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Presseinformation März 2019

Ein Projekt des Ornithologischen Vereins zu Hildesheim

Der Rotmilan ist die einzige Vogelart für dessen Schutz, die Bundesrepublik Deutschland weltweite Verantwortung trägt: über 50% der Weltpopulation brütet in Deutschland. In Niedersachsen brüten mehr als 90% östlich der Linie Hameln-Lüneburg.

Rotmilan nach der Ankunft bei Schliekum in März

In den letzten 2 Jahren war der Bruterfolg des Rotmilans in Niedersachsen ganz schlecht. Um die Population zu halten brauchen die Milane etwa 2 Jungvögel pro Brutpaar. In 2018 lag der Bruterfolg nur bei 0,9 Jungvogel/Brutpaar. Die Gründe für den Misserfolg sind vielfältig. Das Wetter war in den letzten zwei Jahren der wichtigste Faktor: in 2017 verregnet und in 2018 zu trocken. Auf jeden Fall hat es zu Brutverlusten bei vielen Paaren geführt. Die Anzahl der besetzten Reviere ist im Landkreis Hildesheim ebenfalls rückläufig. Die Brutergebnisse reichen überhaupt nicht, um den Rotmilan-Bestand zu halten. Um den Milanen zu helfen müssen wir erstmals wissen wo sie Reviere besetzt haben.

Rotmilan auf Nahrungssuche in der Börde Foto A. Hill

Die Ornithologische Arbeitsgruppe des OVHs hat seit 6 Jahren mit Hilfe der Öffentlichkeit die Milane im Landkreis Hildesheim erfasst. Es haben weit über 100 Personen an diesen Erfassungen teilgenommen. Diese Erfahrung wollen wir als Beitrag zu einer in 2019 durchgeführten landesweiten Erfassung der Vogelwarte Niedersachsen einbringen. Um ein aussagefähiges Ergebnis zu bekommen brauchen wir eine möglichst lückenlose Abdeckung des gesamten Landkreises.

Diesjähriger Rotmilan auf Nahrungssuche Foto A. Hill

In den Jahren 2013-2015 wurden über 60 von Paaren besetzte Reviere erfasst. Weitere 40-45 Reviere wurden von einzelnen Rotmilanen als Nahrungsreviere genutzt. Das Ergebnis war deutlich besser als von den OVH-Ornithologen erwartet.  Leider zeigen, die Zahlen der Jahre 2016-2018 eine deutlich rückläufige Tendenz. Wir erwarten bestenfalls 30-35 Reviere.

In den letzten drei Jahren wurden mehrfach Meldungen von Vergrämungsaktionen in Zusammenhang mit Windkraft über Vergrämungsaktionen gemacht. Die Nistplätze der Rotmilane sind gesetzlich geschützt. Derartige Aktionen sind aufs schärfste zu kritisieren. Der Verlust von Horsten ist ebenfalls eine wichtige Ursache des Rückgangs. Einige Horste sind durch Sturme vernichtet worden, einige Horstbäume wurden entwurzelt. Viel schlimmer ist der Verlust durch Abholzen. In der Börde sind ganze Pappelreihen abgeholzt worden. In den Wäldern reife Bäume geerntet worden, was zu erheblichen Änderungen der Waldstrukturen geführt hat.

Adulter Rotmilan in Nest Nähe in Juni

Wo sind die Milane?

Schwerpunkte der Verbreitung des Rotmilans im Landkreis sind der Ambergau, Nette/Innerstetal, das gesamte Leinetal, das Gebiet zwischen Gronau und Sibbesse, der Külf, Duinger Wald, Lamspringe-Freden sowie der Übergang Bergland-Börde. Hinzu kommen über den ganzen Landkreis zerstreute traditionelle Brutstandorte, die seit Jahren von einzelnen Brutpaaren besetzt werden. Lücken in unserem Kenntnisstand gibt es immer noch in den Bereichen Ith-Hils, Vorberge-Helleberg-Heber und Selter. Wir würden uns über Meldungen aus diesem Raum besonders freuen.

Der Rotmilan brütet ebenfalls in der Börde. Dort wollen wir neben dem Rotmilan auch Schwarzmilane, Rohrweihen und Wiesenweihen erfassen. Auch diese Arten waren in 2017-2018 wenig erfolgreich. Es geht bei der Erfassung nicht nur um die Feststellung der Brutreviere und Nistplätze sondern auch um die Erfassung der Nahrungsreviere aller genannten Arten. Die Nistplätze werden vertraulich behandelt.

Wann sind die Milane aktiv?

Die ersten Milane sind schon Ende Februar aus den Überwinterungsgebieten in Frankreich und Iberien zurückgekommen. Die Paarbildung beginnt sobald beide Altvögel im Revier sind Eventuelle neue Nistplätze werden schon in der ersten März Hälfte gebaut. Der Neubau dauert wenige Tage. Der Heimzug kann bis Anfang April andauern. Eier werden Ende März bis Anfang Mai, meistens aber bis Mitte April gelegt. Die Weibchen sitzen auf den Eiern zwischen 30 und 38 Tage. Danach hudern Sie für weitere 2 Wochen. Das heißt, man sieht in dieser Zeit meistens nur einen Vogel auf Nahrungssuche, weil das Weibchen von Ende März für etwa 7 Wochen auf dem Nest bleibt. Erst Ende Juni Anfang Juli fliegen die Jungvögel vom Nest und man sieht die Familiengruppe in der Nähe des Brutplatzes für einige Tage.

Die Rotmilane sind tagaktiv. Man sieht sie am besten zwischen 10.00 und 12.00 Uhr sowie von 16.00 bis Sonnenuntergang.

Wir freuen uns auf alle Einzelmeldungen im Zeitraum April bis Mitte Juli. Wenn Sie eine Meldung machen sollten der Name des Melders, die Telefonnummer für Rückfragen, Zeit, Ort und Anzahl angegeben werden. Wenn Sie auch Angaben zur Flugrichtung machen könnten, wäre das für die Bestimmung von Nahrungsrevieren hilfreich.

Meldungen per Email sind sehr wertvoll. Diese sollten an milane@ovh-online.de gemeldet werden.

Unser Hotline Tel. 05121-44337 ist nicht immer besetzt – doch Sie können aber immer alle Angaben auf Band sprechen. Sie helfen uns sehr, wenn sie diese Möglichkeit benützen

Weitergehende Informationen sind unter den folgenden Links auf unserer Internetseite zu finden: www.ovh-online.de