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Neues vom DDA 25.08.2016

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© BzV

Zur Dokumentation des Artenrückgangs, als Alarmsignal für den Zustand von Natur und Landschaft insgesamt, sind Rote Listen ein unverzichtbares Instrument: Sie sind in ihrer Aussage leicht verständlich, für jedermann einsehbar und fachlich akzeptiert. Seit nunmehr 45 Jahren gibt es in Deutschland die Rote Liste der Vögel, eine lange Zeitreihe in der kurzen Naturschutzgeschichte unseres Landes und somit eine wirkliche Erfolgsgeschichte aus dem Werkzeugset des Naturschutzes. 
Das aus Vertretern des Deutschen Rat für Vogelschutz e. V., der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft e. V., des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten e. V., der Arbeitsgemeinschaft der Vogelwarten und des Bundesamtes für Naturschutz bestehende „Nationale Gremium Rote Liste Vögel“ hat nun die 5. Fassung der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands erarbeitet und in der aktuellen Ausgabe der Berichte zum Vogelschutz veröffentlicht.

Dank eines detaillierten Kriterienschemas werden Veränderungen der Gefährdungssituation im Vergleich zur bisherigen Roten Liste aus dem Jahr 2007 besonders deutlich. Bestandsgröße, kurzfristiger (25-Jahre) und langfristiger (50¬150 Jahre) Bestandstrend sind die wichtigsten Kriterien zur Gefährdungseinstufung der Arten. Zusätzlich wurde jeweils die Wirksamkeit von Risikofaktoren artspezifisch identifiziert und berücksichtigt.

248 einheimische Vogelarten brüteten 2005 bis 2009 regelmäßig in Deutschland und wurden der Gefährdungsanalyse unterzogen. 13 weitere Arten sind bereits ausgestorben oder verschollen und wurden direkt in die Kategorie 0B übernommen. Zusammen mit den ausgestorbenen oder verschollenen Arten sind derzeit 118 Arten (45 %) gefährdet. 18 Arten (7 %) wurden in die Vorwarnliste aufgenommen. Im Vergleich zur 4. Fassung der Roten Liste mussten 24 Arten in höhere Gefährdungskategorien eingestuft werden, während 21 Arten herabgestuft werden konnten. Damit fällt die Bilanz der neuen Roten Liste negativ aus. Erfreulich ist, dass sich die Zahl der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten um 6 Arten leicht verringert hat. Alarmierend ist jedoch, dass sich die Zahl der als gefährdet geltenden Arten von 14 auf 27 Arten nahezu verdoppelt hat, während die Zahl ungefährdeter Arten, wie auch die der Vorwarnliste zurückgegangen ist.

Nach wie vor ist die Situation für im Offenland brütende Arten am besorgniserregendsten. Nahezu drei Viertel (74 %) der dieser Gilde zuzurechnenden Arten gelten als ausgestorben oder gefährdet, zusammen mit der Vorwarnliste sind es sogar 87 %. Bei einigen Arten hat sich die Situation dramatisch verschlechtert, darunter Wiesenpieper, Braunkehlchen und Wachtel.

Diese Rote Liste stellt erneut ein kritisches Zeugnis über den Zustand der deutschen Vogelwelt aus. Es bedarf jetzt verstärkter Anstrengungen im gezielten Vogelartenschutz, aber auch in einer Anpassung der Landnutzungssysteme, Landwirtschaft und Forst, um den Rückgang der Vogeldiversität zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.

Die neue Rote Liste der Brutvögel Deutschlands ist in Band 52 der Berichte zum Vogelschutz erschienen und kann hier bestellt werden.

Weitere Informationen

  • Grüneberg, C., H.-G. Bauer, H. Haupt, O. Hüppop, T. Ryslavy & P. Südbeck 2015: Rote Liste der Brutvögel Deutschlands. 5. Fassung, 30. November 2015. Ber. Vogelschutz 52: 19-67. Bestellen