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Aus der HAZ vom 30.11.2017

Maren Burgdorf und Matthias Köhler achten im Ausschuss für Stadt-Entwicklung darauf, dass die Umwelt nicht unter die Räder kommt. Was treibt sie an?

Von Wiebke Barth

Sie sind die mahnenden Stimmen für die Interessen von Feldhamster und Kammmolch, Fledermaus und Nachtigall, sie sind so etwas wie die Anwälte der Natur in der Politik: Seit Jahrzehnten begleiten Maren Burgdorf vom OVH (Ornithologischer Verein zu Hildesheim) und Matthias Köhler vom BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) als sachverständige Vertreter ihrer Vereine den Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Verkehr (Steba) – ehrenamtlich, sie erhalten dafür nicht einmal Sitzungsgeld.

Maren Burgdorf

Mathias Köhler

 

Im Ausschuss haben sie zwar kein Stimmrecht, aber Rede- und Fragerecht. Und davon machen sie auch Gebrauch, wann immer es die Natur in der Stadt zu schützen gilt. Denn letztlich, erklärt Matthias Köhler, gehe es ja gar nicht um Orchidee, Specht oder Rotschwänzchen: „Letzten Endes machen wir es für den Menschen.“

Aktuell haben sich Burgdorf als Vorstandsmitglied im OVH und Köhler als Kreisgruppenvorsitzen- der des BUND mit dem örtlichen NABU (Naturschutzbund Deutschland) zusammengetan, um gegen eine Gesetzesänderung anzugehen: Paragraphen 13 a und b des Baugesetzbuches haben die Anwendung des beschleunigten Verfahrens bei Baugebieten erweitert, sodass unter bestimmten Voraussetzungen auf Ausgleichsmaßnahmen verzichtet werden kann. Die Bauleitplanung soll dadurch schneller und kostengünstiger werden.

„Uns macht das richtig Bauch- schmerzen“, sagt Maren Burgdorf. „Das geht gar nicht“, meint auch Matthias Köhler. „Wenn man der Natur etwas wegnimmt, dann muss man auch etwas zurückgeben“, finden die Umweltschützer.

Der Paragraph 13b soll beim Baugebiet „Großer Kamp“, der ehemaligen Kleingartenanlage „Goldene Perle“, angewendet werden. Und auch beim „Bernwardshof“ in Himmelsthür könnte es zum Verzicht auf einen Ausgleich kommen.

Die Stadt will am Großen Kamp an der Robert-Bosch-Straße ein Baugebiet entstehen lassen – die Verwaltung wollte dabei auf einen Umweltausgleich verzichten. „Das geht gar nicht“, findet Matthias Köhler. Foto Goßmann

In einem gemeinsamen Schreiben an den Steba haben die drei Umweltschutzorganisationen für Ausgleichsmaßnahmen wie beispielsweise die Umwandlung von Ackerflächen in Grünland plädiert. Denn das biete Pflanzen und Tieren Lebensraum, sei ein Gewinn für die Naherholung und könne an der Domäne Marienburg sogar den Hochwasserschutz verbessern.

Eines der ersten heiß umkämpften Themen, mit denen Matthias Köhler Mitte der 1990er Jahre beim BUND in Hildesheim konfrontiert wurde, war der Bau der Nordumgehung. Der sei zwar zunächst abgewendet worden, aber noch nicht endgültig vom Tisch, so Köhler. Seine Meinung damals wie heute: Es „wäre ein Schildbürgerstreich, das Naturschutzgebiet durch eine mehrspurige Straße vom Ortsteil Himmelsthür abzutrennen.“

Der Konflikt zwischen Verkehr und Umwelt blieb seither in der Stadtpolitik ständig aktuell. Der 2010 beschlossene Integrierte Verkehrsentwicklungsplan (IVEP) habe Hoffnungen geweckt, die Maß- nahmen seien dann aber nicht um- gesetzt worden, bedauert Köhler.

Dabei könnte Tempo 30 in der Innenstadt seiner Meinung nach den Durchgangsverkehr und damit die Stickoxidbelastung reduzieren und das Radfahren attraktiver machen. „Wir haben eine starke Autofahrerfraktion im Rat“, sagt er. Dennoch glaube er daran, dass ein Umdenken bevorstehe.

Nicht allen Ratspolitikern liege zwar die Natur gleichermaßen am Herzen, meint Maren Burgdorf, „aber alle investierten Mühe und Zeit für ihre Ziele. Ich bewundere das. Alle müssen Kompromisse eingehen. Das muss ich auch.“ Schon seit der neu gewählte Rat 1986 beschloss, Vertreter von OVH und BUND im Umweltausschuss hinzuzuziehen, ist Maren Burgdorf dabei. So ist es nach jeder Wahl geblieben, auch als der Umweltausschuss mit dem Stadtentwicklungsausschuss zusammengelegt wurde: „Ich gehöre zum Inventar.“

Die erzielten Erfolge motivieren sie zum Weitermachen. Als zum Beispiel der letzte historische Garten an der Stadtmauer nahe der Kleinen Venedig mit Stadtvillen bebaut wer- den sollte, setzte sie sich für den Er- halt ein – und es gelang.

Überhaupt liegt ihr das Stadt-grün und hier besonders das Grün an den Wallanlagen am Herzen: „Das ist mein Lieblingsgebiet.“ Den städtischen Grünanlagen komme große Bedeutung zu, auch den Friedhöfen oder privaten Gärten, so Köhler. Traurig sei es da, wenn Vorgärten in Parkplätze verwandelt, Beete mit Kies bedeckt würden.

Aber auch wenn der Naturschutz oft zurückstehen muss, es gibt eben auch Erfolge. Nach zwei Jahren gemeinsamer Bemühungen mit der Politik im Arbeitskreis sollen nun fünf Prozent der städtischen Wälder aus der Bewirtschaftung genommen, der Eicheneinschlag im Hildesheimer Wald wenigstens in Teilen eingeschränkt werden, erläutert Köhler: „Das ist doch schon was.“

Verbitterung ist den beiden Naturschützern fremd. „Es gibt oft Rückschläge“, sagt Köhler, „aber da kann man einfach nicht aufgeben. Wir sind ja auch ein bisschen als Weltverbesserer angetreten.“

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wertvolle Pflanzenwelt

Wer ein umfassendes Bild davon bekommen will, wofür sich die Naturschützer in der Region einsetzen, dem hilft seit diesem Jahr der neue Natur- und Wanderführer „Die Pflanzenwelt rund um Hildesheim“ (Gebrüder Gerstenberg, 224 Seiten, 24,90 Euro): Herausgeber, Paul-Feidt-Siftung.

Neben vielen anderen Experten hat auch Maren Burgdorf an dem prachtvoll bebilderten Band mitgearbeitet. Er bietet 33 botanische Wanderungen, aber er ist auch eine Bestandsaufnahme der heimischen Flora, eingebettet in zahllose Informationen über Geologie, Geografie und Entwicklungsgeschichte. cwo