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„Niedersächsischer Weg“ vor Ort

Hildesheimer Landwirte und Naturschützer drängen zusammen auf Artenschutz

Kreis Hildesheim – Vertreter der Bauern und der Umweltverbände verfassen gemeinsamen Brandbrief an den Kreistag. Das Schreiben dürfte nach jüngsten Streits intensive Diskussionen auslösen.

Kreis Hildesheim – Es ist ein Brief, bei dem schon der Briefkopf aufhorchen lässt: Nebeneinander stehen dort die Wappen des Landvolks, der Landwirtschaftskammer, der Naturschutz-Verbände Nabu und BUND sowie des Ornithologischen Vereins Hildesheim (OVH). Am Schluss des Briefes finden sich die Unterschriften der jeweiligen Verantwortlichen. Und im Text taucht immer wieder das Wort „Wir“ auf. Adressat: der Hildesheimer Kreistag.

Für „Niedersächsischen Weg“

Umweltschutz und Landwirtschaft wirken in der öffentlichen Debatte oft wie unvereinbare Gegensätze. Im Landkreis Hildesheim sind sie jetzt jedoch eine Allianz eingegangen – und fordern die Kreispolitik zum Handeln auf. Der Brief endet mit dem Bekenntnis, man wolle sich „dem unverminderten Artensterben gemeinsam entgegenstellen“.

Dafür wollen sie sich zum einen darum bemühen, den „Niedersächsischen Weg“ lokal umzusetzen. Land, Landwirte und Umweltverbände hatten sich darauf verständigt, bis zum Jahr 2023 den landesweiten Verbund von Biotopen auf 15 Prozent der Landesfläche auszudehnen. Ziel der mühsam ausgehandelten Kooperation ist es, mehr Artenschutz auf den Feldern nicht per Zwang durchzusetzen, sondern durch Kompromisse. Auch deshalb kritisieren Landwirte Bestrebungen der Bundesregierung für schärfere Insektenschutz-Gesetze – diese könnten den „Niedersächsischen Weg“ torpedieren.

Gibt der Landkreis Geld?

Voraussetzung dafür, diesen auf lokaler Ebene Wirklichkeit werden zu lassen, ist aus Sicht der Autoren ein typisches Verwaltungsdeutsch-Ungetüm – der Landschaftsrahmenplan. Dieser sei die Grundlage für alle Pläne zur Biotop-Vernetzung und müsse dringend neu aufgestellt werden. Schließlich stamme die bisherige Version von 1993 und basiere damit auf ziemlich veralteten Erkenntnissen.

Für diesen Plan sind allerdings fünf Jahre lang je 200.000 Euro nötig, sagt die Kreisverwaltung. Der Kreistag hat diese Mittel vor Weihnachten aber in seinem Bemühen um Einsparungen im Zuge der Corona-Krise gestrichen. Ein großer Fehler, finden Naturschützer und Landwirte. „Wenn mit der Planung des Biotopverbunds nicht in diesem Jahr begonnen werden kann, wird die Umsetzung bis 2023 nicht gelingen“, warnt Lamspringes Bürgermeister Andreas Humbert, der zugleich Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe ist. Das hätte Konsequenzen, sekundiert Alistair Hill vom OVH: „Die Ausdünnung der Artenvielfalt in der Region Hildesheim würde kaum noch aufzuhalten sein.“

Diskussionen garantiert

Der Landvolk-Kreisvorsitzende Konrad Westphale betont: „Wir sind gern bereit, am Landschaftsrahmenplan mitzuwirken und uns auch in die Planungen für den Biotopverbund einzubringen.“ Er hat den Brief ebenso unterschrieben wie Kreislandwirt Thomas Stadler.

In der Kreispolitik dürfte das Schreiben einige Diskussionen auslösen. Schon deshalb, weil sich die SPD/CDU-Kreistagsmehrheit durchaus den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Gerade die Fraktionschefs Klaus Bruer und Friedhelm Prior messen dem Thema seit Jahren viel Gewicht bei.

Zuletzt gab es Zoff

Andererseits war es genau diese Mehrheit, die die 200.000 Euro für den Landschaftsrahmenplan gekippt hat. Stattdessen setzte sie auf eine deutliche Stärkung der Klimaschutzagentur, die eine Viertelmillion Euro zusätzlich bekommen soll. 100.000 Euro davon sind für Projekte zur Biotop-Vernetzung vorgesehen. Zuletzt warfen Vertreter der Großen Koalition den Umweltschutz-Verbänden vor, das bereitstehende Geld nicht für Projekte zu nutzen. Das Klima wirkte angespannt, die Debatte festgefahren.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung 10.02.2021