Aus der Presse:
Aus der HAZ vom 09.12.2013 Fusion OVH und NABU Kreisverband Ja oder Nein?
Steht der Ornithologische Verein vor dem Aus?
Mehrheit in OVH und Nabu spricht sich für eine Verschmelzung aus / OVH fürchtet Identitätsverlust und Geldmangel
Hildesheim (ha). Die Mitglieder des Ornithologisehen Vereins zu Hildesheim (OVH) stehen vor einer schweren Entscheidung: Sollen sie ihren weithin anerkannten Natur- und Vogelschutzverein im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aufgehen lassen? Das wäre nach 60 Jahren dann zugleich das Ende des OVH. Oder hat der Verein mit seinen 1000 Mitgliedern die Kraft, junge Leute für seine Sache zu begeistern und die vielfältige ehrenamtliche Arbeit auf mehr und vor allem jüngeren Schultern zu verteilen?
Werden Nabu und OVH bald eins? Uwe Schneider, Oieter Goy, Andreas Humbert, Winfried Kauer, Maren Burgdorf und Nabu-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann diskutieren mit den Mitgliedern.
Die Diskussion, zu der beide Vereine gemeinsam aufgerufen hatten, verlief ebenso leidenschaftlich wie sachlich. Der OVH ist für viele, die hier seit Jahrzehnten aktiv sind, eine zweite Familie. In unzählbar vielen Stunden haben sie Biotope angelegt und gepflegt, haben kartiert, dokumentiert, wissenschaftlich gearbeitet.
Nicht wenige haben Paul Feindt noch erlebt, einen offenbaräußerst charismatischen Lehrer der seine Schüler mitzureißen verstand Ihm zu Ehren ist auch die OVH-Stiftung benannt, die heute rund 600 Hektar Land nach ökologischen Gesichtspunkten verwaltet und betreut. Das Wort des OVH hat Gewicht in Politik und Gesellschaft. Und dennoch ist es ihm bis auf wenige Ausnahmen nicht gelungen, Nachwuchs für seine Sache zu gewinnen.
Ganz anders der Nabu: Er spielte bis vor wenigen Jahren in der Region praktisch keine Rolle, unter dem Vorsitz von Andreas Humbert, der seit Anfang des Jahres auch Vorsitzender des OVH ist, legte der Nabu seinen Fokus auf Jugendarbeit, lockte vor allem junge Familien. Die Mitgliederzahl wuchs auf 600 – wobei einige Mitglieder bereits dem OVH angehören. Dann aber stieg die Mitgliederzahl sprunghaft um 800 auf 1400. Die Erklärung: Der Nabu hatte Drückerkolonnen entsandt, die offenbar sehr erfolgreich waren. Statistisch bleiben solche Mitglieder über 13 Jahre treue Beitragszahler.
Doch genau hier wirds heikel: Die Beiträge des OVH -jährlich rund 18 600 Euro – bleiben zu 100 Prozent in der Region. Grob gerechnet 10 000 Euro bekommt die Stiftung für feste Kosten wie Pacht und Steuern, der Rest fließt in den Naturschutz, in Publikationen und Vereinsarbeit. Die Einzelmitgliedschaft beim OVH kostet jährlich 35 Euro, beim Nabu laut Homepage 48 Euro, für Familien und Jugendliche gibt es jeweils Sonderpreise.
Ganz anders die Rechnung beim Nabu: Hier darf die Kreisgruppe nur 20 Prozent behalten, je 40 Prozent bekommen der Landes- und der Bundesverband. Damit nicht genug; Der Beitrag der 800 Kampagnenmitglieder geht an der Kreisgruppe komplett vorbei, wird in den geplanten Aufbau eines von dann neun niedersächsischen Regionalbüros in Rinteln gesteckt, das auch für Hildesheim zuständig wäre. „Von den 800 Mitgliedern haben wir also nichts?“ wundert sich ein OVH-Mitglied. „Die fischen in unserem Teich.“
Wenn nach einer Fusion 80 Prozent des OVH-Gelds ebenfalls abflösse, im Gegenzug in die Ortskasse aber nur 20 Prozent der Beiträge der 600 Nabu-Altmitglieder bleiben, sehen Skeptiker die Stiftung in Gefahr, die Herzstück und Vermögen des OVH-Naturschutzprogramms ist. Ohne zusätzliche Spenden, die gezielt an den Kreisverband gingen, gäbe es kaum noch freie Masse für die Arbeit vor Ort.
„Grundsätzlich gäbe es ein herzliches Willkommen in der Nabu-Familie”, warb der Nabu-Landesvorsitzende Dr. Holger Buschmann. Humbert sieht in einer Verschmelzung eine Bündelung der Kräfte, zudem finde ein größerer Verband mehr Gehör, habe mehr Einfluss. Der Verein stehe auf relativ sicheren Füßen, werde von administrativen Arbeiten befreit, stärker in regionale Projekte und Projekte außerhalb Deutschland eingebunden.
Für den Ornithologen Alistair Hill geht es um mehr als blanke Zahlen. „Ich sehe nicht, dass unsere Identität erhalten bleibt” Ein Landwirt aus Betheln bekräftigte, dass der OVH auch ohne Nabu „unwahrscheinlichen Einfluss” habe. OVH-Heuschrecken-Experte Günter Grein „sieht nicht, dass das Geld künftig für die Stiftung reicht”. Eine andere Stimme fürchtet eine Austrittswelle.
Das Votum war eindeutig: Von 67 OVH-Mitgliedern stimmten neun gegen die Verschmelzung, vier enthielten sich. Bei 25 Nabu-Mitgliedern gab es zwei Nein, vier Enthaltungen. Damit sind die Spitzen nun gehalten, die Fusion voran zu treiben. Bis auf OVH-Botanikexpertin Maren Burgdorf haben Humbert, Dieter Goy, Kauer und Uwe Schneider heute schon in beiden Gruppen führende Ämter. Über die tatsächliche Fusion entscheiden später alle Mitglieder.
© Hildesheimer Allgemeine Zeitung
Was haben wir tatsächlich beschloßen? Hier ist der Wortlaut des Beschlüsses:
Die Mitglieder der beiden Vereine beauftragen die Vorstände, einen Verschmelzungsvertrag von OVH und NABU KV Hildesheim vorzubereiten und den Entwurf der Versammlung erneut zur endgültigen Abstimmung vorzulegen.
In den Verhandlungen mit den Beteiligten ist sicher zu stellen, dass
– der Name des OVH auch im neuen Verein erhalten bleibt
– die PFS dauerhaft finanziell abgesichert ist
– die Selbstständigkeit der Regionalgruppen erhalten bleibt.
Hinter dieser knappen Sätze verbergen sich viele Fragen welche während der Versammlung angesprochen worden sind und die im Laufe der Verhandlungen zwischen OVH und NABU zu klären sind.
Aus der HAZ vom 08.05.2013: OVH Fotoausstellung zu 60. Geburtstag in Hildesheimer Rathaus
Im Wasser waten und stundenlang warten
Naturfotografen des Ornithologischen Vereins zeigen im Rathaus eine kleine Auswahl ihrer schönsten Vogelbilder
Hildesheim (ha). Manchmal verharrt das Model nur für einen kurzen Augenblick in dieser Pose. Und bis es so weit ist, müssen Naturfotografen oftmals Stunden, manchmal sogar Tage warten, ehe dieser eine, unwiederbringliche Moment gekommen ist. Naturfotografie, erst recht Wildvogelfotografie ist nichts für Ungeduldige. Was für traumhafte Fotos indes gelingen, wenn der Mensch hinter der Linse im richtigen Sekundenbruchteil auf den Auslöser gedrückt hat, zeigt nun eine Foto-Ausstellung zum 60-jährigen Bestehen des Ornithologischen Vereins (OVH) in der Galerie der Rathaushalle.

Peter Becker bekam mit viel Geduld in einem Gewässer bei Barienrode diese Wasserralle vor die Linse. Als ausgebildeter Beringer hat Becker zudem 20 000 Wildvögel beringt. Fotos: Gossmann
Peter Becker, einer dieser begnadeten Fotografen, kann sich noch genau erinnern, wie das Bild des Tüpfelsumpfhuhns in der Gronauer Masch entstanden ist. Fast bis zum Bauch stand Becker in einer Gummihose im Wasser und wartete auf den Anbruch der Nacht. Mit geübter Stimme imitierte er den Ruf des seltenen Vogels. Und tatsächlich: Seine Töne waren offenbar so täuschend echt, dass ein Tüpfelsumpfhuhn sich herausgefordert sah, sein Revier gegen den Eindringling zu verteidigen. In der einen Hand eine Taschenlampe (schließlich war es bereits stockfinster), in der anderen die schussbereite Kamera wartete Becker, bis der Vogel nahe genug war. Nur mit dem Oberkörper pendelte er die Tiefenschärfe aus. Klick. Schon war das Hühnchen Porzana porzana für die Ewigkeit festgehalten.

Diese phänomenale Aufnahme eines Eisvogels schoss Karl-Heinz Bloch in der Nähe von Holle. Der farbenprächtige Eisvogel ist auch der Wappenvogel des Ornithologischen Vereins.
Oberbürgermeister Kurt Machens nutzte die Ausstellungseröffnung, um sich beim OVH für den „gelebten und praktizierten Naturschutz“ zu bedanken, den die mehr als 1000 Mitglieder mit ihrer Arbeit unterstützen. Der Name des OVH habe einen guten Klang, das Urteil seiner Experten Gewicht, auch wenn deren Meinung etwa für Behörden nicht immer bequem sei. Das Abmähen der Wallanlagen habe seinerzeit einen „medialen Sturm der Entrüstung“ ausgelöst, heute freuten sich die Bürger an der gelben Wildtulpe, die deshalb nun wieder hier wächst.

Ewald Bürig, in der Region auch als „Vogelpastor” bekannt ist unter Naturfreunden eine Institution. Das Foto mit der Hohltaube gelang ihm in einem Waldstück bei Duingen.

Alistair Hill hat die Fotoausstellung zum 60. OVH-Geburtstag nicht nur konzipiert, sondern auch selbst Arbeiten beigesteuert, wie dieses Foto eines Blaukehlchens in der Sehlder Masch.
Schon vor Gründung des OVH am 23. März 1953 hatte es einen informellen Arbeitskreis gegeben, der sich um den Josephinum-Lehrer Paul Feindt formierte. „Er hatte hohes Fachwissen und er verstand es, junge Menschen für die Ornithologie zu begeistern“, sagt Andreas Humbert, der seit kurzem an der Spitze des OVH steht. Die Mitglieder der ersten Stunde, unter ihnen Ewald Bürig und der damals erst 13-jährige Peter Becker, verstanden sich als Feldforscher, die beobachteten, kartierten, auswerteten. Bald gab es 14 000 Karteiblätter mit 250 000 Einzeldarstellungen der bis zu 330 Vogelarten in der Region. Anfang der 70er Jahre nahm der OVH erstmals wertvolle und bedrohte Biotope unter seine Fittiche. Der Erlenbruch bei Himmelsthür war das erste Schutzgebiet überhaupt, heute sind es bereits 650 Hektar in Stadt und Kreis.
1975 kam mit Bernd Galland für beinahe 40 Jahre ein Mann an die Spitze, der mit seinem Wissen, Engagement und seiner Motivationsfähigkeit sich als Glücksfall erweisen sollte, zumal mit dem Bundesnaturschutzgesetz 1976 Verbände erstmals in politische Entscheidungen eingebunden wurden. 1981 gründete Dr. Heinrich Hofmeister die Botanikgruppe, die heute von Maren Burgdorf geleitet wird und in Fleißarbeit Farne und Blütenpflanzen der Region kartiert hat. 1989 wurde nicht zuletzt durch das Wirken von Heinz Ritter die Paul-Feindt-Stiftung ins Leben gerufen, die sich um die Sicherung bedrohter Flächen kümmert. Inzwischen hat der OVH acht Regionalgruppen, Fachleute für viele Bereiche. Zur Vereinsgeschichte gehören Hunderte von Fachvorträgen, Tausende von Bildern, ungezählte Publikationen und Exkursionen. Der OVH, sagt Humbert, sei mehr als nur ein Naturschutzverein, der Nistkästen reinigt und Tümpel entschlammt: Er überzeuge mit fachlichem Wissen, sei Rat- und Ideengeber.
Hier finden Sie unsere Begleitinformation zur Ausstellung als pdf-Datei
Die Foto-Ausstellung im Rathaus läuft bis 27. Juni und ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr zu sehen.
© Hildesheimer Allgemeine Zeitung

