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Kolkraben haben erstaunliche kognitive Fähigkeiten beim Umgang mit Artgenossen; diese sind durchaus vergleichbar mit vielen Affenarten, bei denen die Entstehung ihrer sozialen Intelligenz mit ihrem Gruppenleben in Zusammenhang gebracht wird. In einer internationalen Zusammenarbeit hat ein Forscherteam der Universität Wien nun erstmalig das Gruppenleben nicht-brütender Kolkraben genauer untersucht, um die Evolution der Intelligenz von Kolkraben besser zu verstehen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht. Mehrere aktuelle Studien haben gezeigt, dass Raben zu den intelligentesten Vogelarten bzw. Tierarten überhaupt gehören. Aber welche Faktoren beeinflussen die Evolution von Intelligenz? Gemäß einer gängigen Hypothese fördert das Leben in sozialen Gruppen die Evolution eines leistungsfähigeren Gehirns. Dies gilt vor allem dann, wenn Individuen davon profitieren, sich die Identität anderer und Interaktionen mit diesen zu merken. Dieses Wissen können Tiere nutzen, um Konflikten mit dominanten Artgenossen auszuweichen oder Allianzen zu bilden, die den Zugang zu Ressourcen erleichtern.

Die Wissenschaftler in Österreich sowie Kollegen aus Frankreich statteten 30 Kolkraben für einige Monate bis Jahre mit GPS-Sendern aus, die stündlich die Position der Tiere übermittelten. Photovoltaikzellen erzeugten die nötige Energie und die Daten wurden über das Mobilfunknetz versendet. Seit etwa vier Jahren können die Forscher so die Flugbewegungen über bis zu 160 Kilometer am Tag beobachten. Zusätzlich markierten sie 332 Kolkraben individuell in Österreich und Italien mit Farbringen und Flügelmarken, um deren Anwesenheitsmuster in zwei Studiengebieten über diese Zeit zu dokumentieren.

Das Fazit der Biologen: Während einige Nichtbrüter sich in relativ kleinen Gebieten aufhalten, durchstreifen andere pro Jahr tausende Quadratkilometer. Dennoch treffen viele Individuen wiederholt bei reichhaltigen Nahrungsquellen (z.B. Mülldeponien, Kompostieranlagen) und gemeinsamen Schlafplätzen aufeinander.

Die Ähnlichkeit zur menschlichen Gesellschaft ist verblüffend: Manche verbringen lieber ihr Leben in gewohnter Umgebung an einer Stelle, andere hingegen genießen häufiges Reisen und Umziehen. Bei Kolkraben ist es offenbar vergleichbar. Versammeln sich Kolkraben, kann es einerseits zur Entstehung von Freundschaften kommen, andererseits aber auch oft zu heftigen, aggressiven Auseinandersetzungen.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Kombination der beiden Faktoren – also Freundschaften bei Nichtbrütern und das Zusammenleben in derartig dynamischen sozialen Gruppen – die Intelligenz der Raben im Lauf der Evolution gefördert haben dürfte.

Quelle: Pressemitteilung Universität Wien, 23.3.2017
© Matthias-Claudio Loretto
Weitere Informationen:
Loretto et al. 2017: Fission-fusion dynamics over large distances in raven non-breeders. Scientific Reports 7. DOI: 10.1038/s41598-017-00404-4