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Botanische Bestandsaufnahme am Steinberg bei Wesseln

Berichte der AG Botanik im OVH

Floristische Bestandsaufnahme im NSG „Steinberg bei Wesseln“ im

Vergleich mit der Bestandsaufnahme 1996/97 mit Empfehlungen für Pflegemaßnahmen

von Maren Burgdorf, Hannelore Genuit-Leipold und Uta Striebl im Januar 2018

IMG_4315.JPGBlick auf Wesseln und den Steinberg vom Turmberg bei Hackenstedt

– alle Fotos von Hannelore Genuit-Leipold (2017)

Bei einer Begehung des NSG “Steinberg bei Wesseln” im Jahre 2016 durch Ulrich Weber (Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hildesheim) und Maren Burgdorf (Ornithologischer Verein zu Hildesheim e.V.) wurde eine botanische Erfassung des NSG angeregt. Diese sollte im Vergleich mit den ebenfalls von der Arbeitsgruppe Botanik im OVH in den Jahren 1996/97 für die Gebietsmonographie “Der Steinberg bei Wesseln” (HOFMEISTER

2001) erhobenen Daten mögliche Veränderungen in der Vegetation aufzeigen, die durch die seit den 1990er Jahren geänderte Pflege eingetreten sein könnten.

Die AG Botanik nahm die Anregung auf und führte im Sommerhalbjahr 2017 auf mehreren Begehungen eine floristische Erfassung des gesamten NSG durch. Um die Ergebnisse mit den Daten von 1996/97 vergleichen zu können, wurde die damals (vor 20 Jahren) gewählte Einteilung in die Gebiete 1 -5 beibehalten. Für weitere Vergleiche wurde der vor 34 Jahren verfasste Aufsatz “Floristische und pflanzensoziologische Untersuchungen am Steinberg bei Wesseln” (HOFMEISTER, H. und BOTANISCHE ARBEITSGRUPPE 1983) verwendet, der damals zur Unterstützung des OVH-Antrags auf NSG-Ausweisung des Steinbergs bei der Bezirksregierung Hannover eingereicht worden war.

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Mitglieder der Botanischen Arbeitsgruppe bei der Arbeit

Das Naturschutzgebiet

Die Verordnung über das Naturschutzgebiet “Steinberg bei Wesseln” trat 1984 in Kraft. 2007 wurde das Gebiet um die östlich bis an den Ortsrand von Wesseln heranreichenden Flächen vergrößert. Im Jahre 2007 wurde der Steinberg als FFH-Gebiet 378 in das europäische Schutzgebietssystem “Natura 2000” einbezogen.

Gemäß der Verordnung ist als “besonderer Schutzzweck (Erhaltungsziele) für das FFH-Gebiet” die “Förderung des prioritären Lebensraumtyps 6210 Kalktrockenrasen und ihre Verbuschungsstadien (*orchideenreiche Bestände) in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen lückigen, kurzrasigen, hochwüchsigen, gehölzfreien und gehölzreichen Partien einschließlich ihrer typischen Tier- und Pflanzenarten” angegeben. Explizit genannt ist die “Erhaltung und Förderung der stark gefährdeten Pflanzenarten Quendel-Seide, Deutscher Ginster, Deutscher Ziest, Trauben-Gamander, Weiße Braunelle und Ackerwildkräutern.”

Bisherige Pflegemaßnahmen

Zur Zeit der floristischen und pflanzensoziologischen Untersuchungen in den Jahren 1981/82 (HOFMEISTER 1983) wurde der Steinberg intensiv mit Schafen beweidet. 1987 endete die Beweidung, und in der Folge schritt die Verbuschung der Flächen sehr schnell voran. Anfang der 1990er Jahre wurde im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Gebüschbeseitigung unter der tatkräftigen Anleitung von KARL MERKER und weiterer Ehrenamtlicher des OVH durchgeführt. Seitdem wird der überwiegende Teil der Rasenflächen jährlich abwechselnd in ca. 5 m breiten Streifen gemulcht, um sie von nachwachsenden Gebüschen freizuhalten.

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Streifenmahd im östlichen Teil des NSG

Im mittleren Teil des NSG (Fläche 3) wurde zwischen 1995 und 1998 eine Artenschutzmaßnahme des Landes Niedersachsen zur Verbesserung der Wuchsbedingungen für die stark gefährdeten Arten Weiße Braunelle und Deutscher Ginster durchgeführt. Die Wuchsorte beider Arten wurden von Gebüsch befreit und anschließend einmal jährlich im Herbst gemäht, wobei das Mähgut auf der Fläche verbrannt wurde.

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Beschreibung der Vegetation im NSG “Steinberg bei Wesseln” im Jahr 2017 mit Pflegeempfehlungen für die einzelnen Gebiete

Die Einteilung in die Gebiete 1 -5 wurde übernommen aus: Der Steinberg bei Wesseln.- Mitteilungen der Paul-Feindt-Stiftung 2 (2001)

Gebiet 1

Zu Beginn der Vegetationsperiode ist die Grasnarbe in Gebiet 1 verfilzt und moosreich. Der Weiden-Alant (Inula salicina) bildet große Bestände am Oberhang, ist aber am Mittel- und Unterhang gegenüber 1996/97 zurückgegangen. Erfreulich zahlreich vertreten ist Wiesen- Salbei (Salvia pratensis). Die vermutlich angesalbte Pyramiden-Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis), die 2010 schon mit >5 Ex. gefunden wurde, hat sich 2017 in Gebiet 1 auf >25 Ex. vermehrt. Von der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) wurden nur 5 Ex. festgestellt, allerdings hatte die Art 2017 allgemein ein “schlechtes Jahr”. Der Fransen-Enzian

(Gentianella ciliata) wurde nur noch vereinzelt gefunden (8 Ex. am Oberhang), allerdings schwanken seine Bestände auch andernorts von Jahr zu Jahr sehr stark. Neu in Gebiet 1 ist Heil-Ziest (Betonica officinalis) mit 18 Ex. Der Rauhaarige Eibisch (Althaea hirsuta), vor 20 Jahren noch zahlreich vorhanden und damals schon seit über 30 Jahren am Steinberg nachgewiesen, wurde nicht mehr gefunden. Auffallend ist der Rückgang der Weißen Braunelle (Prunella laciniata) in Gebiet 1 von damals >1000 Ex. auf ca. 15 Ex., darunter sind vermutlich einige Hybriden mit P. vulgaris (Blüten weiß, Blätter nur wenig geschlitzt). Der Zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus), der in vielen Halbtrockenrasengebieten des Landkreises bereits zur Problempflanze wurde, ist offensichtlich auch am Steinberg an den Unterhängen der Gebiete 1, 2 und 3 auf dem Vormarsch.

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Pyramiden-Spitzorchis Bienen-Ragwurz Zottiger Klappertopf

Der kleine Kalkacker im Süden von Gebiet 1 wird seit Beginn der 2000er Jahre zur Erhaltung der seltenen Ackerwildkrautflora ohne Pflanzenschutzmittel und ohne Düngung bearbeitet und kann gelegentlich auch brachfallen. 2017 mit Weizen bestellt, wurden neben Massenbeständen von Venuskamm (Scandix pecten-veneris) auch Gezähnter Feldsalat (Valerianella dentata), einige Exemplare der Ackerröte (Sherardia arvensis) sowie 6 Arten der Vorwarnliste festgestellt, wobei das massenhafte Vorkommen der Stinkenden Hundskamille (Anthemis cotula) besonders ins Auge fiel. Die gefundenen RL- und V-Arten entsprechen weitgehend den 2006 von HEINRICH HOFMEISTER in einer Vegetationsaufnahme dokumentierten Ackerwildkrautarten. Jedoch ist gegenüber den in dem Aufsatz von 1983 genannten sowie den 1996-97 gefundenen RL-Arten ein Rückgang zu verzeichnen: Blauer Gauchheil (Anagallis foemina), Spießblättriges Tännelkraut (Kickxia elatine), Acker-Ziest (Stachys arvensis) und Acker-Lichtnelke (Silene noctiflora) wurden nicht wiedergefunden.

Venuskamm Stinkende Hundskamille mit Klatschmohn und Knollen-Platterbse

Pflegeempfehlung für Gebiet 1:

Beibehaltung der jährlichen Streifenmahd. Eine Anregung zur Förderung der Weißen Braunelle, die früher am Oberhang vorkam: ca. 10 m ab Oberkante öfter mähen bzw. probeweise den Boden durch tief eingestellte Mulchgeräte aufreißen. Eine solche Maßnahme ist am westlichen Unterhang in der Nähe der Durchfahrt zu empfehlen, da hier noch 15 Ex. der Weißen Braunelle gefunden wurden.

Zurückdrängen der Gebüschbereiche am Ober- und Mittelhang mit geeigneten Pflegegeräten (Bobcat, Robocut), sofern sie danach mit Mulch- oder Mähgeräten weiter gepflegt werden können.

Zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung des Zottigen Klappertopfes, der 2017 am Unterhang in den Gebieten 1, 2 und 3 gefunden wurde: Mahd zur Blütezeit Ende Mai/Anfang Juni.

Weiterführung der extensiven Bewirtschaftung des Kalkackers.

Gebiet 2

Am Ober- und Mittelhang von Gebiet 2 wurden 8 Orchideenarten z.T. in größerer Anzahl gefunden (s. Tabelle 1): Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) (mit 18 Ex. neu in Gebiet 2), Fliegen-Ragwurz (O. insectifera), Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula), Purpur- Knabenkraut (O.purpurea), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis), Bocksriemenzunge (Himantoglossumhircinum) und Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), letzteres im bewaldeten Kerbtal.

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Fliegen-Ragwurz Stattliches Knabenkraut Purpur-Knabenkraut Mücken-Händelwurz

Auffallend gegenüber 2001 ist die starke Zunahme der Bestände von Weiden-Alant (Inula salicina). Die offensichtlich angesalbte Orchideenart Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum) hat sich v.a. im Gebiet 2 mit etwa 100 Ex. etabliert. Auch die Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis), in Gebiet 2 seit 2010 (>5 Ex.) nachgewiesen, ist hier 2017 mit 8 Ex. vertreten.

Massenbestand von Weiden-Alant Bocksriemenzunge

Die Bestände von Deutschem Ginster (Genista germanica)an zwei Wuchsstellen mit je >100 Ex. sind stabil geblieben. Die meisten blühenden Triebe wurden in den hochrasigen, zuletzt nicht gemähten Streifen gefunden. In den gemähten Streifen hatten sich zahlreiche Jungtriebe entwickelt. Thymian-Seide (Cuscuta epithymum) wurde im Gebiet 2 nicht wiedergefunden.

Deutscher Ginster

Pflegeempfehlung für Gebiet 2:

Beibehaltung der Streifenmahd.

Zurückdrängen der randlichen, auf die Rasen vordringenden Gebüschbereiche mit geeigneten Pflegegeräten (Forstmulcher, Bobcat, Robocut).

Gebiet 3

Gebiet 3 liegt östlich des bewaldeten Kerbtals und wird im Süden durch den diagonal durch das NSG verlaufenden Fahrweg zum Flugplatz begrenzt. Der westliche Teil des Gebietes wird von saumartenreichen Kalkmagerrasen mit einzelnen alten Obstbäumen eingenommen. Unverändert gegenüber 1996-97 ist die massenhafte Verbreitung von Weiden-Alant (Inula salicina). Die ganze Fläche wird einheitlich mit Mähbalken und Freischneidergemäht. Das Mähgut verbleibt auf der Fläche, da der steile Hang zum Abtransport mit Fahrzeugen nicht erreicht werden kann und die Bestandsabfälle im Gegensatz zu früheren Jahren nicht mehr verbrannt werden dürfen. Im Frühjahr 2017 lag noch weitgehend unzersetztes Mähgut auf der Fläche.

Im Osten der Rasenfläche besteht ein schmaler Durchgang zu einer weiteren kleinen gemähten Fläche, deren nördliche und östliche Umgebung stark verbuscht und nicht mehr zugänglich ist. Nördlich der Gebüschzone am Oberhangstockt ein ehemaliger Niederwald.

An die östliche Gebüschzone schließt sich ein ehemaliger Steinbruch an, der Anfang der 1980er Jahre mit Bodenaushub verfüllt wurde und seitdem sich selbst überlassen blieb. Diese Fläche stellt sich im Winter 2017/18 (nach über 30 Jahren) als hochwüchsige, zu etwa 30-40% verbuschte Ruderalflur dar. Vorherrschend sind Massenbestände von Land-Reitgras

(Calamagrostisepigejos); den größten Anteil der Gebüsche stellen Rosen, vereinzelt sind Schlehen und Weißdorn darunter. Bäume sind noch nicht aufgewachsen.

Der nordöstliche “Zipfel” von Gebiet 3 bis zur Wegebiegung am Flugplatz wird von einem ehemals als Niederwald genutzten Kalkbuchenwald eingenommen.

Am westlichen Oberhang von Gebiet 3 wurden große Bestände von Stattlichem Knabenkraut (Orchis mascula) und Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) mit jeweils >300 Ex. festgestellt. Neu nachgewiesen in Gebiet 3 wurde Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) mit 13 Ex., Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) ist gut vertreten (>25 Ex), ebenso Großes Zweiblatt (Listera ovata). Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis) (1 Ex.) ist ebenfalls in Gebiet

3 angekommen. Die frühblühenden Orchideen profitieren offenbar von der Mahd und setzen sich durch, bevor der Weiden-Alant (Inula salicina) zu hoch wird.

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Albinoform vom Stattlichen Knabenkraut

Die Weiße Braunelle (Prunella laciniata) ist weiterhin in Gebiet 3 vorhanden, sie wird jedoch stark vom Weiden-Alant bedrängt. Einige wenige Exemplare wurden am Unterhang in der Nähe der Obstbäume gefunden, die meisten Pflanzen standen aber am Rand des südlich verlaufenden diagonalen Weges (in Gebiet 3 und am Weg insgesamt 19 Ex. gegenüber >25 Ex. 1996/97). In den wärmebegünstigten Säumen dieses Wegrandes findet auch der Deutsche Ziest (Stachys germanica) gute Bedingungen vor (>25 Ex. gegenüber >5 Ex 1995/96). Weitere ca. 20 Ex. sind vermutlich Hybriden mit dem Gartenflüchtling Woll-Ziest (Stachys byzantina). Ein Problem stellen die in den Gebüschbereichen am Unterhang von Gebiet 3 aufgekommenen Bestände von Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) dar, die sich zunehmend auch auf der angrenzenden Rasenfläche ausbreiten.

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Weiße Braunelle – von Inula salicina bedrängt Deutscher Ziest

Am Oberhang im Nordosten von Gebiet 3 wurden 2017 zwei für den Steinberg neue Rote- Liste-Arten gefunden: Berg-Johanniskraut (Hypericum montanum), RL 3 (3 Ex.) an der bewaldeten Böschung nahe der Schranke am Flugplatz sowie Wunder-Veilchen (Viola mirabilis), RL 3 (7 Ex.) in dem südlich daran anschließenden lichten Niederwald.

Zufallsbeobachtungen in Gebiet 3:

Eidechse (Zauneidechse?) am 03.05.2017 Hermelin am 14.01.2018

Pflegeempfehlung für Gebiet 3:

Die Gebüschränder östlich der ehemaligen Obstwiese zurückschneiden (Forstmulcher, Bobcat). Die kleine freigehaltene Fläche im Osten zu allen Seiten vergrößern, sofern sie danach weiterhin mit Freischneider/Balkenmäher gepflegt werden kann.

Zur Erhaltung/Förderung der Bestände von Weißer Braunelle (Prunella laciniata) am Unterhang könnte, dem Vorschlag der UNB entsprechend, versuchsweise im Bereich der Obstbäume der Boden durch tief eingestellte Mähgeräte aufgerissen werden.

Die Problempflanze Riesen-Bärenklau durch mehrfach jährliche Mahd bekämpfen.

Gebiet 4

Gebiet 4 erstreckt sich östlich des diagonalen Fahrweges bis zum Ortsrand von Wesseln. Der südöstliche Unterhang ist mit Obstbäumen bestanden unter denen sich Glatthaferwiesen ausbreiten, die am Mittelhang in mageres Grünland mit Dominanz von Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum) und Aufrechter Trespe (Bromus erectus) übergehen. Der

südwestliche Unterhang, der bis zum Ende der Beweidung (1987) sehr intensiv genutzt wurde und auch zum Pferchen der Schafherde diente, ist bis heute sehr nährstoffreich. Hier wächst eine mit ruderalen Arten (vor allem Brennnesseln, Acker-Kratzdisteln) durchsetzte Fettwiese. Oberhalb dieser Wiesenfläche bis hinauf zum Fahrweg und weiter östlich bis zum Fußweg nach Wesseln breiten sich dichte, von Bäumen durchsetzte Gebüschflächen aus. 2017 war zu beobachten, dass sich von dort ausgehend Wurzelschösslinge von Schlehen und Jungwuchs von Zitter-Pappeln auf die Grünlandflächen vorarbeiten. Einzelne Jungbestände dieser Pionierart sind bereits mitten auf der Wiese angekommen.

Entlang der südexponierten Gebüschränderin Gebiet 4 breiten sich wärmebegünstigte Säume mit Knack-Erdbeere (Fragaria viridis), Stängelumfassendem Hellerkraut (Thlaspi perfoliatum), Buntem Vergissmeinnicht (Myosotis discolor) und Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana) aus. In diesen Säumen wurden 1996/97 größere Bestände von Trauben-Gamander (Teucrium botrys) (>100 Ex.) festgestellt. Diese Art wurde 2017 nicht wiedergefunden. Es ist anzunehmen, dass ihre Bestände von den sich ausbreitenden Gebüschen überwachsen wurden.

Stängelumfass. Hellerkraut Buntes Vergissmeinnicht Quendel-Seide

Am Ober- und Mittelhang im östlichen Teil von Gebiet 4 breiten sich Halbtrockenrasen aus, in denen 2010 erstmals ein großer Bestand der Quendel-Seide (Cuscuta epithymum), RL 2 (>1000 Ex., 3-4 m² deckend) festgestellt wurde. Die Art wurde auch 2017 gefunden (auf Färber-Ginster, ca. 1 m2deckend). Dagegen wurden Deutscher Ginster (Genista germanica) und Weiße Braunelle (Prunella laciniata) in Gebiet 4 nicht mehr gefunden. Neu dagegen sind Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) (2 Ex.), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und Buntes Vergissmeinnicht (Myosotis discolor). Deutlich zurückgegangen sind die Bestände von Weiden-Alant (Inula salicina)von >10 000 Ex. in 1996/97 auf >100 Ex. in 2017.

Das gesamte Gebiet 4 wird jährlich wechselnd in Streifen von ca. 5 m Breite gemulcht. Im Januar 2018 war zu beobachten, dass so gut wie kein unzersetztes Mulchmaterial auf den Streifen lag.

Pflegeempfehlung für Gebiet 4:

Die Gebüschbereiche an den südexponierten Böschungen im Nordwesten (dort wuchs 1996/97 ein Bestand von Teucrium botrys mit >100 Ex.) zurückdrängen (z.B. mit Bobcat) bis mindestens zu den Pfählen des Weidezauns, die noch heute im Gebüsch stehen.

Zitterpappeln absägen, Jungwuchs auf der Wiese schlegeln.

Zur Förderung der niedrigen Halbtrockenrasenvegetation im nordöstlichen Bereich des Oberhanges einen 10 – 20 m breiten Streifen kurzrasig halten.

Gebiet 5

Das nördlich des Segelflugplatzes liegende, aus Naturschutzsicht besonders wertvolle Gebiet 5 wurde leider nicht in das NSG einbezogen. Hier wachsen ehemalige, “durchgewachsene” Niederwälder mit eindrucksvollen Baumgestalten, die einen hohen Anteil von Elsbeere (Sorbus torminalis) aufweisen. Zahlreiche alte Steinbrüche liegen im Gebiet.

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„Durchgewachsener“ Niederwald Blätter der Elsbeere

Neben einer reichblühenden Frühjahrsflora sind zahlreiche Orchideenarten wie Bienen- Ragwurz (Ophrys apifera), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula), Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Großes Zweiblatt (Listera ovata) und Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis) zu finden. Die Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris) ist gut vertreten, auffallend sind die großen Bestände der Wald-Wicke (Vicia sylvatica). Die alten Steinbrüche, die über Jahrzehnte zugewachsen waren, wurden zusammen mit den Gebüschsäumen an der Nordseite des Flugfeldes bis etwa 2014 durch MARKUS WEBEL in Handarbeit geräumt. Davon profitierten z.B. Bienen-Ragwurz und Fransen-Enzian. Durch die erneute, schnell voranschreitende Verbuschung wurden 2017 nur noch am oberen Rand des in Wegnähe

liegenden Steinbruchs 6 Ex. Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) und 1 Ex. Bienen-Ragwurz gefunden. Fransen-Enzian wurde 2017 in großer Zahl fast ausschließlich am kurz gemähten Rand des Flugfeldes festgestellt (270 Ex.). Die beiden gefährdeten Arten Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris) und Schlitzblättriger Hain-Hahnenfuß (Ranunculus polyanthemophyllus) wurden südlich der Steinbrüche auf dem ersten schmalen Hügel nördlich des Flugfeldes (bei den Windsackmasten) gefunden.

Ein Bild, das Pflanze, Blume, Gras, draußen enthält. Automatisch generierte Beschreibung

Fransen-Enzian Gewöhnliche Akelei

In den wärmebegünstigten Säumen am Nordrand des Flugfeldes wachsen u.a. Hain- Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum) und Nickendes Leimkraut (Silene nutans). Auf den regelmäßig gemähten Rasenflächen des Segelflugplatzes breiten sich im Sommer farbenprächtige Magerrasen mit Massenbeständen von Arznei-Thymian (Thymus pulegioides), Kleinem Habichtskraut (Hieracium pilosella), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) und anderen Arten aus.

Hain-Wachtelweizen Nickendes Leimkraut Magerrasen mit Wiesen-Flockenblume

Pflegeempfehlung für Gebiet 5:

Die (flacheren) Steinbrüche in Flugplatznähe, soweit sie mit Pflegegeräten wie Forstmulcher oder Bobcatzu bearbeiten sind und anschließend mit Mulch- oder Mähgeräten weiter gepflegt werden können, zur Förderung der Ragwurz-Arten, Fransen-Enzian und weiteren seltenen Arten erneut entbuschen.

Allgemeine Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen im NSG “Steinberg bei Wesseln” aus floristisch-vegetationskundlicher Sicht

Eine wichtige Fragestellung war, ob die zur Zeit durchgeführte Pflegemahd positive oder negative Auswirkungen auf die Pflanzenwelt des Schutzgebietes hat, oder ob eine Beweidung zur Erhaltung und Entwicklung des FFH-Gebietes besser geeignet wäre.

Von einer Beweidung (Keimung in Trittspuren, Transport in Fell u. Klauen) profitieren würden vermutlich niedrigwüchsige Arten wie Knack-Erdbeere (Fragaria viridis), Frühlings- Fingerkraut (Potentilla neumanniana), Kleines Zittergras (Briza media), Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris) und Fransen-Enzian (Gentianella ciliata). Möglicherweise würde auch die Weiße Braunelle (Prunella laciniata) gefördert, wie die deutliche Zunahme ihrer Bestände am beweideten Ortsberg bei Langenholzen zeigt. Die Massenbestände von Weiden-Alant (Inula salicina) würden durch Beweidung zurückgedrängt (Erfahrungswert vom beweideten NSG “Gallberg” in Hildesheim).

Die Untersuchungen der Botanischen Arbeitsgemeinschaft im OVH zeigen aber, dass sich das Naturschutzgebiet in einem guten Erhaltungszustand befindet. Der für das FFH-Gebiet definierte “besondere Schutzzweck”: “Förderung des prioritären Lebensraumtyps 6210 Kalktrockenrasen und ihre Verbuschungsstadien (*orchideenreiche Bestände)” wird erfüllt. Zugleich kann das Gebiet ein interessantes Anschauungsobjekt im Vergleich mit anderen, durch Beweidung bzw. durch Mahd und Abräumen der Bestandsabfälle gepflegten Magerrasengebieten im Landkreis Hildesheim sein.

Nach unserer Einschätzung erfordert die Pflege durch maschinelles Mulchen bzw. Mahd gegenüber einer Beweidung weniger zeitlichen Aufwand für die UNB als eine im Verlauf der Jahreszeiten schwieriger zu steuernde Beweidung. Erfahrungsgemäß können Absprachen mit Weidetierhaltern bei zeitlichen oder witterungsbedingten Problemen oft nicht eingehalten werden. Zudem müssten die Weidetiere im Winter außerhalb des NSG gehalten werden.

Im Laufe der Zeit sind die randlichen Gebüsche an vielen Stellen wieder auf die Magerrasen vorgerückt. Zu empfehlen ist, diese mit geländegängigen, hocheffizienten Maschinen wie

“Bobcat” oder dem kleineren, ferngesteuerten “Robocut” zu schreddern, sofern die Nachpflegemit den üblichen Mulch- oder Mähgeräten weiter gewährleistet ist.

Zweifellos tragen die auf den Flächen verbleibenden Bestandsabfälle zur Aufdüngung der Magerrasen bei. Da ihr Abtransportvon den steilen Hängen des Gebietes mit Fahrzeugen jedoch nicht möglich ist, sollte das früher praktizierte Verbrennen des Schnittgutes vor Ort wieder eingeführt werden.

Literatur

HOFMEISTER, H. UND BOTANISCHE ARBEITSGRUPPE DES OVH (1983): Floristische und

Pflanzensoziologische Untersuchungen am Steinberg bei Wesseln. – Mitt. Orn. Verein Hildesheim 7.

PAUL-FEINDT-STIFTUNG (2001): Der Steinberg bei Wesseln. – Natur und Landschaft im Landkreis Hildesheim Bd. 2.

Die Anlagen sind als PDF Dateien hier verfügbar

Anlage 1:

Floristische Kartierung durch die Botanik-AG des Ornithologischen Vereins Hildesheim im Jahr 2017

Tabelle 1: Rote-Liste-Arten 2017

Tabelle 2: Rote-Liste-Arten auf dem Kalkacker (Gebiet 1)

Anlage 2

Gesamtliste der Farn- und Blütenpflanzen am Steinberg bei Wesseln 2017 Gebiete 1-5

© Ornithologischer Verein zu Hildesheim e.V.  AG Botanik