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Aus der HAZ vom 15. Juli 2016

Zwischen Brüggen und Ruthe haben vier Brutpaare 13 Jungtiere aufgezogen / Bestes Ergebnis seit fast drei Jahrzehnten

von Hans-Joachim Wünsche

KREIS HILDESHEIM. Keine zehn Jahre ist es her, da war Meister Adebar ein ziemlich seltener Gast in der Region. Nun entwickelt sich vor allem das Leinetal zur Kinderstube für Weißstörche. Zwischen  Brüggen und Ruthe ziehen vier Brutpaare ihren Nachwuchs auf. Der ist dieses Mal so zahlreich wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 13 Jungstörche sind im Frühjahr in den Horsten geschlüpft – alle sind durchgekommen und schon putzmunter.

Im Brüggener Horst warten die drei Jungstörche ständig auf Nahrung. Ihre Eltern sind pausenlos im Einsatz, um den hungrigen Nachwuchs sattzukriegen.

Im Brüggener Horst warten die drei Jungstörche ständig auf Nahrung. Ihre Eltern sind pausenlos im Einsatz, um den hungrigen Nachwuchs sattzukriegen. Foto Stumpe

Nach ersten missglückten Brutversuchen in der Gronauer Masch, in Ruthe, bei Hoheneggelsen und in Henneckenrode geht es im Landkreis mit den Geburtszahlen von Jahr zu Jahr bergauf. 2003 brachte erstmals seit 28 Jahren ein Storchenpaar bei Hoheneggelsen ein Junges zur Welt, im dritten Anlauf kam es dann 2010 auch in der Leineniederung bei Gronau zu einem Happyend im Storchennest. Danach setzte unter den Weißstörchen in der Region ein regelrechter Babyboom ein. 2015 waren schon acht Storchen-Junge geschlüpft. Und die 13 Jungtiere in dieser Brutsaison sind das beste Ergebnis seit den 1970er-Jahren. Wobei sich der Boom nur auf das Leinetal beschränkt. Die Horste bei Hoheneggelsen und in Henneckenrode blieben dieses Mal unbesetzt.

Die Rückkehr des Weißstorchs in den Landkreis ist hauptsächlich den Bemühungen von Naturschutzverbänden zu verdanken, allen voran der Paul-Feindt- Stiftung. Die hat in der Vergangenheit zum Beispiel in der Leineniederung zwischen Brüggen und Burgstemmen in großem Stil Äcker und Wiesen aufgekauft und sie der Natur überlassen. Auf den ehemals landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen fanden Vögel wie der Weißstorch bald wieder komfortable Lebensräume. Wenn das Umland schön grün ist, sich wilde Wiesen und Weiden mit einem Gewässer abwechseln, sind das nahezu perfekte Bedingungen. Ein intaktes Ökosystem bietet den großen Vögeln ausreichend Nahrung: Mäuse, Maulwürfe, Frösche, Eidechsen, dazu noch Regenwürmer und Insekten.

Davon brauchen die Tiere auch jede Menge. Ein Jungstorch benötigt gut ein Kilogramm Nahrung täglich, sagt Manfred Weinhold. Der Gronauer beobachtet und erfasst die Weißstorchpopulation in der Region seit vielen Jahren. Zur Hauptspeise der Weißstörche zählen Feldmäuse. Um die 20 Mäuse pro Jungtier müssen die Eltern jeden Tag in den Horst schaffen. Was für die Altstörche in Ruthe bedeutet, dass sie ihre vier Zöglinge fast pausenlos mit Nachschub versorgen müssen, damit sie bald das Nest verlassen und selbst auf Nahrungssuche gehen können. Das wird in Kürze der Fall sein. Inzwischen sind die 13 Jungstörche schon so kräftig, dass sie aus dem Gröbsten heraus sind. Weinhold sieht gute Chancen, dass der gesamte Nachwuchs dieses Jahres durchkommt und dann

Anfang August zur ersten Reise ins Winterquartier in wärmere Gefilde aufbrechen wird. In diesem Frühjahr waren die Wetterbedingungen für die Nestlinge besser als in den Vorjahren. 2013 und 2014 waren mehrere Jungtiere verendet, weil schwere Regenstürme über die Horste hinweggefegt waren. Nach den aktuellen Bruterfolgenhegt Weinhold die Hoffnung, dass die hiesigen Weißstörche im kommenden Jahr noch einen draufsetzen und auch wieder die Horste bei Hoheneggelsen und Henneckenrode besetzen.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung