Hildesheim-Süd, Lias-Hang am Concordia-Platz

Magerrasenhang am Concordia-Platz 1989/2020

Verbuschung eines Magerrasens auf Lias-Untergrund im Süden Hildesheims


Bildaufnahmedatum 17.09.2020
Koordinaten: 52°07‘46“N 9°57‘50“E

Bericht erstellt im Mai 2022 von Maren Burgdorf, auch Fotos.

Der Hang in früherer Zeit
Der Lias-Hang des heutigen NSG „Am roten Steine“ und der nördlich daran anschließende Hang oberhalb (östl.) des Concordia-Platzes bildeten ehemals ein zusammenhängendes Gebiet, das in der historischen Karte „Gaußsche Landesaufnahme von 1827 – 1840“ als „Schweinerücken“ bezeichnet wurde. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Hildesheim-Goslar Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Hang in zwei Teile geteilt. Der Hangteil südöstlich der Bahn wurde 1986 als NSG „Am roten Steine“ ausgewiesen und 2007 als ein Teil des FFH-Gebietes 382 „Beuster mit NSG Am roten Steine“ in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 aufgenommen (siehe hierzu den Bericht der AG Botanik des Ornithologischen Vereins zu Hildesheim e.V.). Der Hangteil nordwestlich der Bahnlinie, der sich oberhalb des ehemaligen Concordia-Rasenplatzes erhebt, wurde 1964 als ein Teil des LSG „Innersteniederung südlich Hildesheims incl. Lönsbruch“ ausgewiesenen.
Beide Hänge wurden bis in die 1980/90er Jahre regelmäßig durch eine Wanderschafherde beweidet und wiesen vergleichbare Lebensgemeinschaften auf. Gemäß der heute verwendeten Klassifizierung nach FFH-Lebensraumtypen wäre der Hang damals, ebenso wie der „Rote Stein“, den Lebensraumtypen 6210 „Trockenrasen und ihre Verbuschungsstadien“ sowie 6510 „Magere Flachland-Mähwiesen“ zuzuordnen gewesen.

Der Hang wächst zu
Nach Aufgabe der Beweidung breiteten sich zunehmend Gebüsche und Bäume aus, so dass der Hang im Jahr 2020 nur noch wenige Freiflächen aufwies und teilweise bereits in ein Vorwaldstadium übergegangen war (s. Bildfolge im Anschluss):

 

Veränderungen im Erscheinungsbild des Magerrasen-Hanges am ehemaligen Concordia-B-Platz innerhalb von 27 Jahren (1992 bis 2020)


Der Hang oberhalb des Concordia-Rasenplatzes im Mai 1992: Magerrasen mit partieller Verbuschung


13 Jahre später, am 18.08.2005: Die Verbuschung nimmt zu.


27 Jahre später, am 05.07.2020 : starke Verbuschung, z. T. Vorwaldstadien.

Pflanzenerfassung 1989
Im August 1989 hatte die AG Botanik unter der Leitung von Dr. Heinrich Hofmeister den Hang aufgesucht und dort ein mit dem NSG „Am roten Steine“ vergleichbares Arteninventar festgestellt:

Liste der am 03.08.1989 am „Concordia-Hang“ gefundenen Arten:

RL 1983
Acer campestre Feld-Ahorn
Acer pseudoplatanus Berg-Ahorn
Achillea millefolium Gewöhnliche Schafgarbe
Agrimonia eupatoria Odermennig
Arrhenatherum elatius Glatthafer
Astragalus glycyphyllos Bärenschote
Brachypodium pinnatum Fieder-Zwenke
Carex flacca Blaugrüne Segge
Carex spicata Dichtährige Segge
Centaurea jacea Wiesen-Flockenblume
Convolvulus arvensis Acker-Winde
Crataegus laevigata Zweigriffeliger Weißdorn
Dactylis glomerata Wiesen-Knäuelgras
Daucus carota Wilde Möhre
Equisetum arvense Acker-Schachtelhalm
Festuca ovina Schaf-Schwingel
Festuca pratensis Wiesen-Schwingel
Fragaria vesca Wald-Erdbeere
Fragaria viridis Knack-Erdbeere RL 3 (1983)
Fraxinus excelsior Gewöhnliche Esche
Galium album Wiesen-Labkraut
Lathyrus pratensis Wiesen-Platterbse
Lathyrus tuberosus Knollen-Platterbse
Mycelis muralis Mauerlattich
Ononis spinosa Dornige Hauhechel
Picris hieracioides Gewöhnliches Bitterkraut
Pimpinella saxifraga Kleine Bibernelle
Plantago media Mittlerer Wegerich
Poa pratensis Wiesen-Rispengras
Potentilla neumanniana Frühlings-Fingerkraut
Ranunculus acris Scharfer Hahnenfuß
Ranunculus bulbosus Knolliger Hahnenfuß
Robinia pseudoacacia Robinie
Rosa canina Hunds-Rose
Rosa corymbifera Hecken-Rose
Rosa rubiginosa Wein-Rose
Rubus idaeus Himbeere
Sanguisorba minor Kleiner Wiesenknopf
Senecio erucifolius Raukenblättr. Greiskraut
Stachys germanica Deutscher Ziest RL 2
Thymus pulegioides Arznei-Thymian
Trisetum flavescens Goldhafer
Verbena officinalis Echtes Eisenkraut
Vicia tetrasperma Viersamige Wicke
Viola hirta Rauhaariges Veilchen

 

Ist eine Wiederherstellung möglich?
Trotz der starken Verbuschung sind am Hang noch Reste von Magerrasen vorhanden. Sollte sich – z.B. über Kompensationsmaßnahmen – eine Möglichkeit ergeben, den Hang partiell auszulichten und ggf. gemeinsam mit der Grünlandfläche des ehemaligen Concordia-B-Platzes und des an der Bahnlinie im Gebiet liegenden Ackers als Weidefläche zu nutzen, könnten die Magerrasenreste erhalten und vergrößert werden. Die bereits bewaldeten Teile des Hanges könnten durch die historische Bewirtschaftungsform Hutewald gepflegt werden.

Ein Anschauungsobjekt für eine auf diese Weise praktizierte Wiederherstellungs- und Erhaltungsmaßnahme bieten die noch vor 30 Jahren ebenso stark verbuschten Magerrasen am Westhang des NSG „Gallberg“ (FFH-Gebiet 115).

Die Wiederherstellung durch Gebüschbeseitigung und Beweidung könnte ein wichtiger Trittstein zur Biotopvernetzung und zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität in unserer Stadt leisten und zugleich die in den Richtlinien der EU von den Mitgliedsstaaten geforderte ökologische Kohärenz des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 verbessern.

Einige der am Concordia-Hang nachgewiesene Tierarten:
Neuntöter, Gartengrasmücke, Misteldrossel, Nachtigall (2021; 2022),
Zauneidechse.

© Ornithologischer Verein zu Hildesheim e.V.