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Aus der HAZ vom 22.03.2019

Vogelschützer beklagen Halbierung der Bestände binnen weniger Jahre / Versuchten Windkraft-Investoren, Vögel zu verscheuchen?

Kreis Hildesheim.Er gehört in der Region zu den Königen der Lüfte – doch der ist Bestand akut bedroht: Es gibt immer weniger Rotmilane im Landkreis Hildesheim. Als Hauptgründe gelten das extreme Wetter der vergangenen beiden Jahre, aber auch die Tatsache, dass zuletzt viele alte, hohe Pappeln vor allem in der Hildesheimer Börde gefällt wurden. Doch der Ornithologische Verein Hildesheim (OVH) hat noch einen weiteren dringenden Verdacht: Windkraft-Interessenten sollen versucht haben, Rotmilane (auch unter dem Begriff „Gabelweihe“ bekannt) aus angestammten Horsten zu verscheuchen, weil die Standorte Windpark-Plänen im Wege standen.

OVH-Sprecher Alistair Hill ist bei diesem Thema durchaus vorsichtig: „Es wurden Anzeigen erstattet, allerdings nicht von uns. Die sind aber im Sande verlaufen.“ Dabei sei es um mutmaßliche sogenannte Vergrämungs-Aktionen gegen Rotmilane bei Groß und Klein Escherde sowie in der Nähe von Freden gegangen – also in Bereichen, in denen es tatsächlich Pläne zum Bau von Windparks gab oder gibt. Meist versuchen die Täter, durch andauernden Lärm die Vögel zu verscheuchen, etwa, indem sie mit Autos hupend in der Nähe der Horste hin- und herfahren. Berichte über solche Aktionen gibt es öfter, nachzuweisen sind sie selten. Aber es gibt Ausnahmen: Im Frühjahr 2017 erwischten Nabu-Mitglieder in Hessen einen Flächenbesitzer und einen Windrad-Betreiber dabei, wie sie mit Stöcken immer wieder gegen den Stamm eines Baumes mit Rotmilan-Horst schlugen, und zeigten sie an.

Rotmilane sind für Windparks mitunter ein entscheidendes Hindernis – weil im Umkreis von anderthalb Kilometern um ihre Horste keine Windräder errichtet werden dürfen. Dadurch wurde unter anderem das 50-Millionen-Euro-Projekt des Baywa-Konzerns, an der Bundesstraße 3 zwischen Elze und Eime acht oder neun Riesen-Windräder zu bauen, zumindest ausgebremst. In dem Bereich entdeckten Gutachter gleich zwei brütende Rotmilan-Paare.

Deren Zahl ist kreisweit deutlich rückläufig, warnt nun der OVH. In den Jahren 2013 bis 2015 zählten die Vogelschützer jeweils mehr als 60 von Paaren besetzte Reviere im Landkreis. Hinzu kamen mindestens 40 Reviere, in denen einzelne Tiere jagten. Für dieses Jahr erwarten sie „bestenfalls 30 oder 35“.

Deutschland sei sehr wichtig für den Erhalt des Rotmilans, hier brüte rund die Hälfte aller weltweit lebenden Vögel. Im Vorjahr seien aber pro Brut im Schnitt nur 0,9 Jungtiere durchgekommen – nötig wären aber zwei Jungtiere pro Brutpaar.

Der OVH möchte nun – ähnlich wie bei der Schleiereule (die HAZ berichtete) – möglichst verlässliche Daten zu den verbliebenen Rotmilan-Paaren und ihren Jagdrevieren bekommen. Dazu bittet er um Hinweise unter der Telefonnummer 0 51 21 / 6 96 65 29. Die ersten Rotmilane haben nach der Rückkehr aus den Winterquartieren bereits mit dem Nestbau begonnen. Die letzten Nachzügler dürften in den nächsten zwei bis drei Wochen eintreffen. Die tagaktiven Raubvögel sind vor allem in der Zeit von 10 bis 12 Uhr sowie zwischen 16 Uhr und Sonnenuntergang gut zu sehen.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Siehe der Pressemitteilung des OVHs hier