Ab Montag werden in der Stadt die schweren Gartenmaschinen wieder für die Grünpflege angeworfen / Ornithologischer Verein zu Hildesheim will die Maßnahmen mit kritschem Blick begleiten

Aus der Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 10.01.2022

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Abholzaktion im Bereich der Autobahnzufahrten zur A 7.Foto:: Clemens Heidrich

Am Montag wird auf der Marienburger Höhe wieder abgeholzt: Die Stadt kündigt dort „großflächige Grünschnittarbeiten“ bis Mitte Februar an. Bis zum 1. März läuft noch die Frist, dann beginnt offiziell die Brut- und Setzzeit. Doch es gibt immer wieder Kritik an den Maßnahmen, die auf den ersten Blick wie ein Kahlschlag wirken. Erst im Mai vergangenen Jahres hatte der Ornitologische Verein zu Hildesheim (OVH) in einem Brandbrief an Oberbürgermeister Ingo Meyer heftig das Vorgehen der Stadt bei der Grünpflege kritisiert.

Kräftig geholzt wurde auch an einer Stelle, an der die Stadt nicht zuständig ist: im Auffahrtbereich zur A 7. Das Bild ist immer das Gleiche: Hecken, Gebüsch, Unterholz werden kräftig runtergeschnitten. Doch die dienen den Insekten als Unterschlupf, die wiederum den Vögeln als Nahrung, die im Frühjahr dann noch mit ihrem Nestbau beginnen wollen.

Abholzen in Etappen

Doch die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Jahren ihre Methode bei der Grünpflege verändert. Grundsätzlich wird nun nur noch „abschnittsweise auf den Stock gesetzt“, teilt Stadtpressesprecher Helge Miethe auf Anfrage der HAZ mit. „Das Ergebnis mag zunächst nicht immer schön aussehen, doch nimmt ohne einen Rückschnitt die Dichte der Hecke ab, so dass viele Vogelarten keine geeigneten Nistplätze mehr finden würden.“

Außerdem werde grundsätzlich nur noch ein Drittel der jeweiligen Flächen bearbeitet. Dadurch blieben ausreichend Rückzugsgebiete für Vögel und Kleinstlebewesen. Der Naturschutz sei also im Rahmen der Grünpflege gewährleistet.

Wo noch geschnitten wird

Im Süden Hildesheims wird das nun unter anderem im Bereich der Ortelsburger und Braunsberger Straße oder dem Ützenkamp zu beobachten sein. Weitere Arbeiten kündigt die Stadt im Lindholzpark in Ochtersum und in der Grünanlage Brandisweg in Drispenstedt an.

Maren Burgdorf vom OVH bewertet die angekündigte Vorgehensweise als richtigen Schritt: „Das entspricht auch unserer Linie.“ Der Rückschnitt sei im Grunde wichtig, um das wilde Austreiben der Gehölze zu stoppen und für ein dichtes, inneres Wachstum zu sorgen. Auf diese Weise entstehe erst ein geeigneter Schutz- und Lebensraum.

OVH zeigt Verständnis

Sie zeigt auch Verständnis dafür, dass die Stadt in einigen Bereichen auf eine Bepflanzung verzichtet hat wie zum Beispiel mit Rosen auf Grünstreifen zwischen den Straßen: „Man muss auch die Kosten für eine Pflege in Betracht ziehen.“ Auch die Gestaltung der historischen Wallanlagen und das gezielte Abholzen sei sinnvoll, besonders „wenn alles zugewachsen ist und man nichts mehr sehen kann. Die Anlage selbst ist dann hin“.

Aber es müsse eben nach der Ein-Drittel-Zwei-Drittel-Regel vorgegangen werden und nicht so wie beispielsweise im vergangenen Jahr an den Sportanlagen in Himmelsthür, wo alles radikal klein gemacht wurde: „Das dauert Jahre, bis dort wieder ein Lebensraum für Insekten und Vögel hochwächst“, sagt Burgdorf.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung