Botanische Bestandsaufnahme des Steuerwalder Mühlengrabens

Berichte der Arbeitsgemeinschaft Botanik im OVH

Ehrenamtlicher Beitrag des Ornithologischen Vereins zu Hildesheim e. V. (OVH)

zum Bundeswettbewerb „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“

von Maren Burgdorf und Uta Striebl 01.09.2020

Karte aus: NATURSTADT – Kommunen schaffen Vielfalt – Projektskizze der Stadt Hildesheim 2020

Im Rahmen der Beteiligung der Stadt Hildesheim am Bundeswettbewerbs „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ mit dem Projekt „Libellenflugplatz Gut Steuerwald – schwirrendes Leben in bunter Vielfalt“, das u.a. die Reaktivierung des heute weitgehend trockengefallenen Steuerwalder Mühlengrabens zum Inhalt hat, stellt der Ornithologische Verein zu Hildesheim den nachfolgenden ehrenamtlichen Beitrag zur Dokumentation der Ausgangssituation am Mühlengraben im Jahr 2020 zur Verfügung.

Botanische Bestandsaufnahme des Steuerwalder Mühlengrabens

Für die Untersuchung wurde das Gebiet in der Vegetationsperiode 2020 von Maren Burgdorf und Uta Striebl am 17.03., 27.03., 27.4. und 20.07.2020 aufgesucht.

Fotos: M. Burgdorf.

Abschnitt 1: Ab Zulauf aus der Innerste bis zur Unterführung Mastbergstraße

Der Zulauf aus der Innerste in den Steuerwalder Mühlengraben ist seit Jahren verlandet, ein Durchfluss kann nur noch bei stärkerem Hochwasser erfolgen. Im seichten Wasser vor dem Zulauf hielten sich am 20.07.20 zahlreiche Jungfische auf.

Durch den trockenen Zulaufbereich sind zwei von Fußgängern und Reitern genutzte Pfade entstanden, die auf das Gelände des Gutes Steuerwald führen. 2020 war der Graben in seinem weiteren Verlauf bis zur Mastbergstraße sowohl im März / April als auch im Sommer bis auf einige mit Niederschlagswasser gefüllte Pfützen trocken. Im August war die Grabensohle zu einem großen Teil durch Massenbestände von Drüsigem Springkraut, Kletten-Labkraut und Großer Brennnessel überwachsen (Abb. 1).

Abb. 1: Die Grabensohle ist vollständig zugewachsen 04.08.2020

Ein Teil der Grabenböschungen ist mit gelegentlich gemähtem mesophilem Grünland mit einzelnen Feuchtezeigern bedeckt. Außerdem hat sich im Bereich des Gutes Steuerwald beidseitig des Grabens ein Bestand von Japanischem Staudenknöterich auf etwa 50 m Länge etabliert, der bis hinunter zur Grabensohle reicht (Abb. 2).

Abb. 2: Massenbestand von Japanischem Knöterich am Ufer westlich Gut

Steuerwald 17.07.2020

Listen der Gefäßpflanzen im 1. Abschnitt des Mühlengrabens

An den Böschungen: Mesophiles Grünland mit einzelnen Feuchtezeigern

Gräser

Agrostis gigantea Riesen-Straußgras

Arrhenatherum elatius Gewöhnlicher Glatthafer

Bromus inermis Wehrlose Trespe

Dactylis glomerata Wiesen-Knäuelgras

Festuca arundinacea Rohr-Schwingel

Holcus lanatus Wolliges Honiggras

Lolium perenne Ausdauerndes Weidelgras

Phleum pratense Wiesen-Lieschgras

Kräuter

Aegopodium podagraria Giersch

Alliaria petiolata Knoblauchsrauke

Artemisia vulgaris Gewöhnlicher Beifuß

Carduus crispus Krause Distel

Galium aparine Kletten-Labkraut

Glechoma hederacea Gundermann

Lamium maculatum Gefleckte Taubnessel

Lamium purpureum Purpurrote Taubnessel

Ranunculus ficaria Scharbockskraut

Ranunculus repens Kriechender Hahnenfuß

Rumex crispus Krauser Ampfer

Rumex obtusifolius Stumpfblättriger Ampfer

Galeopsis tetrahit Stechender Hohlzahn

Vicia sepium Zaun-Wicke

Potentilla anserina Gänse-Fingerkraut

Urtica dioica Große Brennnessel

Bäume und Sträucher auf den Böschungskronen:

Acer pseudoplatanus Berg-Ahorn

Aesculus hippocastanum Kastanie

Crataegus spec. Weißdorn

Fraxinus excelsior Gewöhnliche Esche

Hedera helix Efeu klettert z.T. bis in die Baumkronen

Prunus padus Gewöhnliche Traubenkirsche

Salix div. spec. Weiden-Arten

Sambucus nigra Schwarzer Holunder

Symphoricarpus albus Schneebeere

Viscum album Laubholz-Mistel

Abschnitt 2: Mühlengraben ab Unterführung Mastbergstraße bis zur Einmündung in die Innerste

Im Gehölz in der Nähe der Mühlengrabenbrücke an der Mastbergstraße wurde am 02.05.2020 eine singende Nachtigall gehört.

Der 2. Abschnitt des Mühlengrabens stellt sich als ein nur wenig Wasser führender, nährstoffreicher Graben mit schlammigem Grund dar (Abb. 3 und 4). Im flachen Wasser dominieren Massenbestände von Drüsigem Springkraut und Japanischem Staudenknöterich, an einigen Stellen sind Schilfröhrichte zu finden.

Abb. 3: Mühlengraben an der Brücke Mastbergstraße am 2. Mai 2020: Schlammiger Grund

mit Bachbungen-Ehrenpreis und Drüsigem Springkraut

Abb. 4: … derselbe Ort am 17.Juli 2020

Die Ufer des gewunden verlaufenden Grabens werden von auwaldartigen Gehölzbeständen gesäumt (Abb. 5 und 6).

Abb. 5: Auseinandergebrochene Weide am Mühlengraben 02.05.2020

Abb. 6: Einmündung des Mühlengrabens in die Innerste 02.05.2020

Kurz vor der Einmündung des Mühlengrabens in die Innerste hat sich am linken Ufer ein großer Bestand von Riesen-Bärenklau entwickelt (Abb. 6 und 7).

Abb. 6: Riesen-Bärenklau am 02.05.2020 Abb. 7: Bärenklau fruchtend am 17.07.2020

 

Städtische Brachfläche und Erlenwäldchen zwischen Mühlengraben-Südufer und Mastbergstraße

Südlich des 2. Mühlengraben-Abschnitts liegt eine bis zur Mastbergstraße reichende, zum Untersuchungszeitpunkt ungenutzte städtische Fläche. Ihr westlicher an die Innerste angrenzender Teil ist vermutlich infolge von Aufschüttungen erhöht. Große Teile der Brachfläche werden von halbruderalen Gras- und Staudenfluren feuchter Standorte eingenommen, auch ausgedehnte Pestwurzfluren und Massenbestände von Japanischem Staudenknöterich sind vorhanden. Bildbestimmend sind einige markante Einzelbäume wie Trauben-Eiche und Bastard-Schwarz-Pappel (Abb. 9).

Abb. 9: Städtische Brachfläche zwischen Mastbergstraße und Mühlengraben

mit Bastard-Schwarzpappel, Trauben-Eiche und Beständen von Japanischem

Knöterich 02.05.2020

„Erlenwäldchen“

Im südöstlichen Teil der städtischen Fläche wurde in den 1970er Jahren zwischen dem Mühlengraben und der Mastbergstraße eine Erlenanpflanzung angelegt (Angaben von Jagdpächter Günther Kohrs). Inzwischen sind in dem Wäldchen weitere Baum-, Strauch- und Krautarten zu finden (Abb. 10). 2020 hat das Wäldchen bereits ein teilweise auwaldartiges Erscheinungsbild. Südwestlich wurde ein Bestand des gefährdeten Aufrechten Glaskrauts, RL 3 festgestellt (Abb. 11). Pflanzenartenliste des „Erlenwäldchens“ S. 9.

Abb. 10: Das „Erlenwäldchen“ nördlich der Mastbergstraße 04.08.2020

Abb. 11: Bestand von Aufrechtem Glaskraut an der Südwestecke des Wäldchens

Listen der Pflanzenarten im 2. Abschnitt des Mühlengrabens

Pflanzen im flachen Wasser und am Ufer

Berula erecta Berle

Callitriche palustris agg. Artengruppe Sumpf-Wasserstern

Filipendula ulmaria Echtes Mädesüß

Impatiens glandulifera Drüsiges Springkraut

Juncus effusus Flatter-Binse

Lythrum salicaria Blutweiderich

Phalaris arundinacea Rohr-Glanzgras

Phragmites australis Gewöhnliches Schilf

Veronica beccabunga Bachbungen-Ehrenpreis

Böschungen

Außer den bereits in Abschnitt 1 genannten Arten wurden an den Böschungen in Abschnitt 2 die folgenden Pflanzen gefunden:

Arctium lappa Große Klette

Arctium tomentosum Filzige Klette

Armoracia rusticana Meerrettich

Barbarea vulgaris Echtes Barbarakraut

Calystegia sepium Zaun-Winde

Chaerophyllum bulbosum Knollen-Kälberkropf

Chaerophyllum temulum Taumel-Kälberkropf

Cirsium arvense Acker-Kratzdistel

Equisetum arvense Acker-Schachtelhalm

Geum urbanum Gewöhnliche Nelkenwurz

Heracleum mantegazzianum Riesen-Bärenklau großer Bestand am linken Ufer

Heracleum sphondylium Wiesen-Bärenklau

Humulus lupulus Hopfen

Impatiens glandulifera Drüsiges Springkraut

Lactuca serriola Kompasslattich

Lamium album Weiße Taubnessel

Melilotus albus Weißer Steinklee
Petasites hybridus Gewöhnliche Pestwurz

Rubus armeniacus Armenische Brombeere

Rubus fruticosus agg. Brombeere

Rumex x pratensis Wiesen-Ampfer

Silene dioica Rote Lichtnelke

Stachys palustris Sumpf-Ziest

Stellaria aquatica Wasserdarm

Stellaria media Vogelmiere

Taraxacum officinale agg. Artengruppe Gewöhnlicher Löwenzahn

Veronica hederifolia ssp. lucorum Efeublättriger Ehrenpreis

Vicia angustifolia ssp. segetalis Acker-Schmalblatt-Wicke

Vicia cracca Vogel-Wicke

Gehölze am oberen Rand der Böschungen (am Zufahrtsweg z. T. gepflanzt)

Acer campestre Feld-Ahorn

Acer platanoides Spitz-Ahorn

Acer pseudoplatanus Berg-Ahorn

Clematis vitalba Gewöhnliche Waldrebe

Cornus sanguinea Roter Hartriegel

Cornus sericea Weißer Hartriegel

Corylus avellana Gewöhnliche Hasel

Crataegus monogyna Eingriffeliger Weißdorn

Euonymus europaea Gewöhnliches Pfaffenhütchen

Fraxinus excelsior Gewöhnliche Esche

Ligustrum vulgare Liguster

Lonicera xylosteum Rote Heckenkirsche

Populus x canadensis Bastard-Schwarz-Pappel

Prunus avium Vogel-Kirsche

Prunus padus Gewöhnliche Traubenkirsche

Quercus robur Stiel-Eiche

Rosa canina Hunds-Rose

Rubus fruticosus agg. Artengruppe Echte Brombeere

Salix purpurea Purpur-Weide

Salix viminalis Korb-Weide

Salix spec. Weide

Sambucus nigra Schwarzer Holunder

Sorbus aucuparia Eberesche

Viburnum lantana Wolliger Schneeball

Viburnum opulus Gewöhnlicher Schneeball

Viscum album Laubholz-Mistel

Artenliste Erlen-Wäldchen zwischen Mühlengraben und Mastbergstraße

angepflanzt in den 1970er Jahren

Beobachtungen am 02.05.2020:

Neben der damals angepflanzten Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) sind in dem Wäldchen im Laufe der vergangenen ca. 50 Jahre weitere Gehölzarten aufgekommen:

 

Gehölze

Acer platanoides Spitz-Ahorn

Acer pseudoplatanus Berg-Ahorn

Alnus glutinosa Schwarz-Erle

Fraxinus excelsior Gewöhnliche Esche

Hedera helix Efeu

Populus x canadensis Bastard-Schwarz-Pappel

Prunus avium Vogel-Kirsche

Sambucus nigra Schwarzer Holunder

In der Krautschicht wurden festgestellt:

Aegopodium podagraria Giersch

Alliaria petiolata Knoblauchrauke

Chaerophyllum bulbosum Knollen-Kälberkropf

Chaerophyllum temulum Taumel-Kälberkropf

Galium aparine Kletten-Labkraut

Glechoma hederacea Gundermann

Heracleum sphondylium Wiesen-Bärenklau

Lamium album Weiße Taubnessel

Lamium argentatum Silberblättrige Goldnessel

Lamium maculatum Gefleckte Taubnessel

Parietaria officinalis RL 3 Aufrechtes Glaskraut >100 blüh. Triebe im SW an Mastbergstr.

Petasites hybridus Gewöhnliche Pestwurz

Ranunculus ficaria Scharbockskraut

Silene dioica Rote Lichtnelke

Stellaria holostea Große Sternmiere

Stellaria media Vogelmiere

Stellaria nemorum Hain-Sternmiere

Urtica dioica Große Brennnessel

Den Abschluss des Wäldchens zur Mastbergstraße bildet ein vermutlich gepflanzter heckenartiger Bestand von

Ulmus minor Feld-Ulme

Weitere Gehölze:

Cornus sanguinea Roter Hartriegel

Euonymus europaea Pfaffenhütchen

Ligustrum vulgare Liguster

Prunus spinosa Schlehe

Rosa spec. Rose

Ornithologischer Verein zu Hildesheim e.V. /AG Botanik