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Verwaltung startet demnächst das Verschönerungsprogramm für die Wälle und Grünanlagen – doch das umstrittenste Thema aus dem Projekt liegt erst einmal auf Eis

Noch gibt es keinen Weg, der direkt am Hohnsensee entlangführt: Spaziergänger und Jogger müssen einen Bogen um das Jo-Bad machen. Foto: Chris Gossmann
NOCH GIBT ES KEINEN WEG, DER DIREKT AM HOHNSENSEE ENTLANGFÜHRT: SPAZIERGÄNGER UND JOGGER MÜSSEN EINEN BOGEN UM DAS JO-BAD MACHEN. FOTO: CHRIS GOSSMANN

In die Verschönerungskur für die Grüngürtel in der Innenstadt kommt Bewegung: Die Stadtverwaltung will im Februar die Entwurfs- und Kostenplanung für das, was am Kehrwiederwall und Kehrwiedergrund passieren soll, im Ortsrat Stadtmitte/Neustadt und im Stadtentwicklungsausschuss vorstellen. Das hat Planungsamtschefin Sandra Brouër auf Anfrage der HAZ erklärt. Der strittigste Punkt des Gesamtvorhabens liegt allerdings auf Eis: Bevor die Debatte über den neuen Rundweg um den Hohnsensee weitergeht und die Entscheidung darüber ansteht, will die Stadt ein Gutachten abwarten, welche Vögel im Winter am Ufer rasten und damit gestört würden. Die Expertise ist gerade in Arbeit, sie soll im Mai vorliegen, hofft Brouër.Insgesamt vier Millionen Euro soll die Schönheitskur für die Wälle und deren Umgebung kosten. Mindestens zwei Drittel davon muss die Stadt nicht selbst bezahlen, sondern übernehmen das Land und der Bund. Es geht um ein großes Gebiet. Doch als die Verwaltung das Konzept vor gut zwei Jahren vorstellte, kreiste die öffentliche Debatte – zum Leidwesen von Baudezernentin Andrea Döring – vor allem um ein Detail: Soll im Zuge des Vorhabens ein neuen Rundweg um den Hohnsensee entstehen?

Die Meinungen der Öffentlichkeit gingen stark auseinander: Befürworter freuten sich über die Aussicht, direkt am Wasser entlang gehen zu können, statt wie jetzt einen Bogen um den See machen zu müssen; Kritiker fürchten um die Ruhe der Vögel, die im Winter am Nordufer rasten, und jene der Badegäste, die im Sommer am Strand liegen. Und so sprach sich der Rat zwar dafür aus, den Rundweg zu schaffen, setzte aber eine Arbeitsgruppe mit dem Auftrag ein, herauszufinden, wie sich die Idee mit den anderen Nutzungen vereinbaren lassen könnte.

Doch das Gremium, dem unter anderem Politiker, Vertreter der Verwaltung und von Naturschutzverbänden sowie Bad-Betreiber Matthias Mehler angehören, kam bislang nur einmal zusammen und vertagte sich dann gleich wieder. Denn gleich beim Auftakttreffen im November 2019 stellte sich heraus, dass eine wichtige Grundlage fehlt: Welche Vögel und wie viele genau halten sich im Herbst und Winter wo in dem Strandabschnitt auf? „Ohne diese Angaben kommen wir nicht weiter“, betont Planungsamtschefin Brouër.

Um die Informationen zu ermitteln, hat die Stadt für 4000 Euro ein Fachbüro für Umweltplanung angeheuert. Das macht seit September eine Bestandsaufnahme darüber, was am Hohnsensee ornithologisch so los ist. Die Kartierung dauere noch bis Mai, sagt Brouër; die Stadt wolle die Arbeitsgruppe dann noch vor der Sommerpause zum nächsten Treffen einladen – ob digital oder leibhaftig, hängt vom Verlauf der Corona-Pandemie ab.

Doch die Verträglichkeit mit den Vögeln ist nicht das einzige Problem, das noch ungelöst ist. So gehen die Vorstellungen zwischen der Politik und Bad-Betreiber Mehler über die Zugänglichkeit des Weges auseinander. Der Unternehmer ist zwar ein großer Befürworter der Idee: „Das wäre für Spaziergänger hochattraktiv und für die Erschließung des Geländes gut.“ Doch mit Blick auf den Freibad-Betrieb und die Anlieger sollte der Weg während der Saison nur zwischen 18 Uhr und Jo-Beach-Ende und im Winter „an schönen Tagen“ geöffnet sein – „auch wegen der Vögel“, erklärt Mehler.

Grünen-Fraktionschef Ulrich Räbiger und Stadtentwicklungsausschuss-Chef Detlef Hansen (SPD) fordern dagegen – vorausgesetzt, die Vögel würden nicht gestört – eine dauerhafte Öffnung. Schließlich zahle die öffentliche Hand den Weg (der rund 150 000 Euro kosten soll), sagt Hansen, der die Idee grundsätzlich gut findet. Zudem wolle die Stadt für den Bau ja Städtebaufördermittel nutzen, erinnert Brouër: „Dafür muss aber die Öffentlichkeit für eine angemessene Zeit einen Nutzen haben.“ Wie genau diese „angemessene Zeit“ zu definieren ist – dafür gelte es, Lösungen zu finden. Dass der Rundweg kommt, ist aus Brouërs Sicht nicht entschieden: „Das Verfahren war ergebnisoffen angelegt.“

Dafür kommt das Verschönerungspaket an anderer Stelle demnächst in Gang: Voraussichtlich Ende des Jahres sollen die Arbeiten am Kehrwiederwall und Kehrwiedergrund losgehen. Geplant ist unter anderem, die Wege mit einem speziellen Sand zu befestigen, damit Spaziergänger darauf auch bei und nach Regen gut unterwegs sein können. Hänge sollen befestigt, der Übergang vom Weinberg zum Lappenberg mit Naturstein als Rad- und Fußweg gepflastert werden, kündigt Stadtplanungsamt-Mitarbeiter Dirk Neumann an.

Die Kosten gibt er mit 850 000 Euro an – das sind rund 200 000 Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. Ob das die Begeisterung der Politiker für das Projekt trübt, wird sich im Februar zeigen, wenn die Verwaltung das Konzept dem Ortsrat und dem Stadtentwicklungsausschuss vorstellt. „Wir werden das alles darlegen“, verspricht Brouër. Als zweiten Baustein nimmt sich die Verwaltung dann Liebesgrund, Seniorengraben und das Hohe Rondell vor. Auch dort geht es um das Befestigen von Wegen und das Sichern von Hängen. Die Stadt will aber auch kranke Bäume (darunter Eichen) entnehmen, die wegen der Trockenheit in den vergangenen Jahren darben, und sie durch „klimaresistente“ Arten ersetzen, wie Stadtplaner Neumann ankündigt.

Insgesamt dürfte es bis 2027 dauern, das Verschönerungsprogramm umzusetzen, schätzt Brouër. Der Hohnsen – und damit auch der Rundweg – sind nach heutigem Stand frühestens 2023 an der Reihe.

Aus der HiSZ vom 25 01 2021 © Hildesheimer Allgemeine Zeitung