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Tote Vögel in Algermissen und Nordstemmen waren mit dem Erreger infiziert / Wissenschaftler rufen weiter zum Einschicken betroffener Tiere auf

Von Thomas Wedig

Kreis Hildesheim. Das Usutu-Virus ist erstmals im Labor bei zwei Amseln nachgewiesen worden, die im Landkreis Hildesheim tot aufgefunden wurden – und zwar in Algermissen und in Nordstemmen. Wie berichtet hatte es kreisweit eine ganze Reihe von Verdachtsfällen gegeben. Das Untersuchungsergebnis hat nun die ersten davon bestätigt, wie die Kreisverwaltung gestern mitteilte.

Das Virus ist nach bisherigen Erkenntnissen für Menschen nicht gefährlich – für Amseln und einige andere Vogelarten, die für eine Ansteckung empfänglich sind, ist es allerdings tödlich. Es kann laut Landkreis zu einem Massenvogelsterben führen. Der Erreger hat seinen Ursprung in Afrika, er ist nach einem Fluss in Swasiland benannt. Verbreitet wird er besonders durch Wildvögel. Sie tragen das Virus allerdings meist nur als Wirte in sich und erkranken selbst in der Regel nicht. Direkt übertragen wird der Erreger durch Stechmücken. Die können in Mitteleuropa mittlerweile sogar strenge Winter überleben – und sind dadurch auch in Deutschland dauerhaft anzutreffen. Das Amselsterben trat in Deutschland erstmals im Jahr 2011 auf, in diesem Jahr wurden besonders aus Niedersachsen und den anderen nördlichen Bundesländern viele Verdachtsfälle gemeldet. Amseln, die sich angesteckt haben, zeigen oft ein auffälliges Verhalten: Sie hocken apathisch herum und flüchten auch dann nicht, wenn sich ein Mensch ihnen nähert. Die Vögel taumeln oder verdrehen den Kopf – denn das Virus führt zu Störungen im zentralen Nervensystem. Auch wenn das Usutu-Virus bisher Menschen nicht krank gemacht – das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises rät trotzdem zur Vorsicht. Zum einen ist Schutz gegen Insektenstiche ratsam, zum Beispiel durch geeignete Kleidung, Repellents oder Insektennetze. Außerdem sollte man tote Vögel nur mit Handschuhen anfassen – um sie dann in einer Plastiktüte zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg zu schicken. Dazu ruft der Landkreis nach wie vor auf – denn die Forscher brauchen weiteres Untersuchungsmaterial, um die Krankheit noch besser einschätzen zu können. Denn die Amseln sind dem Erreger zurzeit noch hilflos ausgeliefert. Es gibt weder Behandlungsmethoden noch Möglichkeiten der Prävention. Die Wissenschaftler versuchen daher, die Ausbreitungswege noch besser kennenzulernen.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung 22.09.2018

Anmerkung AH: In den letzten Wochen gab es vermehrte Meldungen von erkrankten Amseln. Erst jetzt sind einige tote Vögel eingesammelt und zur Untersuchung geschickt worden. Wenn Sie etwas Verdächtiges sehen und in der Lage sind, den toten Vogel einzusammeln, bitten wir Sie das Tier an folgende Adresse einzuschicken:

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Bernhard-Nocht-Straße 74

D-20359 Hamburg

Tel.: +49 40 42818-0

Das tote Tier wird genauso wie Hundekot mit einem umgestülpten Kunststoffbeutel aufgenommen. Danach den Vogel in einem Ziplock- oder Reissverschlußbeutel luftdicht verpacken und in einem Karton verschicken. Es wäre hilfreich, wenn Sie die Meldungen auch an den Ornithologischen Verein zu Hildesheim schicken, so dass wir den Fall in unserer Datenbank registrieren können.

Es ist ebenfalls wichtig die Auswirkungen des Virus auf die Bestandsentwicklung der Amseln in den kommenden Monaten zu verfolgen. Wie sieht es aus an den Futterstellen? Kommen weniger Amseln als bisher?

Meldungen sollten an amsel@ovh-online.de verschickt werden.