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Im Wasser waten und stundenlang warten

Naturfotografen des Ornithologischen Vereins zeigen im Rathaus eine kleine Auswahl ihrer schönsten Vogelbilder

Hildesheim (ha). Manchmal verharrt das Model nur für einen kurzen Augen­blick in dieser Pose. Und bis es so weit ist, müssen Naturfotografen oftmals Stun­den, manchmal sogar Tage warten, ehe dieser eine, unwiederbringliche Moment gekommen ist. Naturfotografie, erst recht Wildvogelfotografie ist nichts für Unge­duldige. Was für traumhafte Fotos indes gelingen, wenn der Mensch hinter der Linse im richtigen Sekundenbruchteil auf den Auslöser gedrückt hat, zeigt nun eine Foto-Ausstellung zum 60-jährigen Bestehen des Ornithologischen Vereins (OVH) in der Galerie der Rathaushalle.

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Peter Becker bekam mit viel Geduld in einem Gewässer bei Barienrode diese Wasserralle vor die Linse. Als ausgebildeter Beringer hat Becker zudem 20 000 Wildvögel beringt. Fotos: Gossmann

Peter Becker, einer dieser begnadeten Fotografen, kann sich noch genau erin­nern, wie das Bild des Tüpfelsumpfhuhns in der Gronauer Masch entstanden ist. Fast bis zum Bauch stand Becker in einer Gummihose im Wasser und wartete auf den Anbruch der Nacht. Mit geübter Stimme imitierte er den Ruf des seltenen Vogels. Und tatsächlich: Seine Töne wa­ren offenbar so täuschend echt, dass ein Tüpfelsumpfhuhn sich herausgefordert sah, sein Revier gegen den Eindringling zu verteidigen. In der einen Hand eine Taschenlampe (schließlich war es bereits stockfinster), in der anderen die schuss­bereite Kamera wartete Becker, bis der Vogel nahe genug war. Nur mit dem Ober­körper pendelte er die Tiefenschärfe aus. Klick. Schon war das Hühnchen Porzana porzana für die Ewigkeit festgehalten.

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Diese phänomenale Aufnahme eines Eisvogels schoss Karl-Heinz Bloch in der Nähe von Holle. Der farbenprächtige Eisvogel ist auch der Wappenvogel des Ornithologischen Vereins.

Oberbürgermeister Kurt Machens nutzte die Ausstellungseröffnung, um sich beim OVH für den „gelebten und praktizierten Naturschutz“ zu bedanken, den die mehr als 1000 Mitglieder mit ihrer Arbeit unterstützen. Der Name des OVH habe einen guten Klang, das Urteil seiner Experten Gewicht, auch wenn deren Mei­nung etwa für Behörden nicht immer be­quem sei. Das Abmähen der Wallanlagen habe seinerzeit einen „medialen Sturm der Entrüstung“ ausgelöst, heute freuten sich die Bürger an der gelben Wildtulpe, die deshalb nun wieder hier wächst.

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Ewald Bürig, in der Region auch als „Vogelpastor” bekannt ist unter Naturfreunden eine Institution. Das Foto mit der Hohltaube gelang ihm in einem Waldstück bei Duingen.

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Alistair Hill hat die Fotoausstellung zum 60. OVH-Geburtstag nicht nur konzipiert, sondern auch selbst Arbeiten beigesteuert, wie dieses Foto eines Blaukehlchens in der Sehlder Masch.

Schon vor Gründung des OVH am 23. März 1953 hatte es einen informellen Ar­beitskreis gegeben, der sich um den Josephinum-Lehrer Paul Feindt formierte. „Er hatte hohes Fachwissen und er ver­stand es, junge Menschen für die Ornitho­logie zu begeistern“, sagt Andreas Hum­bert, der seit kurzem an der Spitze des OVH steht. Die Mitglieder der ersten Stunde, unter ihnen Ewald Bürig und der damals erst 13-jährige Peter Becker, ver­standen sich als Feldforscher, die beob­achteten, kartierten, auswerteten. Bald gab es 14 000 Karteiblätter mit 250 000 Einzeldarstellungen der bis zu 330 Vogel­arten in der Region. Anfang der 70er Jah­re nahm der OVH erstmals wertvolle und bedrohte Biotope unter seine Fittiche. Der Erlenbruch bei Himmelsthür war das ers­te Schutzgebiet überhaupt, heute sind es bereits 650 Hektar in Stadt und Kreis.
1975 kam mit Bernd Galland für bei­nahe 40 Jahre ein Mann an die Spitze, der mit seinem Wissen, Engagement und seiner Motivationsfähigkeit sich als Glücksfall erweisen sollte, zumal mit dem Bundesna­turschutzgesetz 1976 Verbände erstmals in politische Entscheidungen eingebunden wurden. 1981 gründete Dr. Heinrich Hof­meister die Botanikgruppe, die heute von Maren Burgdorf geleitet wird und in Fleiß­arbeit Farne und Blütenpflanzen der Regi­on kartiert hat. 1989 wurde nicht zuletzt durch das Wirken von Heinz Ritter die Paul-Feindt-Stiftung ins Leben gerufen, die sich um die Sicherung bedrohter Flä­chen kümmert. Inzwischen hat der OVH acht Regionalgruppen, Fachleute für viele Bereiche. Zur Vereinsgeschichte gehören Hunderte von Fachvorträgen, Tausende von Bildern, ungezählte Publikationen und Exkursionen. Der OVH, sagt Humbert, sei mehr als nur ein Naturschutzverein, der Nistkästen reinigt und Tümpel ent­schlammt: Er überzeuge mit fachlichem Wissen, sei Rat- und Ideengeber.

Hier finden Sie unsere Begleitinformation zur Ausstellung als pdf-Datei

Die Foto-Ausstellung im Rathaus läuft bis 27. Juni und ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr zu sehen.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung