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Experte bestätigt: Das Tier in den Videos ist ein Wolf

In den sozialen Netzwerken haben am Freitag zahlreiche Menschen mehrere Videos von einem Wolf geteilt, der durch den Landkreis zog.Foto: Chris Gossmann

In zahlreichen Whatsapp-Gruppen hat es am Freitagmittag nur ein Thema gegeben: Videos von einem Tier, das im Landkreis Hildesheim unterwegs ist und aussieht wie ein Wolf. Wolfsberater Matthias Vogelsang bestätigt nun anhand des Bildmaterials: „Es handelt sich zu 100 Prozent um einen Wolf.“

Jagdpächter Heinrich Aue, in dessen Revier das Raubtier unterwegs war, berichtet, dass er am frühem Morgen den ersten Anruf erhielt. Da sei der Wolf am Reitplatz zwischen Hüddessum und Borsum gesehen worden. „Er zog dann weiter in Richtung Machtsum und ist zwischen Kemme und Dinklar, bei Ahstedt und bei Adlum gesehen worden, bis er schließlich in Richtung Oedelum verschwunden ist“, sagt Aue. Mehr als 20 Kilometer ist das Tier so in den Gemeinden Harsum und Schellerten gelaufen – für einen Wolf kein Problem. „Wölfe legen leicht 30 bis 40 Kilometer in einer Nacht zurück“, sagt Wolfsberater Vogelsang.

Die meisten Fotos und Videos wurden von verschiedenen Personen aus Fahrzeugen heraus aufgenommen. Was Jagdpächter Aue verblüfft: „Das Tier zeigt am helllichten Tag null Scheu vor den Autos.“ Für den Wolfsberater keine Überraschung: „Der Wolf bringt Menschen nicht mit Fahrzeugen in Verbindung“, erklärt Vogelsang. „Würden die Menschen aussteigen, würde er wahrscheinlich sofort Reißaus nehmen.“

Wölfe wissen von Natur aus, dass der Mensch für sie gefährlich ist. Sobald sie seine Witterung aufnehmen, verstecken sie sich. Sollte man trotzdem einem Wolf in freier Wildbahn begegnen, bleibt man am besten stehen und klatscht laut in die Hände, um ihn zu vertreiben. Frei lebende Wölfe sollen ihre Angst vorm Menschen behalten. Das ist zu ihrer eigenen Sicherheit. „Auf gar keinen Fall sollte man weglaufen“, warnt Vogelsangs Kollege René Hoffmann. Das könnte den Jagdtrieb auslösen. Wer einen Hund dabei hat, sollte ihn an die Leine nehmen. Der Wolf könnte ihn sonst angreifen, um sein Revier zu verteidigen.

Vogelsang hat innerhalb der letzten drei Monate von mehreren Sichtungen im Landkreis Hildesheim gehört. Doch erst jetzt war die Qualität des Bildmaterials so, dass er sich sicher sein konnte. Allerdings bedeutet das noch lange nicht, dass der Wolf in der Region sesshaft wird. „Möglicherweise handelt es sich um ein Tier aus dem Burgdorfer Rudel“, vermutet Vogelsang. Das Rudel ist schon seit längerem nordöstlich von Hannover zu Hause – etwas mehr als 30 Kilometer Luftlinie von Hildesheim.

Der Wolfsexperte geht davon aus, dass das Tier in den Videos die Gegend erkundet und möglicherweise auch für unbestimmte Zeit bleibt, wenn es genug Wild als Nahrung findet. „Nutztierhalter müssen sich darauf einstellen, dass der Wolf sich auch mal ein Schaf holen möchte“, warnt Vogelsang. Das befürchtet auch Heinrich Aue: „In gewisser Zukunft könnte es Übergriffe geben.“ Deshalb sollten Halter ihre Nutztiere wie Schafe oder Hühner entsprechend schützen.

Bisher hat der Video-Wolf es aber offenbar auf Rehe abgesehen. „Er hat die Nähe der Rehe gesucht, sich hingelegt und sie beobachtet“, berichtet Friederike Peters, deren Sohn Hubertus Bünger eines der Videos aufgenommen hat.

Die beiden Jäger gehen davon aus, dass es sich bei dem Tier um einen jungen Rüden handelt. Er soll eins der Rehe, einen Bock, gerissen haben. Jedenfalls kursiert im Netz das Foto des toten Tieres. „Als wir ihn gesehen haben, war er wohl schon satt“, meint Peters.

„Der Wolf ist wie ein Polizist im Wald“, sagt Hoffmann. Er sorgt dafür, dass es nicht zu viele Rehe und anderes Wild gibt. Treiben sich zu viele Pflanzenfresser herum, fressen sie die jungen Bäume ab. Außerdem sind die Tiere in Wolfsgebieten gesünder. „Schwache und kranke Tiere überleben dort nicht“, erklärt Hoffmann.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung