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Immer wieder werfen Hildesheimer der Stadt vor, zu viele Bäume zu fällen / Kommune weist Vorwürfe zurück

Von Rebecca Hürter

Hildesheim. Die Menschen wollen Schränke aus gesundem Holz haben, meint Förster Michael Eikemeier. Trotzdem ist der Aufschrei jedes Mal groß, wenn in der Stadt oder im Landkreis Bäume fallen. Vor allem den Einsatz der Mitarbeiter des zuständigen Forstamtes Liebenburg am Steinberg kritisieren manche Hildesheimer immer wieder: „Es sieht so aus, als hätte dort der Dreißigjährige Krieg stattgefunden“, behauptete Eberhard Johl von der Initiative Baumschutz beispielsweise schon 2014 gegenüber dieser Zeitung. Doch die Baumfällarbeiten in den Wäldern der Stadt – insgesamt rund 700 Hektar – finden kein Ende.

Auf den Lichtungen ist Platz für kleine Pflanzen: Michael Eikemeier zeigt die nachwachsenden Ahornbäume. FOTO: HÜRTER

Jetzt hat auch das Fernsehmagazin Panorama über die Situation am Steinberg berichtet: Die Kommune würde mit dem „Kahlschlag“ ihre Kassen füllen, so die These. Doch diesen Vorwurf weisen Eikemeier und Heinz Habenicht, Fachbereichsleiter Tiefbau und Grün im Rathaus, zurück. „Alles, was mit dem Wald zusammenhängt, wird durch den Wald finanziert“, betont Habenicht. Die Einnahmen gingen an keine anderen Bereiche. Etwa 290 000 Euro werden nach Angaben von Stadtsprecher Helge Miethe jährlich durch die Holzernte eingenommen. Das Geld fließe unter anderem in die Unterhaltung des Waldbestandes und der Wege und in Neupflanzungen. Ein Teil unterstütze das Wildgatter. 55 000 Euro zahlt die Stadt zudem jährlich an die Niedersächsische Landesforsten.

Die Entscheidung, wie viele Bäume gefällt werden, liegt nicht bei der Stadt allein: Im „Arbeitskreis Stadtwald Hildesheim“ sprechen Vertreter der politischen Parteien, der Verwaltung und der Naturschutzverbände über die Zukunft der Wälder. Habenicht und Eikemeier geben einige Gründe für die Fällungen an: „Es wäre fahrlässig vom Waldeigentümer, keine Bäume zu fällen – gerade weil es ein Erholungswald ist“, betont Eikemeier. Bei vielen der gefällten Bäume bestehe die Gefahr, dass sie auf die Wege kippen und Spaziergänger gefährden. Auch einige gesunde Bäume fallen der Kettensäge zum Opfer. „Wir wollen den Wald möglichst lange erhalten“, begründet Habenicht. Die Bäume in einem Wald werden Eikemeier zufolge etwa 100 bis 150 Jahre alt: Wenn keine Bäume weichen würden, bleibe nicht genug Platz für die neuen. Das Ziel sei es jedoch, für verschiedene Generationen von Pflanzen Platz zu schaffen.

Einige dicke Bäume sind mit  Kreuzen markiert: Diese werden auf keinen Fall gefällt. Etwa 20 verschiedene Arten von Nadel- und Laubbäumen wachsen zurzeit in dem 100 Hektar großen Wald am Steinberg. Habenicht zufolge dient die Bewirtschaftung auch dazu, diese Artenvielfalt in den nächsten Jahrhunderten zu erhalten: „Wenn nicht eingegriffen wird, gäbe es irgendwann einen einförmigen Buchenwald“. Das liege daran, dass Buchen in der Region Hildesheim am besten wachsen. Künftig sollen sich fünf Prozent der Stadtwal dfläche ungestört zu einem Naturwald entwickeln. Das ist das Ergebnis des Arbeitskreises, den der Rat 2014 als Reaktion auf ein Positionspapier der Naturschützer von BUND, NABU, Greenpeace und dem Ornithologischem Verein eingesetzt hatte. Die zentrale Erkenntnis war damals: Die Ansprüche an die Waldnutzung hätten sich geändert. Die wichtigsten Funktionen eines Stadtwaldes seien Naherholung, Natur und Klimaschutz.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung