Neue Heimat für Luftakrobaten

HAWK und Hildesheimer Ornithologen richten Nistkästen für Mauersegler ein/Tipps für Hausbesitzer


Hildesheim (r). Der Mauersegler hat es schwer. Er wohnt gern bei den Menschen, doch die lassen ihm kaum noch Platz. Im­mer mehr Hohlräume an Gebäuden wer­den verschlossen. Die Fachhochschule HAWK setzt ein Zeichen: Fünf Nistkäs­ten sollen den rasanten Fliegern ein Zu­hause bieten.

Die schwindelnde Höhe macht weder Karsten Schaer noch Nils Schmidt etwas aus. Mit wenigen Handgriffen ziehen der Dachdeckermeister und sein Lehrling die letzten Schrauben für fünf neue Nistkäs­ten an. Dort, unter dem Dach des HAWK-Gebäudes am Hohnsen, sollen künftig Mauersegler einziehen. Die kehren näm­lich im Mai nächsten Jahres aus ihren Winterquartieren in Äquatorial- und Südafrika nach Hildesheim zurück.

Allerdings geschieht dies immer selte­ner. Denn wegen mangelnder Nistmög­lichkeiten ist die Vogelart aus der Familie der Segler in unseren Breitengraden sel­ten geworden. Uwe Schneider vom Ornithologischen Verein zu Hildesheim (OVH) schätzt ihr Vorkommen auf „gerade mal 200 Paare". Der Mauersegler musste des­halb bereits auf das Vorwarngregister der „Roten Liste" gefährdeter Brutvögel ge­setzt werden.

„An sich ist der Mauersegler ein typi­scher Stadtvogel", sagt Schneider. Präg­nant sei sein weit hörbarer und schriller Ruf. Besonders auffällig sind darüber hi­naus seine rasanten Flugmanöver. Im Sturzflug erreicht der Mauersegler sogar Geschwindigkeiten von bis zu 200 Kilo­meterpro Stunde. Entsprechend waghal­sig hält es der Mauersegler mit seinen Nestern. Eine Mindesthöhe von sechs bis sieben Metern über den Erdboden gehört zu seinen Anforderungen für eine ideale Nistgelegenheit. Meist findet der Mauer­segler solche Plätze in Hohlräumen in Dachbereichen. Doch gerade solche wer­den in der Regel bei Sanierungsarbeiten verschlossen.

Seite_14_53023_MauerseglerDer elegante Flieger sucht vielerorts ein Dach über dem Kopf.

„Als ich gesehen habe, dass die HAWK Fassadenarbeiten vornimmt, habe ich so­fort reagiert und HAWK-Präsident Prof. Dr. Martin Thren angesprochen", erklärt Schneider, der die perfekten Gegebenhei­ten sofort erkannt hatte. Der gelernte Forstwissenschaftler Thren sagte spontan zu. die fünf von der OVH und dem Na­turschutzbund Deutschland (NABU) zur Verfügung gestellten Nistkästen anbrin­gen zu lassen. „Mauersegler sind nicht nur lustige Gesellen und Kulturfolger, sondern auch Indikatoren für ein gutes Mikroklima", sagt Thren. „Das ist ein wunderbarer Beitrag zum Artenschutz der Stadt Hildesheim", freut sich Schnei­der. Auch HAWK-Gebäudemanager Reinhard Hager blickt zufrieden nach oben: „Die hier vorhandenen Möglichkei­ten bieten sich doch geradezu an. Ich freue mich schon, wenn sich im nächsten Jahr die ersten Mauersegler hier ansiedeln."

Es handelt sich übrigens um sehr sozia­le Vögel, die am liebsten in Kolonien le­ben. Darum ist es sinnvoll, gleich fünf dieser Nistkästen nebeneinander anzu­bringen. Es ist eine Entscheidung für die Zukunft, denn normalerweise kehrt der waghalsige Flugakrobat jedes Jahr an seinen alten Nistplatz zurück. „Viele sträuben sich davor, an ihrem Gebäude solche Kästen anzubringen -weil sie Angst vor dem Vogeldreck ha­ben", berichtet Schneider und klärt auf: „Gereinigt werden müssen weder Fassa­de noch Nistkästen. Es sind gerade aus Sicht der Menschen sehr saubere Vögel."

 

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Alles bereit für den Einzug: Karsten Schaer und Nils Schmidt bringen die neuen Nistkästen für die Mauersegler am HAWK-Gebäude am Hohnsen an.

Hausbesitzer, die Rat im Zusammen­hang mit dem Ansiedeln von Mauerseg­lern benötigen oder bereit sind, ebenfalls Nistkasten an ihren Gebäuden anbringen zu lassen, können sich unter der Nummer 74 57 132 an den OVH wenden. Oder bei Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung





 

„Grübler" ziehen Turmfalken auf

Giesener Umweltgruppe zieht nach 25 Jahren Bilanz ihrer Aktivitäten / Steter Partner der Grundschule

Giesen (htw). Seit 25 Jahren sind die Mitglieder der Gruppe Umwelt und Natur­schutz des Giesener Heimatvereins, die „Grübler", aktiv und haben zusammen mit dem Ortsrat und der Grundschule Giesen im Ort und in der Gemarkung schon unzählige Naturschutzaktionen umgesetzt,

Da sich die gestandenen Senioren ständig Gedanken darüber machen, welche spezielle Aktionen und Projekte man sich annehmen sollte, wurden sie im Laufe der Jahre von den Giesenern „Die Grübler" ge­nannt. Unter diesem Namen sind die Ak­teure mit ihrem Gruppenleiter Clemens Engelke inzwischen bei jedem Kind im Dorf bekannt. Kein Wunder, denn seit Jah­ren basteln und werkeln sie im Keller der Grundschule für den Naturschutz und sonstige Aktionen. Sie trugen maßgeblich dazu bei, dass die Grundschule im Jahr 2008 mit dem Titel „Umweltschule Euro­pa" ausgezeichnet wurde.

Zum Ende des Jubiläumsjahres haben die Mitglieder Bilanz gezogen. Der Vorsit­zende dos 1 Heimatvereins, Hubert Schmidt, begrüßte dazu auch Giesens Bürgermeis­ter Andreas Lücke, Ortsbürgermeister Uwe Meyer und Schulrektor Laurenz Feindt. Mit dabei waren auch die „Keller­kinder" der Gruppe mit Willi Lex, Rudolf Czischs, Georg Schmidt, Klemens Rüth, Helmut Koppner und Clemens Engelke. Dazu gehört auch noch Erwin Trox, der an diesem Tage aber verhindert war.

in den vergangenen Wochen, be­richtete Schmidt, hätten die Grübler mit Hilfe der Kinder aus den vierten Klassen zahlreiche Nistkästen für heimische Sing­vögel sowie für Waldkauz und Turmfalken gebaut.

Klemens Rüth, als Mitglied des Ornithologischen Vereins zu Hildesheim (OVH), freute sich, dass in den vergangenen acht Jahren neben mehreren Waldkäuzen 71 junge Allein Turmfalken großgezogen und ausgeflogen seien. Vorher, so Rüth, habe man in der Gemarkung Giesen keinen Turmfal­ken mehr gesichtet. Außerdem bastelten die Senioren mit den Kindern 16 Igelhäus­chen und auf Bitten des Giesener Kleingar­tenvereins noch fünf Insektenhotels, die nach einem neuen Konzept auch für Schmetterlinge geeignet sind.

Fachmännisch betreut werden die Na­turschützer von Experten des OVH. Das Material dafür haben der Ortsrat und der Förderverein der Schule gesponsert. Auch die Bingo-Lotto-Stiftung hat die zahlrei­chen Naturschutzaktionen finanziell un­terstützt.

Vor den Weihnachtstagen bauten die „Kellerkinder" auf Bitten der Sankt-Paulus-Kirchengemeinde 70 Laternen aus un­behandelten Holz für das Licht von Betlehem. Außerdem wurden Holzsterne für die Weihnachtsdekoration ausgeschnitten. Auf dem Schulgelände legten die Senioren ein Frühlingsblumenbeet an. Auch die Apfel­ernte auf der Streuobstwiese, so Vorsitzen­der Schmidt, sei hervorragend gelaufen,

Bürgermeister Lücke lobte die Arbeit der Schulkinder und Senioren. Ohne die „Grübler", so Lücke, wäre Giesen ein gan­zes Stück ärmer. Auch Ortsbürgermeister Meyer und Schulleiter Feindt lobten die „Kellerkinder", die immer zur Stelle seien, wenn man sie brauche. Clemens Engelke stellte den Entwurf eines Holzschildes mit der Aufschrift „Müll und Gartenreste in den Wald - Nein danke" vor, welches dem­nächst im Bereich des Giesener Waldes aufgestellt werden soll.

Im Frühjahr werden die 150 im Wald aufgehängten Nistkästen gemeinsam mit den Schulkindern gereinigt. Auch eine Zu­sammenarbeit mit dem Kindergarten „Schöne Aussicht" und der Umwelt- und Naturschutzgruppe ist vereinbart. Geplant sind naturkundliche Exkursionen mit den Kindern durch Wald und Flur.

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Ortsbürgermeister Uwe Meyer. Vorsitzender Hubert Schmidt, Georg Schmidt und Bürgermeister Andreas Lücke,
daneben Klemens Rüth und Helmut Koppner (von links).      Foto:Wiechens

 
Mächtig Zuwachs für Streuobstwiese

Paul-Feindt-Stiftung lässt 53 neue Obstbäume bei Groß Düngen anpflanzen / Refugium für Tiere und Pflanzen

Groß Düngen (ara). Knorrige Obstbäu­me und ein Biotop für seltene Tiere und Pflanzen: Mit einer Streuobstwiese bei Groß Düngen hat die Paul-Feindt-Stif­tung ein altes Stück heimischer Kultur gesichert. Dieses Reservat ist jetzt um gut 50 neue Obstbäume reicher. Inzwischen stehen dort rund 300.

Derzeit weht eiskalter Wind durch die Bäume und man kann sich in diesen fros­tigen Tagen nur schwer vorstellen, dass sich in gut neun Monaten die Äste biegen - unter der Last vieler Äpfel. „Und das sind dann keine Massensorten wie Elstar oder Granny Smith", schwärmt Karl Bohn, einer der Naturliebhaber, die ihre schützende Hand über die fünf Hektar große Fläche halten.

Offenbar erfolgreich. „Diese Wiese hat Seltenheitswert", erklärt Manfred Bö­gershausen von der Paul-Feindt-Stiftung, die sich in der Region für den Erhalt na­türlicher Landschaft einsetzt. „Hier wachsen Pflanzen wie Schlüsselblume, Tausendgüldenkraut oder Enzian. Und zahlreiche Tierarten wie Siebenschläfer, Neuntöter, Specht oder Dachs fühlen sich ebenfalls wohl", zählt Bögershausen auf. Hinzu kommen Insekten wie Schmetter­linge, Käfer und Ameisen. Und auch im Winter tragen die Äste der Obstwiesenbäume sogar noch ein paar Früchte.

Die finden selbst jetzt Abnehmer. „Wachol­derdrosseln vertilgen die letzten Äpfel'*, so Bohn weiter. Ein ganzer Schwärm fliegt immer wieder in die Bäume und „erntet" die Äpfel ab. Klassische Sorten übrigens, wie „Roter Berlepsch" oder der seltene „Kaiser Wilhelm". Zudem gibt es Zwetschen, Quitten und Kirschen. Alles ganz nach dem Geschmack der Stiftung und weiterer Nutzer: Barienroder Grund­schüler schütteln im Herbst das Obst, das entweder gleich verzehrt oder zu Saft verarbeitet wird. Zudem dürfen Mitglie­der des Ornithologischen Vereins Hildes­heim (OVH) zugreifen - zumal sich die Vogelkundler um die Wiese kümmern.

Damit dies alles auch in Zukunft mög­lich ist, haben vor einigen Tagen vier Männer aus der Hildesheimer Gruppe „Arbeit und Dritte Welt" zugepackt. In acht Tagen setzten sie genau 53 hoch­stämmige Bäume ein, an denen in einigen Jahren reichlich Obst hängen soll. Zwar war es eine Schufterei: „Doch hat es uns auf jeden Fall Spaß gemacht", sagt Volker Hoffmann, der im November zusammen mit drei weiteren Männern beim „Auf­forsten" der Plantage ins Schwitzen kam.

Um die kümmern sich im kommenden Sommer auch einige Schafe. „Helge Him­stedt aus Söhlde treibt dann eine Milch­schafherde auf die Wiese, die dort grasen kann", blickt Bögershausen nach vorn. So könne sich das Vieh satt fressen, um wohl­genährt Milch für frischen Käse aus der Börde zu geben. Noch ein Produkt also, das die alte Wiese möglich macht.

Die ist übrigens nicht nur Naturschüt­zern und Grundschülern vorbehalten. Je­der kann helfen, die Wiese in Schuss zu halten. Etwa beim Zu rechtschneiden der Bäume oder beim Ernten. „Helfer sind willkommen", so Horst Voigt vom OVH. Kontakt: 0 50 63/43 91.

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Michael Magon von der Arbeitsgruppe „Arbeit und dritte Welt", die 53 neue Bäume am Rande der  alten Wiese gepflanzt hat, Horst Voigt {OVH) sowie Manfred Bögershausen und Karl Bohn von der Paul-Feindt-Stiftung begutachten das Obst. Foto Raths

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung


 
Rote Liste - Band 1 - Wirbeltiere

Bonn, 6.10.2009

http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/presse/Hintergrundpapier_Rote_Liste_Wirbeltiere_mitLegende_051009_F%FCrInternet.pdf

http://www.bfn.de/0401_pm.html?&cHash=0e761ecf04&tx_ttnews[backPid]=1&tx_ttnews[tt_news]=1464

Mit diesen Links bekommen Sie eine aktuelle Presseinfo des Bundesamtes für Naturschutz (BFN) zur Stand der Roten Listen der Wirbeltierarten Deutschlands

Jede zweite Art ist heute als gefährdet eingestuft.

Hier einen Auszug:

•"Seit ca. 1850 sind die Bestände von 223 Taxa zurückgegangen (z.B. Perlfisch oder Äsche), also mehr als 50% der heute noch vorkommenden Taxa. Bei 74 Taxa (17%) sinken die Bestände derzeit weiter, z.B. bei Feldhamster, Bekassine, Kiebitz, Seeregenpfeifer und Karausche. Besonders bedenklich ist die Geschwindigkeit: In über 70% der Fälle müssen die Abnahmen als stark oder sogar sehr stark bezeichnet werden."

•"Aktuelles Aussterben von Arten in Deutschland: 22 Wirbeltierarten sind im 20. Jahrhundert in Deutschland ausgestorben oder verschollen. Nur die Brutvögel, Säugetiere und Süßwasserfische weisen ausgestorbene oder verschollene Arten auf. Zu diesen Arten gehören untern anderem die Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersii), die Bayerische Kleinwühlmaus (Microtus bavaricus), die Blauracke (Coracias garrulus), der Schwarzstirnwürger (Lanius minor), der Atlantische Stör (Acipenser sturio) und der Bodensee-Kilch (Coregonus gutturosus). Viele dieser Arten hatten nur kleine Vorkommen in Deutschland. Sie waren deshalb besonders empfindlich gegenüber Lebensraumveränderungen in ihren eng begrenzten Verbreitungsgebieten. Eine vergleichbar hohe Verletzlichkeit haben auch andere sehr seltene Arten mit geographischer Restriktion, die deshalb in der Kategorie R (extrem selten) stehen."

Wann Sie mehr wissen wollen schauen Sie mal nach beim BFN

 

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    Klaus Heisig;...
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