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Aus der HAZ Sarstedt vom 11. Juli 2016

Austernfischer brüten in der Nähe des Gymnasiums / Vielleicht sind sie von Clauen nach Sarstedt umgezogen

SARSTEDT. Eigenartige Vögel gibt es derzeit rund um das Gymnasium in Sarst
edt zu beobachten. Gemeint sind nicht etwa Schüler oder Lehrer, vielmehr hat es Austernfischer dorthin verschlagen. Eine Vogelart, die eher für die Nordseeküste typisch ist. Es kann aber auch sein, dass die Fremdlinge aus Clauen zugezogen sind. Austernfischer im Binnenland, das ist für Alistair Hill keine Sensation, allerdings schon außergewöhnlich. Der Vorsitzende des Ornithologischen Vereins beobachtet seit einigen Jahren vereinzeltes Auftreten der Austernfischer in der Region. Zwar sind die Vögel als Zugvögel häufig unterwegs, manche reisen sogar bis nach Marokko, um dem Winter zu entkommen, aber Brüten im Binnenland gehört zu den Ausnahmen.

Austernfischer setzen ihre Eier nämlich gerne in den Sand, oder vielmehr in flache Kiesflächen, wie man sie an Muschelbänken an den Meeresküsten findet. Aber auch bei Sarstedt, denn die hiesigen Kiesabbaugebiete scheinen die Vögel anzuziehen. „Auf den größeren Kiesflächen sind Eier und Jungvögel zumindest sicher vor Katzen“, beobachtet Hill, „leider aber nicht vor Krähen.“ Nach seiner Angaben werden Austernfischer immer wieder mal im Hildesheimer Raum gesichtet. Auch im Umfeld Hannovers kann man sie entdecken. In Hildesheim haben sie in früheren Jahren am Flugplatz sowie an den Teichen der Clauener Zuckerfabrik gebrütet. Hill: „In diesem Jahr sind sie in Clauen nicht als Brutvögel aufgetreten.“ Es könne durchaus sein, dass sie nach Sarstedt umgezogen seien, wo es ebenfalls ideale Brutgebiete gibt. Weltweit gibt es im Übrigen das Phänomen, dass einzelne Unterarten der Austernfischer im Binnenland brüten, zum Beispiel auf der russischen Halbinsel Kamtschatka – ganz im Osten, nordöstlich von Wladiwostok. In Mitteleuropa sind die Austernfischer rund um den Kontinent an den Meeresküsten verbreitet, in Deutschland also an der Nordsee. Seit jeher verschlägt es aber einzelne Vögel ins Binnenland, das sie entlang der Flüsse Elbe, Weser und Ems erkunden und offenbar zur Brut nutzen. Allerdings zieht es die Jungvögel, kaum flügge geworden, wieder an die See.

Dass es Austernfischer in Sarstedt gibt, hat der Ornithologische Verein bereits aus dem Gymnasium erfahren. Verwechseln kann man den Seevogel kaum mit anderen Arten, denn der lange rote Schnabel und die roten Beine und Augen sind sehr typisch. Noch nicht geschlechtsreife Jungvögel haben diese Farben noch nicht. Austernfischer ernähren sich am Meer gerne von Muscheln und Austern, die in Sarstedt eher selten zu finden sind. Geht das denn gut? Hill: „Es scheint so, als ob ein Teil der Vögel sich umgestellt hat.“ Diese knacken dann nicht mehr Austern, sondern verputzen Regenwürmer und Insekten, die im Übrigen ja auch wesentlich schneller zu erbeuten sind als ausgerechnet Austern.

Austernfischer-Manold

Vom Meer nach Sarstedt: Der Austernfischer brütet in der Nähe des Gymnasiums. Foto: Marold

von Peter Hartmann © Hildesheimer Allgemeine Zeitung