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Pressemitteilung DDA 29.06.2020

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Kein Platz mehr für das Rebhuhn? In ganz Europa sind die Bestände in den letzten Jahren zusammengebrochen.

Früher war das Rebhuhn ein gewöhnlicher Anblick in der Feldflur, heute sind die Vorkommen in weiten Teilen Europas stark geschrumpft und in manchen Regionen ist die Art bereits ausgestorben. Steht die Charakterart der Ackerflur und -brachen vor dem Aus? Bundesweit gibt es keine andere Vogelart, die in den letzten Jahren so stark im Bestand zurückgegangen ist. Der europäische Bestand ging um rund 93% zurück, aus der Schweiz wurde kürzlich sogar das vollständige Aussterben bekannt gegeben. Höchste Zeit aktiv zu werden und die verbliebenen Vorkommen des Rebhuhns zu schützen!

Als ursprünglicher Steppenvogel besiedelte das Rebhuhn Mitteleuropa erst im Mittelalter, als durch Rodungen und verstärkten Ackerbau sowie die Entwicklung von Heideflächen geeignete Lebensräume entstanden. Das Rebhuhn wurde zum Kulturfolger und besiedelt heute vor allem offenes, aber strukturreiches Acker- und Weideland sowie Brachflächen. Doch Ackerrandstreifen sind in der Feldmark selten geworden und Wildkräuter durch das Aufbringen von Pflanzenschutzmittel fast verschwunden. Die moderne Landwirtschaft hat so dazu geführt, dass für die Rebhühner kaum noch genug Nahrung vorhanden ist. Bei Altvögeln besteht diese neben jungen Pflanzentrieben vor allem aus Sämereien verschiedener Wildkräuter. Gerade in den ersten Lebenswochen werden hingegen fast ausschließlich Insekten und deren Larven gefressen. Hinzu kommt, dass die Rebhühner kaum noch Versteckmöglichkeiten vor Greifvögeln oder Füchsen finden. Als reine Bodenbrüter sind sie einem hohen Prädationsrisiko ausgesetzt. Untersuchungen haben gezeigt, dass drei Viertel der Brutverluste bereits vor dem Schlupf der Küken auftreten. Bei nur einer Brut pro Jahr, die im Mai/Juni stattfindet, sind Verluste schwer zu kompensieren.

Trend Rebhuhn
Bestandsentwicklung des Rebhuhns in Deutschland nach den Daten des Monitorings häufiger Brutvögel. Dargestellt ist die relative Veränderung der Häufigkeit des Rebhuhns im Zeitraum 1992-2018 in Bezug zum Basisjahr 2006 (Indexwert = 100%).

Der deutsche Bestand des Rebhuhns ist sowohl langfristig als auch kurzfristig rückläufig. Anhand von Jagdstatistiken ist belegt, dass die Bestände des Rebhuhns bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich zurückgingen. Diese Entwicklung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort und hat sich bis heute sogar noch verstärkt. Betrachtet man den Zeitraum seit 1992, liegt der Bestandstrend des Rebhuhns bei -89%. Allein im Zeitraum 2004-2016 ging der deutsche Bestand um mehr als 50% zurück.

Vergleichskarte Rebhuhn
Vergleich der Verbreitung des Rebhuhns in Deutschland in den Zeiträumen 2005–2009 und 2015–2019. Der deutliche Arealschwund wird anhand zahlreicher verwaister Rasterzellen deutlich. Die Daten für den Zeitraum 2005-2009 stammen aus dem Atlas deutscher Brutvogelarten (ADEBAR), die für den Zeitraum 2015-2019 aus ornitho.de. Eine Rasterzelle entspricht einem Blatt der Topografischen Karte 1:25.000.

Die Hauptvorkommen hierzulande erstrecken sich heutzutage über weite Teile Norddeutschlands, während der Osten Deutschlands eher lückenhaft und in geringerer Dichte besiedelt ist. Weiter südlich konzentrieren sich die Vorkommen in der Mittelgebirgsregion und dem Alpenvorland auf Flussniederungen. In den Alpen fehlt die Art. Die Ergebnisse des bundesweiten Monitorings häufiger Brutvögel belegen zweifellos den katastrophalen Zusammenbruch der Bestände. In den meisten Gebieten Deutschlands hat sich der Rebhuhnbestand seit Anfang der 1980er Jahre mehr als halbiert. Einzelne Regionen verzeichnen bereits das vollständige Verschwinden der Art.

Da Rebhühner als Standvögel das ganze Jahr über in ihrem Brutrevier bleiben, sind sie stark von der Lebensraumqualität dieses Umfelds abhängig. Lebensraum- und Nahrungsverluste infolge intensiver Landwirtschaft sind wohl die Hauptursache für den dramatischen Rückgang. Angesichts der in fast allen Ländern Europas deutlich negativen Entwicklungen ist es unverständlich, dass die Weltnaturschutzunion IUCN die Art bislang noch als ungefährdet einstuft. Hierzulande wird das Rebhuhn auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands sogar als „stark gefährdet“ kategorisiert. Aktuell geht man von einem Restbestand von 21.000 bis 37.000 Paaren aus. Die Lage in der Agrarlandschaft ist auch im Hinblick auf die ebenfalls stark negativen Bestandstrends von Kiebitz und Feldlerche alarmierend. Während es für den Kiebitz (mit einem langfristigen europäischen Bestandstrend von -55%) inzwischen einen europaweiten Artenaktionsplan gibt, steht dieser für das Rebhuhn bislang noch aus.

In optimalen Habitaten betrug die Siedlungsdichte des Rebhuhns früher bis zu 120 Paare auf 100 Hektar. Heute wird kaum einmal mehr als ein Brutpaar je 100 Hektar erreicht. Doch es gibt durchaus geeignete Schutzmaßnahmen. Die Aufwertung der Lebensräume steht dabei im Zentrum der Bemühungen. Bei konsequentem Verzicht auf Insektenvernichtungs- und Pflanzenschutzmittel lässt sich die Nahrungsgrundlage für Rebhühner und andere Feldvogelarten deutlich steigern. Die Sicherstellung von Brachflächen und eine Steigerung der Flächenanteile von Blühflächen sorgen für geeignete Bedingungen für die erfolgreiche Fortpflanzung. Nieder-Hecken und ein ausreichend kleinräumiges Mosaik von verschiedenen Kulturen kommen dem Rebhuhn ebenfalls zugute. Von den zum Schutz des Rebhuhns ergriffenen Maßnahmen profitieren auch zahlreiche andere Arten der Agrarlandschaft.

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© DDA 29.06.2020