 5. Juni 1972 erinnern", sagte Hauptorganisator Dieter Goy, Vorstandsmitglied des OVH und der Paul-Feindt-Stiftung. Im Laufe des Tages interessierten sich Hunderte von naturbewussten Menschen für die seltenen Wasservögel und botanischen Besonderheiten. Sie kamen teilweise mit mit Fernrohr oder Fotoapparaten. Bei Anbruch der Dämmerung und optimalen Bedingungen schwirrten dann Wasserfledermäuse über die spiegelglatten Oberflächen der Teiche, um mit ihren großen Füßen Jagd auf Schnaken jnd andere Insekten zu machen. Zu sehen gab es auch kleine und große Abendsegler, Bart-und Zwergfledermäuse sowie Breitflügel-fledermäuse, wie Karsten Passicr fachkundig erläuterte. Die orniithologischen Führungen hatten Peter Becker sowie Albert und Siegfried Beuger übernommen. Sie führten die Besucher an den Teichen entlang, machten auf seltene Pflanzen und die beeindruckende Vogelvielfalt aufmerksam. Dazu zählten Fischreiher, Tafelenten, Hauben- und Zwergtaucher sowie auch besondere Raritäten wie der Mittelsäger und der Schwarzhalstaucher. Auch der Eisvogel kommt hier im Gebiet von Innerste und Nette am häufigsten vor in Niedersachsen. Für die botanischen Führungen zeichnete das OVH-Vorstandsmitglied Maren Burgdorf verantwortlich. Großes Interesse auch für die Führungen von Martin Ganzkow durch den Lavespfad. Das umfangreiche Programm umfasste auch mehrere Info- und Verkaufsstande von Naturprodukten, Naturbüchern und Nistkästen. Mit Kamera und Fernglas auf der Pirsch nach Natur-Raritäten: Zum Umwelttag kamen viele Besucher in idyllische Derneburg. Foto: Wiechens
Der Naturschutzverein Alpe-Bruch mit seinem Vorsitzenden Ernst-August Springmann aus Algermissen hatte eine Cafeteria mit selbstgebackenem Kuchen im Grünen vorbereitet. Der Naturschutzverein Borsumer Kaspel präsentierte unter der Regie von Nina Lipecki und dem Vorsitzenden Winfried Kauer Untersuchungen am Binokular. Gemeinsam mit dem NABU aus Lamspringe zeichnete der Borsumer Naturschutzverein auch für das Kinderprogramm verantwortlich. Am Stand von Karsten und Anja Passior konnten Klammerfledermäuse gebastelt werden. Die Mädchen und Jungen hatten außerdem die Gelegenheit, zu Naturforschern zu werden. Sie konnten mit Keschern, im Wasserlabor arbeiten, malen oder einfach nur spielen. Aktiv hatten sich auch der Förderverein Landschaftsschutz Derneburg, der BUND Hildesheim, die „Spendenzwiebel" aus Groß Düngen, das Kulturbüro des Landkreises Hildesheim und die Paul-Feindt-Stiftung als Eigentümer der Anlagen eingebracht. Die Stiftung hatte die Derneburger Teiche im Jahr 2007 übernommen, um die Kulturlandschaft auf Dauer zu sichern und andererseits der Öffentlichkeit den Zugang zu dieser Teichlandschaft über den Lavespfad zu ermöglichen. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese einmalige Kulturlandschaft als Teil der Derneburger Kulturlandschaft mit ihren Gewässern, Mühlengebäuden sowie den Park mit dem eindrucksvollen Schloss auf Dauer zu erhalten. Wo der Mittelsäger zu Hause ist Derneburger Teiche sind ein Paradies für Tiere und Pflanzen/Einblick am Tag der Umwelt
Derneburg (am). Seltene Wasser vögel, verschiedene Fiedermäuse und botanische Besonderheiten: An den Derneburger Teichen sind sie heimisch. Wie wichtig dieses Gebiet für die Ansiedlung geschützter Arten ist, soll beim Tag der Umwelt am 5. Juni deutlich werden. In der Dämmerung sausen Wasserfledermäuse über die spiegelglatten Oberflächen der Teiche. Die nächtlichen Jäger käschern mit ihren großen Füßen durch das Wasser, sind auf der Jagd nach Schnaken und anderen Insekten, „Diese Fledermäuse siedeln sich nur dort an, wo es viele Wasserflächen gibt“, erklärt Anja Passior, Fledermausexpertin aus Nordstemmen. Mit ihrem Mann Karsten Passior wird sie am Tag der Umwelt Besuchergruppen durch das Naturschutzgebiet der Derneburger Teiche führen. Mit etwas Glück werden Naturfreunde kleine und große Abendsegler, Bart- und Zwergfledermäuse, Breitflügelfledermäuse oder eben die Wasserfledermäuse zu Gesicht bekommen. „Wichtig ist, dass es nicht zu windig ist oder in Strömen regnet" erklärt Anja Passior. Dann stünden die Chancen gut, die nächtlichen Flieger beobachten zu können. Wann genau die Fledermausführung mit den Passiors startet, steht noch nicht genau fest. „Interessenten werden wir vor Ort an unserem Stand informieren", erklärt die Nordstemmerin.Bis die spät abendliche Führung beginnt, bekommen die Besucher allerhand geboten, dafür sorgen die Organisatoren, der Ornithologische Verein zu Hildesheim und der Naturschutzbund Deutschland, Kreisverband Hildesheim. Fachleute führen die Besucher an den Teichen entlang, machen auf seltene Pflanzen aufmerksam und auf die Vogelvielfalt. Reiher, Tafelenten, Hauben- und Zwergtaucher sind dort zu beobachten. „Ganz besondere Raritäten sind Mittelsäger und der Schwarzhalstaucher**, berichtet Dieter Goy, Vorstandsmitglied des Ornithologischen Vereins und der Paul-Feindt-Stiftung, Und dass sie an den Derneburger Teichen so gar brüten, obwohl sie eigentlich an den Küsten Europas beheimatet sind, spricht umso mehr für dieses Gebiet, das 2007 von der Paul-Feindt-Stiftung übernommen wurde. Als Kinderstube wählten mittlerweile sieben Reiherpaare die in der Gemeinde Holle gelegenen Teiche aus.
Der Mittelsäger ist in diesen Breiten eine echte Rarität. Eigentlich bevorzugt der Wasservogel europäische Küstenlandschaften. Fotos: © Alistair Hill im Archiv OVH
Das Nest ist fertig: Das Schwarzhalspärchen brütet am Derneburger Teich.
Die Stiftung verpachtete die Gewässer nach der Übernahme an eine Langelsheimer Fischerei. Die bewirtschaftet die Teiche nach alter Tradition. Dazu gehört auch die Entschlammung und der regelmäßige Besatz mit Karpfen. Während sich andernorts die Fischwirte über die fischliebenden Kormorane ärgern, sind dem Verpächter der Demeburger Teiche bisher keine Klagen über diese Vögel zu Ohren gekommen. Für den guten Zustand der Deiche sorgt ein Schäfer mit einer Schafherde. „Die Deiche dürfen nicht verwalden", erklärt Goy. Auch diese jahrhundertealten Pflegetraditionen sorgen offenbar dafür, dass die Landschaft zu einem Paradies für seltene Vögel, Pflanzen, Insekten und Lurche geworden ist. Mittlerweile zieht es sogar Fischadler und Weißstörche an.Diese Kulturlandschaft nahe dem Laves-Kulturpfad wird Interessenten am Umwelttag, Sonnabend, 5. Juni, vorgestellt. Bei Führungen zum Marienteich beantworten die Naturschutzer verschiedener Organisationen alle anfallenden Fragen. Mädchen und Jungen haben an diesem Tag die Gelegenheit, zu Naturforschern zu werden. Sie können käschern, im Wasserlabor arbeiten, malen oder spielen. Natürlich werden auch Stärkungen für die Gäste angeboten. Der Umwelttag beginnt um 14 Uhr. Parkmöglichketten gibt es an der Kastanienallee und am Derneburger Bahnhof. Spenden von Naturbüchern und Eingemachtem für einen Flohmarkt werden vor Ort angenommen, Fernglas und Fotoapparat sollten mitgebracht werden. Der Beginn der Fledermausführung wird vor Ort bekanntgegeben. © Hildesheimer Allgemeine Zeitung Kleine Federkugeln benötigen keine Hilfe Naturschutzbund appelliert an vermeintliche Tierfreunde Kreis Hildesheim (am/r). Sie sind klein und kugelig, ihr Gefieder düster und bräunlich gefleckt: Jungamseln. Sobald es zu eng wird, verlassen die Amselküken ihr Nest und hüpfen unbeholfen in Hecken und am Boden herum. Fliegen können die Jungen noch nicht, aber auf Hilfe sind sie dennoch nicht angewiesen. Und so appelliert der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen jetzt an Tierfreunde, vermeintlich hilflose Vogelküken auf jeden Fall in der Natur zu belassen. Nur ganz selten handelte es sich bei Jungvögeln am Boden um verlassene, geschwächte oder gar verletzte Tiere, die Hilfe benötigen. „Manche Vogelarten verlassen das Nest bereits, bevor sie fliegen können", erläuterte Bärbel Rogoschik, Leiterin NABU-Artenschutzzentrum Leiferde. „Dazu zählen nicht nur typische Nestflüchter wie Enten, Fasanen oder Kiebitze, sondern auch einige Singvogelarten/' Im Stadtbereich handelt es sich zumeist um Amseln, die etwa eine Woche vor dem Flüggewerden der drangvollen Enge des Nestes entflohen sind. Sie werden weiterhin von ihren Eltern mit Futter versorgt. Damit die Amseln ihren Nachwuchs finden, geben die Küken fast unablässig so genannte Standortlaute von sich. In diesem Stadium fallen sie nicht selten natürlichen Feinden zum Opfer Doch handelte es sich dabei um einen natürlichen Regulationsmechanismus, an den die Vögel angepasst sind und der ein Überhandnehmen der Art verhindert, so der NABU, Bei Gefahr durch Katzen oder an vielbefahrenen Straßen sollten die Tiere ins Geäst des nächsten Busches gesetzt werden. Man kann Jungvögel ohne Probleme berühren, der Geruchssinn ist bei Vögeln im Vergleich zu Säugetieren sehr gering ausgeprägt. Die Elterntiere nehmen ihre Brut nach einer kurzen Berührung wieder an. Auch junge Greifvögel und Eulen durch-laufen ein so genanntes Ästlingsstadium, in dem sie noch im Dünenkleid im Geäst umher turnen. Auch sie werden im Normalfall von ihren Eltern betreut. „Man sollte Jungvögel daher generell in Ruhe lassen1*, forderte Rogoschik. „Hilfe ist erst notwendig, wenn nach längerer Beobachtung aus angemessener Entfernung feststeht, dass es sich wirklich um einen verlassenen oder kranken Vogel handelt." Wer keine Erfahrung mit der Aufzucht solcher Findelkinder hat, sollte dies am besten Fachleuten überlassen. Dies gilt insbesondere für seltene und geschützte Arten. „Jungvögel sind Wildtiere, man darf ihnen
Das NABU Artenschutzzentrum Leiferde ist unter der Rufnummer 0 53 73 / 66 77 zu erreichen. ©Hildesheimer Allgemeine Zeitung Bussard stürzt sich auf Jogger Raubvogel verletzt einen 71-jährigen Rentner aus Sibbesse leicht/Tiere verteidigen während der Brutzeit ihre Nester
Er lasst sich auch nach der Bussardattacke nicht beirren: Karl-Heinz Wutkewicz wird weiter durch den Wald bei Sibbesse laufen. Mittlerweile verschorft sind die kleinen kreisrunden Wunden, die das Tier mit seinen Krallen in den Hinterkopf gerissen hatte.
Foto; Raths
Kreisender Bussard © Sven Achtermann in Archiv OVH
Sibbesse (ara). Spitzer Schnabel, scharfe Krallen. Angriff im Sturzflug: Mäusebussarde können rabiat werden - besonders in der Brutzeit. Das bekam der 71*jährige Sibbesser Karl-Heinz Wutkewicz jetzt zu spüren. Denn manchmal attackieren die Greifvögel auch Menschen.
Das Szenario erinnert an den Hitchcock-Thriller „Die Vögel": Ein drahtiger Mann schnürt seine Sportschuhe und macht sich auf den Weg zu seinem regelmäßigen Lauf durch den Waid bei Sibbesse. Karl-Heinz Wutkewicz kennt diese Strecke seit Jahren. Diesmal läuft er die 13-Kilometer-Tour. Das ist für den durchtrainierten Rentner nicht viel. Er bewältigt sogar Marathonstrecken. Im Beustertal joggt er jede Woche dreimal unter Baumwipfeln. Und in denen lauert mitunter Gefahr. Zwischen März und Juni greifen Raubvögel bisweilen auch Menschen an, wenn sie sich ihrem Horst zu sehr nahern. So wie den Sibbesser Wutkewicz, der an diesem Morgen gedankenversunken im Wald unterwegs ist.
Plötzlich spürt er einen Schlag auf den Hinterkopf. Dem 71-Jährigen fährt der Schreck durch die Glieder. Er verliert sein Baseballcap, das er beim Joggen als Sonnenschutz immer trägt. Wutkewicz bleibt stehen» schaut sich um. Seine Mütze liegt ein paar Meter weiter im Unterholz. „Könnte ein Bussard gewesen sein", denkte sich der Mann, der wie auch andere Jogger im Beustertal ab und zu Scheinangriffe der Vögel erlebte, die dann nur über die Köpfe der Menschen hinweg fegen. Aber dass einer sogar seine Krallen durch die Mütze in den Hinterkopf hackt, das ist für ihn neu. Wutkewicz tragt drei kreisrunde Wunden davon. Kleine Blessuren. die ihn nicht aufhalten. Er setzt die Kappe wieder auf, läuft erst mal weiter. Da setzt der Bussard zum zweiten Mal zum Angriff an. Nur knapp wischt er über den Kopf des Joggers. „Vorher hörte ich so ein Rauschen." Und auch zum dritten Mal gleitet das Tier über den 71-Jährigen hinweg. Um Augenblicke später wie im Triumph auf einem Ast zu sitzen und dabei kreischende Schreie auszustoßen. Kurz darauf lässt Wutkewicz das nur wenige hundert Meter große Brutgebiet des Greifs hinter sich. Und der lässt von dem Störenfried in seinem Revier ab.
„Ich kann die Tiere verstehen, weil sie ihre Jungen verteidigen wollen“, sagt der Sibbesser.
Der weiß sich jetzt mit einem Ast zu helfen. Wenn er den beim Joggen über den Kopf hält, kann dieser durchaus ein „Blitzableiter" sein - und den Vogel von Attacken abhalten. Der Stock dient als Angriffspunkt und schützt den Kopf. Dazu rat Dieter Goy vom Ornithologischen Verein Hildesheim. Goy warnt allerdings vor Panik. „Es ist selten, dass Greifvögel Menschen angreifen." Auch Raben oder Krähen nehmen schon mal Menschen aufs Korn. Und wenn, sollte man nicht hektisch werden oder gar mit dem Stock über den Kopf herumfuchteln. Das bringt die Raubvögel erst recht in Rage. „Besser sich möglichst ruhig aus dem Wald oder von Waldrändern entfernen, wo Bussarde brüten", empfiehlt Goy. Wer unliebsame Begegnungen mit ihnen ausschließen will, sollte Forstgebiete ohnehin meiden - bis die heiße Phase der Brut im Frühjahr vorbei ist.
Die Wissenschaft hat derweil noch keine hieb- und stichfeste Erklärung für die Aggressivität der Bussarde gefunden. Vermutlich spielt Bewegung eine Rolle. Ein Grund, warum die Tiere in Joggern Eindringlinge in ihr Reviersehen. Von alledem lässt sich Karl-Heinz Wutkewicz allerdings überhaupt nicht berir-ren. Woche für Woche wird er seine Joggingschuhe weiter schnüren. Vielleicht lässt ihn der Bussard beim Waldlauf wie auch sonst in Ruhe. Zum Beispiel weil er gerade im Nest sitzt und seine Brut warm hält. „Meistens passiert ja nichts", meint der 71-Jährige. © Hildesheimer Allgemeine Zeitung |






