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Neues vom Dachverband Deutscher Avifaunisten 02.05.2017

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Der Schwarzstorch gehört zu den Arten mit besonders hohem Konfliktpotenzial zwischen Brutlebensraum und Windkraftnutzung.
© Hans Glader

Auswirkungen von Windenergieanlagen (WEA) auf Vögel wurden in den vergangenen Jahren in vielfältiger Weise untersucht. Großflächige Untersuchungen zu den möglichen Auswirkungen des bereits realisierten Ausbaustands des Windenergiesektors auf windkraftsensitive Arten fehlen jedoch bislang weitgehend. Im Rahmen einer Studie hat sich der DDA nun mit der Überlagerung der Brutzeithabitate ausgewählter Vogelarten mit Risiken, die von der Windkraftnutzung ausgehen, beschäftigt.
Um die von WEA ausgehenden Risiken für Vögel abzuschwächen, wurden in Deutschland durch die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelwarten (LAG VSW) Abstandsempfehlungen für WEA zu bedeutenden Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter, windkraftsensitiver Vogelarten definiert. Diese Abstandsempfehlungen wurden genutzt, um basierend auf dem aktuellen Ausbaustand der Windenergienutzung die Überlagerung von Brutzeitlebensräumen mit windkraftinduzierten Risiken als auch die potenziell beeinflussten Populationsanteile windkraftsensitiver Arten abzuschätzen.

Die Untersuchung basiert auf Verbreitungs- und Häufigkeitsinformationen des aktuellen Atlas Deutscher Brutvogelarten (ADEBAR), Landnutzungsinformationen der Corine Land Cover Datenbank sowie Standortdaten zu im Betrieb befindlichen onshore WEA in Deutschland. WEA-Standorte in Gebieten mit Brutvorkommen windkraftsensitiver Arten wurden mit den artspezifischen Abstandsempfehlungen gepuffert und so die Überlappung mit potenziellen Brutzeitlebensräumen, die durch ihre Zugehörigkeit zu bestimmten Landnutzungsklassen identifiziert wurden, berechnet.

Die Ergebnisse zeigen für die verschiedenen als windkraftsensitiv eingestufte Arten eine erhebliche Überlappung zwischen Brutzeitlebensräumen und Bereichen, in denen potenziell windkraftinduzierte Risiken auf diese Vogelarten einwirken. Insbesondere die Gruppe der Offenlandarten scheint vergleichsweise stark betroffen. Das identifizierte Habitatstörungspotenzial liegt hier regelmäßig bei Werten zwischen 9 und 13 % des Brutzeitlebensraums. Für einzelne Arten, oft mit nur kleinräumiger Verbreitung in Deutschland, werden darüber hinaus aber auch erheblich höhere Werte von bis zu 55 % des Brutzeithabitats im Einflussbereich von WEA erreicht. Für die meisten untersuchten Arten waren die Werte zur möglichen prozentualen Habitatstörung bzw. -beeinflussung und Schätzungen der durch WEA beeinflussten Populationsanteile recht ähnlich. Eine Validierung der angewandten Methode war zudem durch die Ergebnisse einer bundesweiten Rotmilankartierung 2011/12 möglich. Die Pufferung der in diesem Rahmen zusammengetragenen Neststandorte mit der artspezifischen Abstandsempfehlung erzielte im Hinblick auf das identifizierte Beeinflussungspotenzial eine gute Übereinstimmung mit den Ergebnissen die auf der Pufferung des WEA-Standorte basierten. Demnach scheint sich das räumliche Beeinflussungspotenzial von WEA auf Vogellebensräume auch ohne Brutplatzdaten, die zumeist nicht flächig vorliegen, recht gut abschätzen zu lassen.

Die kürzlich in der Zeitschrift „Die Vogelwelt“ veröffentlichten Ergebnisse der DDA-Studie können Sie sich auf der Homepage des Magazins kostenlos als PDF herunterladen.

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