Mathildenhall, Kaliwerk Hildesheimer Wald, ehemalige Abraumhalde (1995/2011)

Exkursion zu den Salzpflanzen auf der Kalihalde Mathildenhall im Hildesheimer Wald
am 16.08.1995
und am 23.06.2011

Führungen: Dr. Werner Müller
Bericht: Hannelore Genuit-Leipold

Lage des ehemaligen Kaliwerks Mathildenhall im Hildesheimer Wald

Google Earth, Bildaufnahmedatum: 1/1/2010

Kartiert wurde die östliche ehemalige Halde (weißer Fleck rechts)
Koordinaten:  52°06‘19“N 9°51‘43“E

1. Beobachtungen auf der Exkursion am 16.08.1995

Auf der Fläche der Kalihalde Mathildenhall ist recht gut eine Zonierung der Wuchsorte zu erkennen:
Auf den „inneren“, sicher stark salzhaltigen Bereichen wachsen niedrigwüchsige Pflanzen wie

Atriplex littoralis Strand-Melde
Atriplex pedunculata Gestielte Keilmelde
Atriplex tatarica Tataren-Melde
Puccinellia distans Gewöhnlicher Salzschwaden
Salicornia ramosissima Ästiger Queller
Spergularia maritima Flügelsamige Schuppenmiere
Spergularia salina Salz-Schuppenmiere
Suaeda maritima Strand-Sode
Lepidium ruderale Schutt-Kresse


Die daran anschließenden „inneren Ränder“ werden besiedelt von

Apium graveolens Echter Sellerie
Aster tripolium Strand-Aster
Atriplex patula Spreizende Melde
Atriplex prostrata Spieß-Melde
Centaurium erythraea Echtes Tausendgüldenkraut
Cerastium holosteoides Gewöhnliches Hornkraut
Daucus carota Wilde Möhre
Elymus repens Gewöhnliche Quecke
Holcus lanatus Wolliges Honiggras
Hordeum jubatum Mähnen-Gerste
Juncus compressus Zusammengedrückte Binse
Odontites vulgaris Roter Zahntrost
Plantago major Breit-Wegerich
Plantago maritima Strand-Wegerich
Plantago winteri Salzwiesen-Breit-Wegerich
Pulicaria dysenterica Großes Flohkraut
Trifolium fragiferum Erdbeer-Klee
Triglochin maritimum Strand-Dreizack
Tripleurospermum perforatum Geruchlose Kamille


In den „äußeren Randbereichen“ dominieren hochwüchsige Pflanzen wie

Calamagrostis epigeios Land-Reitgras
Cirsium arvense Acker-Kratzdistel
Cirsium vulgare Gewöhnliche Kratzdistel
Eupatorium cannabinum Wasserdost
Phragmites australis Gewöhnliches Schilf (stellenweise)

Literatur: MÜLLER, W. (1995): Zur Flora und Vegetation sekundärer Salzstandorte bei Diekholzen, Landkreis Hildesheim,
in: Naturkundliche Mitteilungen des Ornithologischen Vereins zu Hildesheim e.V., Jg. 16: 45-56

 

2. Erfassung der Salzpflanzen auf der ehemaligen Abraumhalde des Kaliwerks Mathildenhall im Hildesheimer Wald am 23.06.2011

Nach dem Abbau von Kalisalzen von 1908–1930 und einer Wiederaufnahme der Förderung von 1950-59 wurde die Schachtanlage Mathildenhall 1997 verfüllt.
Zuvor hatte am 16.08.1995 bereits eine Exkursion der AG Botanik zur ehemaligen Kalihalde Mathildenhall unter der Führung von Dr. W. MÜLLER stattgefunden (siehe oben).
2011 erfolgte auf Anregung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hildesheim eine erneute Bestandsaufnahme der Salzpflanzen auf der ehemaligen Halde.
Zum Untersuchungszeitpunkt 2011 war von der Kalihalde nichts mehr zu sehen, auf dem salzigen Haldenuntergrund wurden jedoch Halophyten und salztolerante Pflanzen in größerer Anzahl festgestellt.
Die zentrale Fläche der ehemaligen Kalihalde ist gehölzfrei, vom Rand dringen jedoch erste Gehölze vor, v.a. Grau-Erle (Alnus incana), vereinzelt auch Birke (Betula pendula) und Fichte (Picea abies).
An den Rändern der Fläche ist eine starke Ausbreitung von Land-Reitgras (Calamagrostis epigeios) zu beobachten.

Bestandsaufnahme vom 23.06.2011

Salzpflanzen (Halophyten) 

Apium graveolens Echter Sellerie RL 3; div. 100 Ex. (1995: >100)
Aster tripolium Strand-Aster RL 3; >50 (1995: >50)
Bupleurum tenuissimum Salz-Hasenohr RL 2; ca.15 Ex. (1995: nicht gef.)
Glaux maritima Milchkraut RL 2; >1000  (1995: >50)
Hordeum jubatum Mähnen-Gerste Größere Bestände
Lepidium latifolium Breitblättrige Kresse ca. 300
Puccinellia distans Gewöhnlicher Salzschwaden bestandsbildend an stark salzhaltigen Stellen
Samolus valerandi Salz-Bunge RL 2; >1000
Spergularia media Flügelsamige Schuppenmiere  >25
Spergularia salina Salz-Schuppenmiere >50
Trifolium fragiferum Erdbeer-Klee RL 3; 12-15 Ex. (1995: >100)
Triglochin maritimum Strand-Dreizack RL 3; >100 (1995: >25)


Salztolerante Pflanzen
 

Atriplex prostrata Spieß-Melde
Juncus compressus Zusammengedrückte Binse häufigste Art
Pulicaria dysenterica Großes Flohkraut RL 3; >1000

Folgende, noch 1995 nachgewiesene Salzpflanzen wurden 2011 nicht mehr gefunden:
Wissenschaftliche und deutsche Namen nach: Rote Liste (GARVE 1993):

Atrilex littoralis Strand-Melde
Atriplex pedunculata Gestielte Keilmelde RL 0 B
Lotus glaber Salz-Hornklee RL 2 B
Plantago major ssp. winteri Großer Wegerich RL 4
Plantago maritima Strand-Wegerich RL 0 B
Suaeda maritima Strand-Sode
Salicornia ramosissima Ästiger Queller RL 2 B

 

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