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Neues vom DDA am 20. Feb 2017

Zugwege junger Kuckucke von Skandinavien in den Winterquartieren

Mehr als 100 Wirtsvogelarten sind vom Brutparasiten Kuckuck bekannt. Über das Zugverhalten der Jungvögel wusste man bislang hingegen wenig.
Die Bestände von Zugvogelarten gehen in vielen Teilen der Welt stark zurück. Ein solcher Bestandseinbruch wurde auch beim Kuckuck in Großbritannien registriert. Die Ergebnisse einer 2016 veröffentlichten Telemetriestudie mit adulten Kuckucken ergab, dass die Bestandsrückgänge offenbar mit der gewählten Zugroute zusammenhängen (siehe DDA-News vom 20.7.2016). Die Mortalitätsrate während des Zuges bis zur Überwindung der Sahara war bei den Westziehern signifikant höher als bei nach Südosten über Italien oder den Balkan ziehenden Vögeln. Die Kenntnis der Variabilität im Zugverhalten einzelner Arten ist wichtig, um die Gründe für Populationsrückgänge bei Zugvogelarten erkennen und Schutzmaßnahmen ergreifen zu können.
Um ihren herbstlichen Zug in die Winterquartiere genauer zu verfolgen und mögliche Unterschiede im Zugverhalten von Jung- und Altvögeln herauszufinden, wurden in einer weiteren Studie in Finnland in den Jahren 2013 und 2014 sowohl adulte als auch nicht-flügge Kuckucke mit GPS-Transmittern besendert. Die Ergebnisse wurden nun in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Es zeigte sich, dass die jungen Kuckucke später, weniger schnell und weniger klar gerichtet von den Brutplätzen abzogen als die Altvögel. Während letztere nach Südost flogen, schlugen die diesjährigen Kuckucke eher eine südwestliche Richtung ein und überwanden dabei erstaunlich lange Strecken über die Ostsee. Nachdem sie Polen erreicht hatten, änderten die Vögel Richtung und Tempo. Von dort ging es zügig nach Süden direkt in Richtung der Überwinterungsgebiete in Südwest-Afrika. Insgesamt wurden dieselben Gebiete südlich der Sahara aufgesucht, die Altvögel erreichten diese jedoch auf östlicheren Routen als die Jungvögel. Die Dauer des Wegzuges unterschied sich nicht und lag bei 131 ± 22 Tagen.

Sowohl die Zugroute als auch der zeitliche Ablauf des Zuges unterschied sich also zwischen Jung- und Altvögeln. Auch wenn man dies bei dieser parasitären Art vermuten konnte, wurde damit erstmals der Beweis erbracht, dass junge Kuckucke ihre Winterquartiere unabhängig und ohne Leitung erfahrener Individuen erreichen, allein mithilfe ihres angeborenen Zugverhaltens.

Seit Mitte der 1990er Jahre gehen auch in Deutschland die Bestände des Kuckucks stetig zurück. Informationen zu Verbreitung und Bestandsentwicklung des Kuckucks und aller weiteren 279 Brutvogelarten Deutschlands werden im Atlas Deutscher Brutvogelarten präsentiert.

© Thomas Hinsche DDA

Weitere Informationen
 Vega et al. 2016: First-time migration in juvenile Common Cuckoos documented by satellite tracking. PLoS ONE 11(12): e0168940. doi:10.1371/journal.pone.0168940