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Da nimmt der Adler Reißaus: Ein Weißstorch jagt den Raubvogel aus seinem Revier in der Gronauer Leinemasch. FOTOS: MENZEL

Wo der Storch den Adler verjagt

Vogelfreund gelingen außergewöhnliche Fotos in der Gronauer Masch

Von Tarek Abu Ajamieh

Gronau. Die Amsel, die in allen Tonarten auf die heranschleichende Katze schimpft und dabei versucht, den Räuber vom Nest mit dem Nachwuchs wegzulocken – dieses Schauspiel haben wohl viele Gartenbesitzer schon beobachtet. Was die beiden Vogel-Fans Manfred Weinhold und Bernd Menzel kürzlich in der Gronauer Masch erlebten, ist hingegen ein eher seltenes Schauspiel. Noch dazu gelangen Menzel außergewöhnliche Aufnahmen des Geschehens. Die Bilder des Alfelders zeigen, wie Weißstörche abwechselnd Jagd auf einen Adler machen, um diesen aus der Nähe ihres Jungtieres zu verscheuchen. Die Leinemasch nördlich von Gronau gilt als Paradies für Großvögel, auf deren Speiseplan Fisch, Frösche und dergleichen ganz oben stehen. Im Fluss, vor allem aber in den Teichen, Tümpeln und Feuchtwiesen auf dem Areal finden sie meist ein reich gedecktes Büfett vor. Selbst in diesem heißen und trockenen Sommer, der vielerorts die Störche zum vorzeitigen Abflug ins afrikanische Winterquartier trieb, war das Nahrungsangebot in der Masch noch ordentlich.

Wie in den vergangenen Jahren gingen dort aber nicht nur Weißstörche – die dort ihren Horst haben – und Schwarzstörche (aus dem Hildesheimer Wald) auf Beutezug, sondern auch Seeadler. Sie haben das weitläufige Gelände längst als Revier entdeckt und unternehmen ausgedehnte Jagdausflüge von ihren mutmaßlichen Nistplätzen am Steinhuder Meer aus. In Konflikt mit den einheimischen Störchen gerieten die großen Raubvögel bisher selten – es war genug für alle da. Im trockenen Sommer dieses Jahres rückten die verschiedenen Jagdgesellschaften einander aber offenbar aufs Gefieder. Und mit dem Frieden in der Masch war es vorbei. Auslöser des Streits, den Weinhold und Menzel beobachten konnten: Der Adler kam dem Jungstorch zu nahe. Der Nachwuchs-Adebar hatte es sich wie so oft im flachen Wasser des dortigen Polders gemütlich gemacht, ließ sich die Füße vom Wasser kühlen und suchte nach Futter. Dabei kam ihm der Seeadler nach dem Geschmack der Storcheneltern zu nahe, als er knapp oberhalb der Wasseroberfläche nach Fischen spähte. Sofort flatterte das Muttertier dem Adler hinterher. Der, eher gewohnt, anzugreifen, als angegriffen zu werden, nahm Reißaus. Doch die Störche wollten offenbar ein Exempel statuieren. Das Männchen nahm ebenfalls die Verfolgung auf und drängte den Adler aus dem Polder heraus. Vielleicht hatten die Weißstörche auch einfach die Faxen dicke: Schon öfter hatten Ornithologen in den Wochen zuvor beobachtet, wie der Jungstorch vorsichtshalber den Polder verließ, wenn der Adler vorbeikam, um fortan auf einer heißen, schattenlosen Grünlandfläche auszuharren, bis der Raubvogel sich endlich wieder zum Abflug bequemte. Ganz abgeschlossen ist das Ringen um die Vorherrschaft am Wasser wohl auch noch nicht, der Adler schaut immer wieder vorbei. Allerdings ist inzwischen auch der jüngste Jungstorch sozusagen zu Hause ausgezogen, weshalb seine Eltern sich vom „König der Lüfte“ nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen. Bis zum nächsten Jahr vermutlich.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung 21.08.2018