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Aus der HAZ vom 4. Mai 2017: Ornithologen beobachten drei der majestätischen Greifvögel im Leinetal

Hildesheim. Vor einigen Wochen wurde an den Giftener Seen ein Seeadler gesichtet – das war offenbar mehr als eine Stippvisite. Mindestens drei der majestätischen Greifvögel sind regelmäßig in der Region zwischen Hannover und Hildesheim unterwegs, vor allem im Leinetal. Ob einer oder mehrere dort auch nisten, ist noch unklar. „Wir wissen es wirklich nicht“, sagt Alistair Hill vom Ornithologischen Verein Hildesheim. Was nicht ist, kann indes noch werden. „Wenn sie einen Horst bauen, wird es nicht lange geheim bleiben“, glaubt der Vogel-Experte. „Seeadler geben sich keine Mühe, ihre Brutplätze zu verstecken.“ Genug Nahrung könnten die Großvögel in der Region jedenfalls finden. Wurden sich Seeadler tatsächlich hier niederlassen, wäre das für viele Landwirte eine gute Nachricht – für Windpark-Betreiber hingegen eher schlecht.Wie berichtet hatten Spaziergänger einen hoch über den Giftener Seen dahingleitenden Seeadler vor einigen Wochen beobachtet. Seither wurde er über den dortigen Kiesteichen nahe der ICE Trasse mehrmals wieder beobachtet. Der Sarstedter Ornithologe Dieter Goy hatte vermutet, dass die Tiere vom Steinhuder Meer kommen und auf ihren Streifzügen auch mal an den Giftener Seen jagen. Es sei allerdings auch nicht ganz auszuschließen, dass sie sich dauerhaft in der Region ansiedeln wollten.

Genug Futter könnte ein Seeadler-Paar vorfinden, darin sind sich Goy und Hill einig. „Sie brauchen große Seen, aber wenn man die Flächen der ganzen Seen entlang der Leine bei Sarstedt zusammenrechnet, wurde das reichen“, meint Goy. Und Hill betont: In der Aufzucht brauchen sie pro Jungtier 600 Gramm Nahrung am Tag, dazu Futter für sich selbst – aber das wäre hier möglich.“ „Hier“ ist dabei ein dehnbarer Begriff. Bislang haben Ornithologen Seeadler am Giftener See, in der Gronauer Masch und auch in der Hildesheimer Börde gesichtet, vor allem aber im ebenfalls seereichen Naturschutzgebiet zwischen Ruthe und Koldin gen, wo sie schon jetzt dafür sorgen sollen, dass die Zahl der Kormorane nicht überhandnimmt. Der Adler ist deren einziger Fressfeind. Auch auf Graugänse hat es der Seeadler abgesehen – was viele Landwirte freuen durfte, die sich über Gänseschwärme beklagen, die ihnen die Felder kahlfressen (diese Zeitung berichtete). „Zwei Seeadler-Paare, und man bräuchte keine Schießgenehmigungen mehr für Graugänse und Kormorane“, glaubt Hill. „Die wurden das allein regeln.“

Wer hingegen Windräder bauen oder Land für Windparks verpachten will, dürfte den Seeadler eher sorgenvoll beobachten. Denn der ist noch schärfer geschützt als der Rotmilan – und selbst dieser kann mit einem einzigen Horst ganze Windpark-Projekte ins Wanken bringen wie zwischen Gronau und Elze. Für Seeadler gilt das erst recht, zumal die Kollision von Windkraft-Rotoren neben der Bleivergiftung die häufigste Todesursache von Seeadlern in Deutschland ist.

Als Brutplätze bevorzugen Seeadler hohe Standorte, die sie von mehreren Seiten aus gut anfliegen können. „Das kann auch eine Pappel in der Feldmark sein“, sagt Alistair Hill. Auf jeden Fall braucht das Adlervolk Raum. Die Zahl der Brutpaare in Deutschland steigt seit Anfang der 1990er-Jahre stetig, entsprechend erschließen sich die Adler neue Gebiete – vergleichbar mit Luchs, Wildkatze oder Biber, die als ehemals einheimische Arten im Raum Hildesheim nach Jahrzehnten, teilweise Jahrhunderten wieder Lebensräume finden.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung