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Aus der HAZ vom 10. Juni 2016 – Bund verschenkt den Osterberg

Einst donnerten die Panzer über den Osterberg, heute genießen Spaziergänger und Radfahrer die himmlische Ruhe in dem Naturschutzgebiet. Damit das auch in Zukunft so bleibt, hat die Bundesrepublik den ehemaligen Standortübungsplatz der Paul-Feindt-Stiftung geschenkt. Die will das 250 Hektar große Gelände mit mehr als 2000 nachgewiesenen Pflanzen- und Tierarten als „nationale Naturerbe“ für künftige Generationen erhalten.

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Bernd Galland von der Paul-Feindt-Stiftung (links) bedankt sich am Osterberg bei den vielen Unterstützern des Naturschutzprojekts. Alle Fotos © OVH/Salvatore Bologna

Kaum war der Vertrag unterzeichnet, geriet Bernd Galland als Vorsitzender der Paul-Feindt-Stiftung ins Schwärmen. Denn es hatte immerhin zwölf Jahre gedauert, bis die Naturschützer am Ziel waren: „Dieses Gebiet ist wirklich einzigartig“, sagte Galland auf der Kuppe des Osterbergs, wo sich am Mittwochabend Vertreter von Stadt und Landkreis sowie aller am Verfahren beteiligter Behörden zu einer kleinen Feierstunde getroffen hatten.

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Wie wertvoll das Gelände tatsächlich ist, machte Galland am Beispiel des Urzeitkrebses Triops cancriformis deutlich. Schon vor 220 Millionen Jahren sind seine Vorfahren hier gewesen, haben den Aufstieg und Niedergang der Dinosaurier erlebt, haben Mammuts und Säbelzahntiger gesehen, haben den Neandertaler und den Homo sapiens überlebt. Erst als der moderne Mensch begann, die  Landschaft nach seinen Vorstellungen zu gestalten, indem er Flüsse begradigte, Feuchtgebiete drainierte und Wege planierte, wurde es für den kleinen Krebs bedrohlich eng. Um überleben zu können, braucht er nämlich kleine Tümpel, die sich im Sommer behaglich erwärmen, die aber nicht so groß sind, dass räuberische Fische dort Platz fänden. Wie am Osterberg, wo die Panzer einst mit ihren Ketten genau die Löcher in den Boden gerissen haben, in denen sich der Kiemenfußkrebs wohlfühlt. Nach den Worten Gallands gibt es in Niedersachsen nur noch zwei Standorte mit Restbeständen dieses „lebenden Fossils“.

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Landrat Reiner Wegner bei seiner Ansprache. Links Helfried Basse und Bernd Galland

Der Urzeitkrebs ist freilich nicht die einzige Besonderheit auf dem weitläufigen Gelände in der Größe von 340 Fußballfeldern. Mehr als 200 Rote-Liste-Arten sind dort beheimatet, weshalb Oberbürgermeister Ingo Meyer das Datum der  Vertragsunterzeichnung als einen wunderbaren Tag für Hildesheim bezeichnete. Auch Landrat Reiner Wegner lobte den Wandel von der militärischen Nutzung zum Naturerlebnisraum: „Ich bin stolz, dass diese Naturschutzfläche in regionalen Händen bleibt“, freute sich Wegner. Er könne sich gut vorstellen, dass am Osterberg ein Aussichtsturm und ein Informationszentrum für Besucher errichtet werde.

Peter Rütters © Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Hildesheim_-_10-06-2016

Bis 2007 nutzte die Bundeswehr den Osterberg als Standortübungsplatz. Danach hat die Natur das Kommando übernommen. Archivfoto: P. Hartmann