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Aus der HAZ vom 8. Okt. 2016

Foto Ziehende Kraniche © OVH/A.Hill

Foto Ziehende Kraniche © OVH/A.Hill

 „Jetzt ist aber wirklich  Herbst“ – es gibt viele Anlässe, warum Menschen dieser Tage im Gespräch diesen Satz fallenlassen. Wenn sie morgens aus der Tür kommen und ganz erschrocken wieder zurückeilen, um einen dickeren Mantel zu holen, etwa. Oder wenn das Laub am Straßenrand hörbar raschelt, weil es eben nicht mehr nur vereinzelte gelbe Blätter sind, die dort liegen. Oder eben, wenn sie einen lange nicht gehörten Laut von irgendwo über sich vernehmen und dann instinktiv den Himmel absuchen. Denn: Das war doch ein Kranich? Und dazu kam es an den vergangenen beiden Tagen im Landkreis Hildesheim immer wieder.Jetzt ziehen sie wieder, die gefiederten Herbstboten. Offenbar felsenfest überzeugt davon, dass es nicht mehr großartig wärmer wird, machen sie sich in Schwärmen auf in ihre Winterquartiere rund ums Mittelmeer. Zwei große Routen gibt es in Europa: Aus Finnland ziehen Kraniche übers Baltikum, Polen und den Balkan in Richtung Ägypten, Libyen und Tunesien. Im Westen ziehen Vögel, die in Schweden, Norwegen, Dänemark oder auch Norddeutschland gebrütet haben, in Richtung Südfrankreich, Spanien und in seltenen Fällen auch nach Marokko. Die Vögel fliegen oft viele hundert Kilometer pro Tag und überwinden Entfernungen von insgesamt mehreren tausend Kilometern auf dem Weg in ihre Winterquartiere und zurück. Wobei sie es im Herbst deutlich weniger eilig haben als bei de Rückkehr im Frühjahr. Mitunter rasten sie wochenlang und sind dabei äußerst konservativ: Meist steuern sie immer wieder die gleichen Plätze an. Die Region um Hildesheim liegt dabei am südlichen Rand der Brut- und Rastgebiete von Kranichen. Deshalb sind es vor allem die Zugphasen, in denen Ornithologen aufmerken. Denn der Kranichzug, die berühmte Pfeilformation, ist schon ein Naturschauspiel für sich, die majestätisch dahinschwebenden Tiere schon aufgrund ihrer Größe gut zu beobachten. Zumal, wenn man gut hinhört: Der durchdringende Ruf des Kranichs ist bei günstiger Witterung schon zu hören, wenn der Rufer noch einige Kilometer entfernt ist. Dennoch wird er gern mit fliegenden Bläß-, Grau- oder Saatgänsen verwechselt. „Im Flug kann man den Kranich von allen anderen Vögeln dadurch unterscheiden, dass die Beine nach hinten über das Schwanzgefieder hinausragen“, sagt Alistair Hill vom Ornithologischen Verein Hildesheim. Außerdem seien ihre Flügelspitzen runder als die von Gänsen. Kraniche wurden gestern und vorgestern unter anderem über Giften, Bodenburg und Groß Düngen gesichtet, Hill selbst konnte aus eigener Anschauung von Bläßgänsen über dem Bockfeld berichten. Der Ornithologische Verein bittet die Bevölkerung um Unterstützung bei der Zählung der durchziehenden Tiere. Wer welche beobachtet hat, kann sich unter Telefon 05121/6966529 oder per E-Mail an info@ovh-online.de melden. Wichtig sind dabei laut Hill neben Zahl der Tiere, Flugrichtung sowie Namen und Telefonnummer des Anrufers für eventuelle Rückfragen und exakte Orts- und Zeitangaben. „Damit wir feststellen können, ob ein Schwarm mehrmals gemeldet wurde  oder ob es sich um unterschiedliche Gruppen handelt“, erklärt Vogelkundler Hill. Von Tarek Abu Ajameh © Hildesheimer Allgemeine Zeitung