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Skandinavische Odinshühnchen dank Geolokatoren bis ins Arabische Meer verfolgt

Odinshühnchen gehören zu den wenigen Vogelarten, bei denen die Geschlechterrollen vertauscht sind und bunter gefärbte Weibchen um die Männchen werben. Die ist jedoch nicht die einzige Überraschung im Leben der kleinen Limikolen. Während die Vögel an kleinen Gewässern im Binnenland der Tundra brüten, halten sie sich außerhalb der Brutzeit fernab der Küsten auf dem offenen Meer auf. Mit Hilfe von Geolokatoren konnten nun die Zugrouten mehrerer Odinshühnchen für längere Zeit verfolgt werden. Die Ergebnisse dieser internationalen Studie wurden im Fachmagazin Journal of Avian Biology veröffentlicht.Für drei in Schweden zur Brutzeit beloggerte Männchen konnten die Zugwege über ein ganzes Jahr aufgezeichnet werden, für ein weiteres immerhin der Herbstzug. Die Ergebnisse der Studie bestätigten bisherige Vermutungen, dass Odinshühnchen der skandinavischen Population den Winter auf dem Arabischen Meer verbringen. Der Durchzug vollzog sich dabei in zwei bis vier Etappen. Für wenige Tage wurde im Finnischen Meerbusen (Herbst) oder in der südlichen Ostsee (Frühjahr) gerastet sowie für bis zu vier Wochen in oder in der Nähe von Schwarzem und Kaspischem Meer (Herbst und Frühjahr). Die Geschwindigkeit der zurückgelegten Strecken lässt außerdem darauf schließen, dass lediglich die Distanzen zwischen Ostsee und Schwarzem bzw. Kaspischem Meer ohne Rast überflogen werden. Während der übrigen Etappen scheinen die Vögel weitere kurze Zwischenstopps einzulegen. Im Bereich des Schwarzen/Kaspischen Meeres beträgt die Rastdauer im Frühjahr lediglich 8-10 Tage, im Herbst jedoch bis zu 36 Tage. Die herbstliche Rastdauer ist damit länger als für den Aufbau ausreichender Fettreserven für die rund 2000 Kilometer lange Strecke bis zum Golf von Oman zu erwarten war. Nachdem die Odinshühnchen das Arabische Meer über den Golf von Oman erreichten, verteilten sich die Vögel im gesamten Gebiet ihrer vermuteten Winterquartiere. Bewegungen während des Winters scheinen sich an den saisonal wechselnden Monsunwinden zu orientieren.

Odinshuhnchen GPS Telemetrie

Odinshuhnchen GPS Telemetrie

 

Im Rahmen der gemeinsam von Wissenschaftlern der niederländischen Forschungsinstitute der Universitäten Wageningen und Groningen sowie dem Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn durchgeführten Untersuchung konnten nicht nur die ersten skandinavischen Odinshühnchen bis ins Überwinterungsgebiet verfolgt werden, sondern auch erstmals überhaupt Seevogelbewegungen im Arabischen Meer aufgezeichnet werden, einem der reichsten und dynamischsten Meeresgebiete weltweit.Auf dem Durchzug können Odinshühnchen insbesondere in den Monaten August und September sowie im Mai auch in Deutschland beobachtet werden. Aus welchen Brutgebieten diese Vögel stammen und in welche Winterquartiere sie unterwegs sind, ist weitgehend ungeklärt.
Nach dem Atlas des Vogelzugs bildet ein Anfang September in Sachsen beringter diesjähriger Vogel, der wenige Wochen später in Italien erlegt wurde, den bislang einzigen Ringfund mit Bezug zu Deutschland. Dass längst nicht alle in Europa brütenden Odinshühnchen ins Arabische Meer fliegen, zeigte eine Geolokatoren-Studie an einem schottischen Brutvogel (vgl. News-Eintrag vom 21.1.2014). Dieser flog zum Überwintern quer über den Atlantik und bis vor die Pazifikküste Perus.

Weitere Informationen:

Nach: van Bemmelen, R. S. A., J. Hungar, I. Tulp & R. H. G. Klaassen 2015. Journal of Avian Biology:

First geolocator tracks of Swedish red-necked phalaropes reveal the Scandinavia-Arabian Sea connection